Streit um Verkauf des Bayerischen Hofs: Bürgermeister verteidigt Preis

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Nach der Pause waren die Reihen schon deutlich gelichtet: Bürgermeister Patrick Janik informierte am Dienstagabend im großen Saal der Schlossberghalle, wie es aktuell um die Stadt Starnberg bestellt ist. © Andrea Jaksch

Die Stadt Starnberg will den Bayerischen Hof für 100 000 Euro verkaufen. Ein Gutachten schätzt den Grundstückswert jedoch auf vier Millionen Euro.

Starnberg – Ist der Verkaufspreis von 100 000 Euro für den Bayerischen Hof in Starnberg angemessen? Oder handelt es sich aufgrund der Lage des Grundstücks um einen „Verkauf unter Wert“ und damit einen Verstoß gegen die Bayerische Gemeindeordnung? Letzteres hält die FDP-Stadträtin Anke Henniger für nicht ausgeschlossen, sie hat deswegen die Rechtsaufsicht eingeschaltet. In der Bürgerversammlung am Dienstagabend im großen Saal der Schlossberghalle ging Bürgermeister Patrick Janik im Rahmen seines Rechenschaftsberichts auf das Thema ein und erläuterte den knapp 200 Zuhörern, warum er die Verkaufssumme für angebracht hält, obwohl das Grundstück ein Vielfaches davon wert ist.

Ticketsystem und Ampelschaltung

In der Bürgerversammlung am Dienstag wurden deutlich weniger Bürgeranträge gestellt – und von der Versammlung angenommen – als in früheren Jahren. Beantragt wurde, die Ampelschaltung am Tutzinger-Hof-Platz wieder zugunsten der Fußgänger so zu programmieren, wie es vor dem großen Verkehrsversuch vor anderthalb Jahren der Fall war.

Bernward Nebgen, neu gewählter Vorsitzender des Seniorenbeirats, schlug ein Ticket-System für Bürgeranfragen vor, mit dem die Verwaltung innerhalb festgelegter Fristen antworten muss. Seit circa einem Jahr und trotz mehrerer Nachfragen habe er von der Verwaltung bis heute keine Antwort bekommen, was es mit der Ablage von Grüngut an der Wilhelmshöhenstraße auf sich habe, schilderte Nebgen. Die Kommunikation müsse dringend verbessert werden.

Der FDP-Co-Vorsitzende Stefan W. Zeil beantragte jährliche Bürgerversammlungen in jedem Ortsteil und dass sich die Stadt nach Kräften für einen Autobahnvollanschluss für das Gewerbegebiet Schorn einsetzt. Auch das Modell „Seeanbindung 2.0“ des Vereins Schöner zum See soll nach Wunsch der Bürger noch einmal im Stadtrat beraten werden.

Janik erläuterte zunächst die jüngere Geschichte des 1864/65 errichteten früheren Hotels. Aus Sicherheitsgründen sei vor fünf Jahren eine Hotelnutzung nicht mehr vertretbar gewesen, sagte er. Anschließend habe die Stadt „die eierlegende Wollmilchsau“ gesucht. Die Vorstellung von Bürgermeister und Stadtrat war ein Investor, der die Grundstücke des Bayerischen Hofs und der benachbarten Villa Bayerlein in Erbpacht übernimmt, entwickelt, das denkmalgeschützte Ensemble saniert, zusätzlich neu baut und auch wieder eine Hotelnutzung gewährleistet. Der Plan ging bekanntlich nicht auf. Es gab nur einen Interessenten, und mit dem sei die Stadt „zu keiner wirtschaftlichen Einigung“ gekommen, so Janik.

Mindestens 14,5 Mio. Sanierungsbedarf

Erst danach griff der vom Bürgermeister so bezeichnete Plan B: der Verkauf des Bayerischen Hofs an den Starnberger Unternehmer Dr. Peter Löw und dessen private Initiative „European Heritage Project“ für eben jene 100 000 Euro. Dabei gehe es lediglich um den Bayerischen Hof und auch nur um „einen relativ engen Teil“ des 4500 Quadratmeter großen Grundstücks, erklärte Janik. Diesem Geschäft hat der Stadtrat in nicht öffentlicher Sitzung bereits zugestimmt. Die anderen Flächen – die Villa Bayerlein, die Parkplätze und der Bereich hinter dem Hotel – bleiben im Eigentum der Stadt. Löw verpflichtet sich zu einer denkmalgerechten Sanierung des Hotels und dazu, im Hochparterre wieder eine gastronomische Nutzung einzurichten, wie es sie früher mit dem „Café Prinzregent“ gegeben hat.

Das Grundstück habe zwar einen Wert von geschätzt vier Millionen Euro, sagte Janik. Die Kosten für die Sanierung des Bayerischen Hofs im Bestand würden aber auf 14,5 Millionen Euro geschätzt. „Und die tatsächlichen Kosten dürften noch höher sein“, erklärte Janik. Selbst wenn der neue Eigentümer in den Obergeschossen exklusive Wohnungen einrichten würde, „halte ich es für ausgeschlossen, dass pro Stockwerk mehr als vier Millionen Euro zu erzielen sind“. Unter dem Strich gehe es also um einen Wert von 12 bis 14 Millionen Euro – und damit weniger als die Sanierungskosten.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir die Zustimmung der Rechtsaufsicht erhalten“, sagte Janik. „Und ich hoffe, dass der Bayerische Hof nach drei Jahren dann in neuem Glanz erstrahlt.“ Die Bürger quittierten diese Aussage mit Applaus. Die Rechtsaufsicht habe bereits eine Stellungnahme abgegeben, die Abstimmungen mit der Stadt seien aber noch nicht abgeschlossen, erklärte der Sprecher des Landratsamtes, Stefan Diebl, auf Merkur-Anfrage. „Zu den Inhalten können wir uns daher aktuell nicht äußern.“

Keine Option seien für ihn Überlegungen gewesen, den Bayerischen Hof so lange im Eigentum der Stadt zu behalten, bis er abgerissen werden muss und das Grundstück dann frei ist, so Janik. „Ich bin froh, dass das nicht mehr Teil der Argumentation ist.“

Darum hat die Stadt so viel Personal

In seinem Bericht ging Janik auf zahlreiche weitere Themen ein. Die finanzielle Situation der Kommunen sei „nicht unkritisch“, sagte er und mahnte zum wiederholten Mal eine bessere Ausstattung durch Bund und Freistaat an. Vereinzelt geäußerte Kritik, dass Starnberg gegenüber vergleichbaren Städten zu hohe Personalausgaben habe, ließ er nicht gelten. Dem stehe ein umfangreiches Aufgabenprogramm gegenüber. Starnberg betreibe allein fünf städtische Kindertageseinrichtungen mit etwa 80 Mitarbeitern, eine Musikschule mit 40 Lehrkräften und das Seebad mit 20 Angestellten, rechnete Janik vor. „Das ist der Grund, warum unsere Personalausgaben höher sind.“ Gauting und Penzberg zum Beispiel hätten keine einzige kommunale Kita. Wegen des Tarifabschlusses im öffentlichen Dienst und der Einstellung hauptamtlicher Feuerwehrleute würden die Personalkosten im kommenden Jahr von heuer 23,1 Millionen Euro vermutlich um drei Millionen Euro steigen.

Feuerwehren auf gutem Weg

Zur Seeanbindung sagte Janik, dass er am vergangenen Freitag ein „überaus positives Gespräch“ in Berlin geführt habe. Auch zum parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Ulrich Lange (CSU), gebe es einen guten Kontakt. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr einen runden Tisch mit allen Beteiligten hinbekommen.“ Und dann hoffe er, dass es endlich grünes Licht für das Vorhaben gebe, zumal die Schadenersatzklage der Deutschen Bahn gegen die Stadt nach wie vor im Hintergrund stehe.

Als „Ärgernis“ bezeichnete Janik den Wasserschaden in der Sauna des Seebades. Die Einnahmeausfälle seit der Schließung vor einem Jahr betrügen rund 980 000 Euro. Ein realistischer Zeitpunkt für die Wiederöffnung sei „Frühjahr 2026“.

Die Starnberger Feuerwehren sind laut Janik auf einem guten Weg. „Wir haben Hauptamt geschaffen, um Ehrenamt zu ermöglichen“, sagte er mit Blick auf die neuen Kräfte in der Kernstadt. In Sachen „Aktivengewinnung und Weiterbildung“ habe er von allen Ortswehren positive Signale bekommen. Im nächsten Schritt werde der nächste Teil des Feuerwehrbedarfsplans ausgearbeitet: „Wo steht welches Auto und wie ist das Einsatzkonzept für den B 2-Tunnel?“

Applaus von den Bürgern gab es für die Leistungen der Mitarbeiter des Betriebshofs, der Musikschule und des Museums.