Die Merz-Regierung hat Beitragsanpassungen bei den Sozialversicherungen beschlossen. Auf eine bestimmte Gruppe kommt ab 2026 eine höhere Belastung zu.
Berlin – Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Mittwoch (8. Oktober) die neuen Rechengrößen der Sozialversicherung beschlossen. Damit kommen auf Gutverdienende im nächsten Jahr 2026 höhere Sozialabgaben bei der Renten- und Krankenversicherung zu.
Renten-Änderung 2026: Um diese Beträge steigen die Abgaben für Gutverdienende
Dabei geht es im Kern um die jährliche Anhebung der Einkommensgrenzen in der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, bis zu der Beiträge von den Löhnen abgezogen werden. Für die Rentenversicherung etwa steigt die monatliche Bemessungsgrenze von derzeit 8050 Euro auf 8450 Euro. Für Gutverdienende werden somit bis zu 400 Euro ihres Einkommens zusätzlich beitragspflichtig. Beim aktuellen Beitragssatz von 18,6 Prozent führt dies für Arbeitnehmer mit einem entsprechend hohen Gehalt zu einer monatlichen Mehrbelastung von gut 37 Euro. Ihre Arbeitgeber zahlen den gleichen Betrag. Für die große Mehrheit der Beschäftigten mit einem Einkommen unterhalb der bisherigen Grenzen ändert sich nichts.
Das Arbeitsministerium begründete die deutliche Anhebung der Grenzen mit der guten Lohnentwicklung. Die Anpassung erfolgt jährlich nach einem festgelegten Mechanismus, der sich an der Entwicklung der Gehälter orientiert. Für die Berechnung für 2026 wird eine Lohnsteigerung von 5,16 Prozent im Jahr 2024 zugrunde gelegt. Das Verfahren soll die Finanzierung der Sozialversicherung sichern, da auch Leistungen wie die Rente mit den Löhnen steigen. Der Bundesrat muss der Verordnung noch zustimmen.
Konkret steigt die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung auf 69.750 Euro jährlich und in der allgemeinen Renten- und Arbeitslosenversicherung auf 101.400 Euro. Die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze, ab der Arbeitnehmer in eine private Krankenversicherung wechseln dürfen, wird auf 77.400 Euro angehoben.
Höhere Belastung für Gutverdienende kommt nicht unerwartet
Die höhere Belastung von Gutverdienern durch steigende Sozialbeiträge kommt Ökonomen zufolge nicht unerwartet. „Die Beitragsanpassungen sind keine Überraschung“, sagte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm schon zuvor der Nachrichtagentur Reuters. „Unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze zahlt man übrigens automatisch mehr, sobald der Lohn ansteigt.“
Auch dem Finanzwissenschaftler Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge entspricht das Vorgehen dem jährlichen Prozedere. „Entsprechend der Entwicklung der Löhne werden diese Grenzen angehoben“, sagte der Experte. „Daraus ergeben sich höhere Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung für Menschen mit vergleichsweise hohen Einkommen.“
Ökonomen kritisieren Merz-Regierung: „Sozialabgaben steigen immer weiter an“
In der Rentenversicherung würden die höheren Einnahmen das System aber nicht entlasten, weil die Versicherten im Gegenzug zusätzliche Rentenpunkte und damit einen höheren Rentenanspruch erwerben würden. „Klar ist, dass die sozialen Sicherungssysteme nicht durch Mehreinnahmen alleine stabilisiert werden können“, sagte Heinemann, der den ZEW-Forschungsbereich Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft leitet. „Nötig sind auch Leistungskürzungen.“
Grimm sagte, die schlechte Nachricht sei eigentlich, dass keine Reformen in Angriff genommen würden. „Solange keine Reformen eingeläutet werden, ist es zwangsläufig so, dass die Sozialabgaben immer weiter ansteigen“, erklärte die Professorin. „Dadurch erhöhen sich die Lohnnebenkosten und sinkt die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland.“ Die Beiträge zu den Sozialversicherungen, die früher einmal auf 40 Prozent des Bruttolohns begrenzt werden sollten, gingen ohne Reformen oder steigende Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt bis zum Ende der Legislaturperiode in Richtung von 45 Prozent. (lma mit Reuters)