Russlands Wirtschaft muss große Opfer bringen. Sanktionen und steigende Preise stürzen die Kohleindustrie in eine ihrer größten Misere.
Moskau – Die russische Kohleindustrie ist am härtesten vom Ukraine-Krieg und den wirtschaftlichen Folgen betroffen. Die meisten russischen Firmen litten unter den Bedingungen der von Kremlchef Wladimir Putin umgestellten Kriegswirtschaft. Aber: „Der Kohlesektor steckt wirklich tief in der Klemme“, sagte ein Vorsitzender eines führenden russischen Unternehmens der Financial Times. Es dürfte sich um die größte Krise seit ungefähr 30 Jahren handeln.
Russlands Wirtschaft leidet unter Ukraine-Krieg und Sanktionen – diese Branche erlebt besonders große Krise
Es folgt ein Hieb nach dem anderen. Gewinneinbrüche, Sanktionen und Pleiten könnten für die russische Kohleindustrie nur der Anfang sein. Die Verluste der Kohleindustrie beziffern sich auf 225 Milliarden Rubel in den ersten sieben Monaten des Jahres. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben sich die Einbußen verdoppelt. Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 hat die Branche 1,2 Billionen Rubel (15 Milliarden Dollar) aufgrund von Sanktionen verloren. Das geht aus Daten der russischen Statistikbehörde hervor.
Die finanzielle Lage des Sektors macht vielen Firmen zu schaffen. Mehr als einem Viertel der Unternehmen, die in der Kohleindustrie aktiv sind, droht die Insolvenz. Im Juli 2025 wurden laut Angaben des russischen Energieministeriums 51 Firmen aus der Branche stillgelegt. Zwei Monate zuvor, im Mai, teilte Vizepremier Alexander Nowak mit, dass 30 Unternehmen, die rund 15.00 Menschen beschäftigten und järhlich rund 30 Millionen Tonnen Kohle produzieren, vor dem Bankrott stünden.
Lage in Russlands wichtiger Branche spitzt sich zu – „schwerste Krise seit 1990er Jahren“
Der Vize-Energieminister, Dmitri Islamow, wies schon im Sommer auf den Ernst der Lage hin. „Leider verschlechtert sich die Situation weiter“, sagte Islamow im Juli dieses Jahres bei einer Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftspolitik. Noch drastischere Worte fand Wladimir Korotin, Vorstandsvorsitzender von Russian Coal, einem der 15 größten Kohleproduzenten, schon zum Jahresbeginn. „Die Kohleindustrie erlebt ihre schwerste Krise seit den 1990er Jahren“, erklärte Korotin, der staatlichen Nachrichtenagentur Interfax. „Tausende Arbeitsplätze in einem Dutzend russischer Regionen stehen auf dem Spiel“, fügte er hinzu.
Nachfrage nach russischer Kohle nimmt ab wegen Sanktionen
Kohleexporte treiben Kremlchef Putin, ähnlich wie beim Verkauf von Öl und Gas, Gewinne für seine Kriegskasse ein. Doch seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs brach die Nachfrage nach russischer Kohle ein, als die EU für Russland aus dem Kohlemarkt verschwand. Die größten Käufer russischer Kohle sind derzeit China, Indien und die Türkei. Die Gesamtexporte liegen laut der Financial Times trotz neuer Kohleausfuhren immer noch unter dem Vorkriegsniveau. Laut dem russischen Beratungsunternehmen NEFT Research sind neben westlichen Sanktionen auch steigende Transportkosten für einen Nachfragerückgang verantwortlich.
Kreml muss angeschlagener Branche helfen – doch reicht das für Russlands Wirtschaft?
Aufgrund der dramatischen Lage hatte der Kreml einen Rettungsplan entwickelt, um die angeschlagene Kohleindustrie zu unterstützen. Wie Reuters berichtete, wird im Rahmen der Regierungsmaßnahmen russischen Kohleunternehmen eine Stundung der Mineralgewinnungssteuer (MET) und der Versicherungsbeiträge bis zum 1. Dezember 2025 gewährt. Für verschuldete Unternehmen sei die Möglichkeit einer Umschuldung vorgesehen.
Die Regierung plant zudem, den Zoll für sibirische Kohleproduzenten bei der Lieferung von Kohle in den Nordwesten und Süden zu senken. Im endgültig unterzeichneten Entwurf, fallen die Maßnahmen laut Informationen der Financial Times allerdings bescheidener aus, weil sie unter anderem durch Vertretern des Finanzministeriums und der russischen Zentralbank abgeschwächt wurden.