Wenn die Brandmauer die Familie spaltet: Der eine Satz, der die Situation rettet

Die politische Brandmauer bezeichnet die Abgrenzung gegenüber extremen Positionen. Ein Konflikt, der inzwischen nicht nur zwischen den Parteien, sondern auch innerhalb von Familien ausgetragen wird. Gerade an Weihnachten, wenn unterschiedliche Generationen und politische Meinungen aufeinandertreffen, droht der Traum vom Weihnachtsfrieden zu zerplatzen.

FOCUS online hat mit dem Streitexperten und Konfliktnavigator Christoph Maria Michalski darüber gesprochen, wie Familien die Diskussion um die Brandmauer an Weihnachten navigieren können. Er betont: "Würdest du oder ich bereit sein, meinen Standpunkt zu verändern? Und das ist meistens, gerade wenn es um Brandmauer oder extreme politische Meinungen geht, nicht der Fall. Deshalb ist die Debatte auf keinen Fall ein Instrument oder ein Gesellschaftsspiel, das an Weihnachten zu spielen ist."

Streitexperte erklärt, wie Sie am besten auf provokante Äußerungen reagieren

Äußert ein Familienmitglied eine provokante Meinung, stellt sich häufig die Frage nach der richtigen Reaktion. Michalski erklärt: Schweigen oder einfach ignorieren sollte unbedingt verhindert werden. "Das ist ein Affront, der fordert noch weiter heraus. Unwidersprochen extreme Meinungen gelten zu lassen heißt ja, ich stimme in gewisser Weise zu. Darum ist Schweigen auf keinen Fall eine Möglichkeit, diesem Konflikt zu entgehen."

Wenn die Debatte bereits entfacht ist, rät der Streitexperte zu folgender Formulierung, um die Situation noch zu retten: "Ich kann deine Meinung nicht ganz nachvollziehen. Und ich finde gerade, das ist nicht der geeignete Zeitpunkt, darüber zu diskutieren. Lass uns bitte nach dem Kaffee auf einem Spaziergang darüber reden, wenn wir unter uns sind."

Konfliktnavigator empfiehlt Spielregeln und Codewörter bei Konflikten

Damit Konflikte um die Brandmauer gar nicht erst ausbrechen, rät der Konfliktnavigator zu offener Kommunikation bereits vor den Feiertagen. "Wenn wir am Gemeinschaftstisch sitzen, reden wir nicht über politische Dinge. Das als Spielregel vorher einzuführen und alle zu fragen, ist das okay für euch? – Das hat den Vorteil, wenn dann jemand zum Beispiel eine politische Diskussion anfängt, kann ich mich auf diese von uns vereinbarte Spielregel berufen", so Michalski.

FOCUS online verrät er einen weiteren Kniff, um erhitzte Gemüter rechtzeitig zu beruhigen. Mithilfe von Codewörtern könne man eine Diskussion, die zu entfachen droht, schnell eindämmen: "Das mag ein bisschen skurril klingen. Aber nehmen wir mal das Codewort Lollipop. Immer, wenn ich Lollipop sage, dann wird diese Spielregel gerade verletzt. Das hat etwas Humoreskes. Das hat eine gewisse Leichtigkeit, weil es kein Vorwurf, sondern eine Erinnerung ist. Nach dem Motto: 'Hey wir hatten doch eine Spielregel vereinbart'", erklärt der Konfliktnavigator.

Jede Familie hat ihre eigenen Tabuthemen. Erzählen Sie uns, was Sie an Weihnachten vermeiden.