Unvergessen sind die Bilder und Schäden, die vor knapp anderthalb Jahren durch das Pfingsthochwasser im Unterallgäu entstanden sind.
Unterallgäu – Wie Landrat Alex Eder beim Treffen des Entscheidungsgremiums der Lokalen Aktionsgruppe Kneippland Unterallgäu erklärte, habe der Landkreis Günzburg schon einen Tag früher gewusst, dass sich etwas anbahne. Der Grund dafür: Im Landkreis Günzburg gibt es mehrere Kraftwerke der LEW, die über eine bestimmte Software verfügen. Mit dieser werden die Wasserpegel für die Kraftwerke gemessen. So hat die Software auch als eine Art Warnsystem fungiert – jedoch eher in der „Minimalversion“. Ein deutlich umfassenderes Projekt zur Warnung vor Hochwasser schwebt nun den Landkreisen Unterallgäu, Günzburg und Neu-Ulm sowie eventuell der Stadt Memmingen vor. Eder hält es für möglich, dass das Modell für eine LEADER-Förderung in Frage kommt.
Erste Vorstellung des Projekts „KI-Hochwasserschutz“ im Landratsamt Unterallgäu
Daher wurde das Projekt „KI-Hochwasserschutz“ vergangene Woche dem Entscheidungsgremium vorgestellt. Die Idee befindet sich allerdings noch am Anfang, weswegen es um keine Beschlussfassung, sondern rein um die Information der Sitzungsteilnehmer ging. Isabell Sittner-Zehner von der Abteilung Katastrophenschutz am Landratsamt ging bei der Vorstellung zunächst auf die aktuelle Ausgangslage ein. Es sei nicht erst seit dem Pfingsthochwasser 2024 bekannt, dass Naturkatastrophen zunehmen würden, so die Mitarbeiterin des Landratsamts. Wichtige Themen seien beispielsweise auch Hagel, massive Schneefälle und Starkregen. Derzeit gebe es weder umfassende Wasserstände, noch Informationen zur Bodenfeuchte oder eine Niederschlagserfassung. Zudem fehle der Informationsfluss in Echtzeit. Diese Faktoren stünden einer möglichst frühzeitigen Warnung im Weg.
Ziel des Projekts „KI-Hochwasserschutz“ sei es, zu warnen, bevor „die Welle kommt“, erläuterte Sittner-Zehner. Das sei mit den momentanen Mitteln „nicht immer einfach“, was aus ihrer Sicht noch wohlwollend ausgedrückt sei. Hauptziel des angedachten Warnsystems sei der Schutz von Bevölkerung und Infrastruktur, verdeutlichte Sittner-Zehner.
Bevölkerung, Umwelt und Infrastruktur schützen
Bezogen auf die lokalen Entwicklungsziele nannte Sittner-Zehner als Hauptziel die Förderung von Maßnahmen und Angeboten im Bereich Klima- und Naturschutz sowie den Erhalt und die Verbesserung der Artenvielfalt und Biodiversität.
Im ersten Schritt müsste eine Projektstudie durchgeführt werden, erklärte die Sachgebietsleiterin. Durch diese würde ermittelt werden, an welchen Stellen Sensoren – wie zur Ermittlung der Niederschlagsmenge – benötigt werden. Danach könnten die gewonnenen Daten mit einer KI-gestützten Analyse ausgewertet werden und man erhalte eine Prognose. Auf einer Karte, dem digitalen „Echtzeitzwilling“, würde so ersichtlich werden, wo ein Fluss über das Ufer treten wird. Auch Aussagen zur Höhe des Übertritts seien dann möglich. „Je mehr Sensoren, desto genauer wird die Prognose“, verdeutlichte Sittner-Zehner.
„Region mit Modellcharakter“ im Bereich der Leitstelle Donau-Iller
Wenn das Projekt „KI-Hochwasserschutz“ erfolgreich umgesetzt werden würde, sei auch angedacht, dass die Bevölkerung sich über eine App selbst informieren könne. Dadurch bekämen die Bürger die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden, sagte Sittner-Zehner. Auch die Gemeinden und Feuerwehren würden diese Daten natürlich erhalten.
Die Idee hinter dem Projekt und der interkommunalen Zusammenarbeit sei, so die Sachgebietsleiterin, im Bereich der Leitstelle Donau-Iller ein einheitliches System zu integrieren. „Ganz am Ende“ stehe als Hauptziel ein Kooperationsvertrag zwischen den Beteiligten, erklärte Sittner-Zehner. „Wenn alle mitziehen“, könnte somit eine „Region mit Modellcharakter“ entstehen. Die zwei anderen Landkreise sowie die Stadt Memmingen würden sich daher ebenfalls für eine LEADER-Förderung einsetzen.
Aktuell befindet sich das Projekt aber ganz am Anfang. In der Sitzung des Gremiums wurde es erstmals vorgestellt, wovon sich Landrat Alex Eder erhoffte, „ein Bauchgefühl“ für die Präsentation der Idee in den Kreisgremien zu bekommen. Deutliche Zustimmung kam von Babenhausens Bürgermeister Otto Göppel, in dessen Marktgemeinde bekanntlich „Land unter“ geherrscht hatte.
Projektkosten sind noch ungewiss
Was die Kosten anbelangt, konnte Eder noch keine Auskunft geben. Erst müsse sich mit den anderen Landkreisen hinsichtlich der Ausschreibung abgestimmt werden. „Billig ist es nicht“, machte Sittner-Zehner jedoch klar. Günstiger werde es, je mehr Landkreise sich beteiligen. Auf Nachfrage gab die Landratsamtmitarbeiterin an, dass sie auch mit den Landkreisen Ost- und Oberallgäu im Gespräch sei. Eine Zusage gibt es bislang aber nicht.
Wenn Konsens zwischen den bislang beteiligten Kommunen herrscht, sollen laut Sittner-Zehner zudem Wasserwirtschaftsämter und Feuerwehren einbezogen werden. Zuerst wird das Projekt aber in den Kreisgremien behandelt.
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