Systemwechsel beim ÖPNV: Landkreis plant Ausschreibungen für Regionalbuslinien

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Der Landkreis muss sich in Sachen Busverkehr neu aufstellen. Erste Entscheidungen sind bereits gefallen. © archiv plettenberg

Im ÖPNV im Landkreis bahnt sich ein Systemwechsel an. Er könnte mittelfristig zu besseren Busverbindungen führen – und zu höheren Kosten für den Landkreis.

Landkreis – Das Deutschlandticket ist für Fahrgäste eine gute Sache, genauso wie die zuletzt erfolgte Einführung eines einheitlichen Tarifsystems mit dem Beitritt des Landkreises zum MVV. Für Busunternehmen allerdings machen es diese Entwicklungen immer schwieriger, Linien eigenwirtschaftlich zu betreiben.

Auch im Landkreis hat der RVO deshalb angekündigt, auslaufende Konzessionen nicht mehr auf eigene Rechnung verlängern zu wollen. Die Folge: Sollen weiter Busse auf den entsprechenden Linien fahren, muss sich der Landkreis als Aufgabenträger für den ÖPNV auf die Suche nach einem Betreiber machen. Von einem „Systemwechsel“ sprach denn auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß in der jüngsten Kreistagssitzung, als es um die Ausschreibung von acht Regionalbuslinien ging, deren Konzessionszeitraum im November 2027 endet.

Was das genau bedeutet, stellte Felix Kühnel vom Büro Planmobil vor, das schon für die Erstellung des Nahverkehrsplans für den Landkreis verantwortlich gezeichnet hatte. Sollte sich niemand mehr für einen eigenwirtschaftlichen Betrieb finden, sei der Landkreis zuständig, das Angebot sicherzustellen. Diese vergebene Leistung müsse künftig zwar bezahlt werden, gleichzeitig bekomme man durch das Ausschreibungsverfahren eine Gestaltungsmöglichkeit, die es bislang nicht gegeben habe, betonte der Fachmann. Heißt: Der Landkreis kann Vorgaben zu den einzelnen Linien und ihren Fahrplänen machen. „Momentan ist alles auf den Schulbusverkehr ausgelegt.“

Drei Varianten kalkuliert

Diesen zu bedienen, hat auch künftig oberste Priorität, schließlich handelt es sich dabei um eine Pflichtaufgabe des Landkreises. Darüberhinaus jedoch habe man intensiv über die Ausgestaltung der einzelnen Linien diskutiert, berichtete Kühnel von zwei Workshops mit Kreisräten. Gemeinsam mit der MVV GmbH seien drei Varianten für eine Neuausschreibung kalkuliert worden.

Variante 1 entspricht einem reduzierten Angebot, bei dem Fahrten auf ein Minimum beschränkt werden, sodass nur noch die Schülerbeförderung abgedeckt ist. Ewaige Pendlerströme und touristische Aspekte werden nicht berücksichtigt.

Bei der zweiten Variante gilt der Status quo, bedeutet, die Linie wird wie bisher ausgeschrieben, ohne Maßnahmen zu mehr Effizienz und Bedienungsqualität.

Die dritte Möglichkeit sieht dagegen eine Überplanung vor, die neben einer optimalen Schülerbeförderung unter anderem auch die Verbesserung von Fahrstrecken und Busumläufen sowie eine Anpassung des Angebots an Fahrgastpotenziale beinhaltet.

Im Westen bleibt‘s beim Status quo

Dass die Buslinien, um die es in der Sitzung des Kreistags ging, vornehmlich den östlichen Landkreis betrafen, fiel Thomas Elste (Grüne/Peiting) auf. Der Grund dafür sei allein, dass für diese die Konzession zum gleichen Zeitpunkt auslaufe, antwortete Landrätin Andrea Jochner-Weiß und verwies auf die anschließende nichtöffentliche Sitzung, in der die Vergabe von vier Linien aus dem westlichen Landkreis Thema sei. Weil deren Konzession bereits 2026 ausläuft, war in diesen Fällen Eile geboten, um den Betrieb über den Zeitraum hinaus sicherzustellen, wie Veronika Schellhorn auf Nachfrage der Heimatzeitung erklärt. Da der Vorlauf für eine genaue Überprüfung fehlte, bleibt es hier laut der Verkehrsmanagerin deshalb erst einmal beim Status quo. Beschlossen wurde in der Sitzung auch die Kostenbeteiligung an der Regionalbuslinie 394 (Penzberg - Schlehdorf), die vom Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen betreut wird. Diese fällt laut der Verkehrsmanagerin niedriger aus, weil das Angebot wegen Überschneidungen mit der Linie 392, der Bahn und der zukünftigen Alpenbusverbindung reduziert wird.

Letzteres abzuschätzen, entpuppte sich allerdings zum Teil als Blick in die Glaskugel. Denn weil die Linien bislang im Eigenbetrieb liefen, habe man keinen Zugriff auf die Fahrgastzahlen, so der Fachmann. Ein Dilemma, das mit der Ausschreibung der Vergangenheit angehören soll. Um nicht zu lange auf unsicherer Datenlage zu operieren, sollen die Konzessionen nur für fünf Jahre vergeben werden.

Bis auf die Linie 931 (Weilheim-Füssen), die unverändert ausgeschrieben wird, sowie die Linie 948 (Penzberg-Tutzing), die wegen des parallelen Zugangebots nur noch ein Mindestangebot abdecken soll („wir werden sehen, ob sie künftig überhaupt erforderlich ist“), kommt auf den übrigen Verbindungen 934 (Weilheim/Peißenberg-Penzberg), 935 (Weilheim-Penzberg), 947 (Penzberg-Schlehdorf), 952 (Weilheim-Landsberg), 953 (Weilheim-Herrsching) und 982 (Schongau-Steingaden) Variante 3 zum Tragen. Teils seien Fahrten ergänzt worden, teils habe man geschaut, wie sich „betriebliche Synergien“ nutzen ließen. Denn Hauptkostentreiber seien die Fahrzeuge, so Kühnel. Auch die Abstimmung auf die Bahn spielte eine Rolle.

Offen blieb in der Kreistagssitzung, wie teuer den Landkreis der Systemwechsel zu stehen kommt. Laut Beschlussvorlage geht man ab 2028 von jährlichen Aufwendungen von 7,2 Millionen Euro aus, wovon drei Millionen Euro durch Einnahmen aus Fahrtentgelten und Fördergeldern gedeckt werden. Die Zahlen seien jedoch bislang nur eine grobe Schätzung, wies Verkehrsmanagerin Veronika Schellhorn auf Nachfrage der Heimatzeitung hin. Wo man endgültig lande, werde man erst nach dem Bieterverfahren sehen. Fakt ist: Teurer als jetzt dürfte es für den Landkreis auf alle Fälle werden. Einstimmig segnete der Kreistag die Ausschreibungen ab.

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