Der Prozess gegen den Signa-Gründer René Benko geht in die finale Runde – nun sind die Zeugen dran. Ein Urteil zur Skandal-Insolvenz wird heute erwartet.
Wien – Am Landesgericht Innsbruck ist am Mittwoch (15. Oktober 2025) der erste Insolvenzprozess gegen Signa-Gründer René Benko fortgesetzt worden. Am zweiten Verhandlungstag stehen die Aussagen mehrerer Zeugen im Mittelpunkt – ein Urteil wird noch im Laufe des Tages erwartet.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft dem 48-jährigen Immobilieninvestor betrügerische Krida im Zusammenhang mit seiner Insolvenz als Einzelunternehmer vor. Konkret soll Benko Vermögen zum Nachteil seiner Gläubiger beiseitegeschafft haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm ein bis zehn Jahre Haft.
Prozess gegen Skandal-Unternehmer Benko: Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft
Zum Prozessauftakt am Dienstag hatte sich Benko „nicht schuldig“ bekannt. Die Vorwürfe seien „schlichtweg falsch“, sagte Benko. Die Darstellung der WKStA bezeichnete er als „an Zynismus nicht zu übertreffen“. Eine Befragung lehnte er ab. Der erste Verhandlungstag wurde daraufhin nach rund zwei Stunden vertagt, da die Zeugenvernehmungen erst für Mittwoch angesetzt waren. Für Benko war es der erste öffentliche Auftritt, seit er im Januar festgenommen wurde und seitdem in Untersuchungshaft sitzt.
Laut Medienberichten werden nicht alle geladenen Zeugen aussagen. Wie der ORF berichtete, machen Benkos Mutter und seine Schwester von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Befragt werden sollen unter anderem ehemalige Signa-Manager und -Mitarbeiter sowie der Masseverwalter.
Steiler Abstieg nach Signa-Insolvenz: Eine der größten Pleiten Europas
Im Zentrum des Schöffenprozesses stehen zwei Transaktionen: eine Miet- und Betriebskostenvorauszahlung für eine Villa sowie eine Zahlung an Benkos Mutter. Der von der WKStA bezifferte Schaden beläuft sich auf rund 670.000 Euro. Die Verhandlung gilt als Auftakt zur juristischen Aufarbeitung der Signa-Insolvenz – der größten Unternehmenspleite der österreichischen Nachkriegsgeschichte und einer der größten Europas.
In Deutschland gehörten dem Unternehmer zeitweise unter anderem die Warenhauskette Galeria und das Luxuskaufhaus KaDeWe in Berlin. Dem rasanten Aufstieg folgte jedoch ein ebenso steiler Abstieg. Hohe Baukosten, steigende Kreditzinsen und weitere Probleme führten den Handels- und Immobilienkonzern in die Insolvenz, die Ende November 2023 erklärt worden war. Im März 2024 stellte Benko Antrag auf Privatinsolvenz. (lma mit Reuters/AFP)