Martina Schwarzmann sorgt seit 20 Jahren für volle Säle und gute Einschaltquoten. In Benediktbeuern sorgte sie unter freiem Himmel für viele Lacher im Maierhof.
Benediktbeuern – Die Frau ist und bleibt ein Phänomen: Sitzt allein mit Handtasche und ihrer Gitarre auf einem Stuhl vor dem Mikrofon, singt und erzählt zwei Stunden lang aus ihrem Leben auf dem heimischen Bauernhof und erfreut damit jeweils über 2000 Besucher, die sich zuvor eine nicht ganz günstige Eintrittskarte gekauft haben. Die Rede ist von Martina Schwarzmann, die am Donnerstag und Freitag (24./25. Juli) im Maierhof des Klosters Benediktbeuern Freiluftkonzerte gab.
Weder politisches noch „nackertes“ Kabarett
Wobei die 46-jährige Kabarettistin aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck schon ein Dach über dem Kopf hatte, damit ihr nämlich das Universum nicht auch noch während eines Konzerts neue Texte und Melodien ins Hirn „verpflanzt“, wie sie den Vorgang des künstlerischen Einfalls später beschrieb. Die Zuschauer hatten sich dagegen am Donnerstagabend mit Regenponchos und allerlei sonstiger Bekleidung gegen den befürchteten Regen gewappnet. Doch von 20 bis 23 Uhr fiel kein einziger Tropfen.
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Seit über 20 Jahren sorgt die vierfache Mutter für volle Säle und gute Einschaltquoten. Dabei bietet sie weder ein politisches noch ein „nackertes Kabarett“, wie es vor Jahrzehnten ihr Passauer Kollege Sigi Zimmmerschied fein unterschieden hat, sondern Szenen eines Lebens auf dem heimischen Bauernhof in Altomünster mit Tieren, Pflanzen und Beobachtungen, die eigentlich jeder machen kann, wenn er nur die Augen und Ohren offen halten würde. Vielleicht ist das das Geheimnis hinter dem Erfolg der gelernten Köchin, die sich nie verstellt, die kein aufgesetztes oder künstliches Bairisch spricht, sondern so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Wobei es manchmal ein bisschen grenzwertig ist, wenn aus der „Midlife-Crisis“ die „Midlife-Scheiße“ wird.
Nur ein knappes Dutzend Lieder in zwei Stunden
Auch beim Thema Ausländer hat Schwarzmann ihre eigene Sichtweise, wenn nämlich der Bub aus dem Nachbardorf den bairischen Dialekt, den er zu Hause gelernt hat, zugunsten von Hochdeutsch, versetzt mit türkischen Einsprengseln, aufgegeben hat. Dem Vater eines neu zugezogenen Kindes, der wissen will, ob es in der Kita noch einen traditionellen christlichen St.-Martins-Zug gibt, rät sie, beim örtlichen Metzger nachzufragen, ob fürs Sommerfest auch ein Rollbraten bestellt wird. Wenn ja, dann…
Nach anfänglichen Problemen mit der Tonanlage brachte Schwarzmann die Zuschauer im Maierhof zum Schmunzeln, Kichern, Lachen und begeisterten Klatschen, auch wenn sie nur ein knappes Dutzend Lieder innerhalb von zwei Stunden sang und ansonsten aus ihrem Alltag erzählte. Vor der Pause machte sie noch Platz für den Rosenheimer Kollegen Stefan Kröll, der sein aktuelles Programm „Schee wuid“ vorstellen durfte.
Körbe flechten in der Rente
Zum Schluss gibt die – nach Meinung ihrer Kinder – Öko-Terroristin noch jedem Zuschauer Tipps, wie man die eigene bislang schlummernde künstlerische Veranlagung wecken und ebenfalls (erfolgreicher) Liedermacher werden könnte.
Die 46-Jährige selbst möchte dann in der in 20 Jahren bevorstehenden „Rente“ Körbe flechten, um Maroni auf dem Christkindlmarkt zu braten und zu verkaufen. Bitte nicht, Martina! Wir brauchen dich noch auf der Bühne. (Karl Bock)