Bei Drohnenflügen über Militärgelände und Flughäfen läuten inzwischen sämtliche Alarmglocken. Doch die Drohnensichtungen am Wochenende im Oberland hatten andere Gründe.
Miesbach – Es war die geballte Macht von 100 Drohnenpiloten, die sich am Samstag auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks (THW) in Miesbach traf. Absoluter Hingucker dieses Workshops war ein Quad-Kopter der Bergwacht Grainau. Denn dieses rund 50 000 Euro teure Fluggerät der Bergretter ist bislang das erste seiner Art in Deutschland. Auf diesen Lastentransporter, der 2026 im Wettersteingebirge in Dienst geht, blickten die versammelten Rettungsdienste von Feuerwehr, Wasserwacht, BRK, Johannitern und Polizei interessiert, aber auch neidvoll. Vor allem die acht Drohnenpiloten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, das bislang nur über eine kleine Drohne für etwa 8000 Euro mit Monitoren im Einsatzfahrzeug verfügt – stationiert in Piding.
„Natürlich hätten wir gerne mehr Drohnen, aber das ist Sache des Haushalts“, sagte Christian Redl vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd, der diesen Workshop organisiert hatte. Insgesamt gebe es bei der Bayerischen Polizei bereits 500 Drohnenpiloten. Die Lehrgänge für diese Spezialeinheit seien bei der Hubschrauberstaffel der Polizei angesiedelt, die in Miesbach beratend zur Seite stand. Denn auch für Einsatzdrohnen gelten die nationalen Vorschriften der Luftfahrt. Versammelt waren hier Kopter-Piloten der Rettungsdienste aus zehn Landkreisen, von Garmisch bis Altötting und Kiefersfelden, für die das Präsidium Oberbayern Süd zuständig ist.
Ziel der gemeinsamen Einsatzübung in drei Sektoren rund um Miesbach und Pienzenau war die bessere Koordination untereinander, beispielsweise bei der Suche nach Vermissten in schwierigem Gelände mit Scannern. In der Praxis sind die Drohnen bereits im Einsatz. So holten vor rund zwei Wochen Bergretter aus Garmisch-Partenkirchen mit deren Hilfe eine 64-Jährige aus abschüssigem Gelände. Weiterer Nutzen dieser inzwischen unverzichtbaren Einsatzmittel für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) ergibt sich beim Aufspüren von Glutnestern, Ausleuchtung von Einsatzstellen, Tatortdokumentationen, Gas- und Radioaktivitätsmessungen und Beobachtung von Besucherströmen.
Für Drohneneinsätze im Bevölkerungsschutz durch nicht polizeiliche Organisationen gilt eine Flughöhe über Grund von maximal 120 Metern und kein Flug über Menschenansammlungen. Die Flugroute sei stets so zu wählen, dass möglichst keine Personen überflogen werden. Denn die Aufgabengebiete von Drohnen werden immer komplexer, die Fluggeräte damit größer und schwerer. Künftig könnten Drohnen auch dringend benötigtes Material wie Defibrillatoren und Medikamente transportieren.
Mit einem Eigengewicht von über 40 Kilogramm kann dies bereits der Quad-Kopter der Grainauer Bergretter. Nach der Testphase bis ins Frühjahr soll das Hightech-Gerät aus China dann bis zu 30 Kilogramm Last befördern. Für den Notfall hat es auch einen Fallschirm.
„Der Weg aus der Luft mit Drohnen ermöglicht eine rasche Erreichbarkeit am Berg und auch den schnellen Zugang bei Katastrophenlagen – insbesondere dort, wo zerstörte Infrastruktur Verkehrswege einschränkt oder unpassierbar macht“, erklärt die Bergwacht Grainau den künftigen Aufgabenbereich ihres „Carry“, wie sie ihren Kopter tauften. Er könne auch bei der Wasserrettung sowie bei Feuerwehr- und Polizeieinsätzen mit einer Reichweite bis zu 16 Kilometern zum Einsatz kommen.
Diese Entfernungen sind für Piloten anderer Rettungs㈠dienste und der Polizei noch unerreichbar. Theoretisch reichten ihre Funkverbindungen zwar über zwei Kilometer, „praktisch aber fliegen wir nur auf Sicht. Denn die Risikominimierung ist ganz entscheidend für uns“, erklärte Polizei-Drohnenpilot Florian Graf.
Das Fazit der Polizei nach dem Lehrgang: „Es war eine sehr wertvolle Übung, die Teamgeist und Zusammenarbeit stärkte und wichtige Erfahrungen für künftige Einsätze im südlichen bayerischen Raum brachte.“