Aufgrund der Lage in der Autobranche und des Fachkräftemangels schließt ein familiengeführtes Autohaus zwei von vier Niederlassungen. Was bedeutet das für die Angestellten?
Stuttgart – Die Krise in der Automobilindustrie hat im vergangenen Jahr auch in angrenzenden Branchen ihren Tribut gefordert. Kurz vor dem Jahreswechsel schlüpfte ein von der Industrie abhängiger Maschinenbauer unter einen Schutzschirm, und nun muss auch ein familiengeführtes Autohaus reagieren. Wie die Rheinpfalz berichtet, schließt das Unternehmen zwei seiner vier Filialen und macht dafür zum einen den schwachen Pkw-Absatz, besonders aber den Fachkräftemangel verantwortlich. Der Geschäftsführer richtet dabei auch deutliche Kritik an die Politik.
Die AUTOHAUS CHRISTMANN GMBH mit, laut Impressum, Hauptsitz in Grünstadt (Kreis Bad Dürkheim, Rheinland-Pfalz) betreibt insgesamt vier Autohäuser, die auf den Verkauf von Autos der Marken Peugeot, KIA, Seat und Cupra spezialisiert sind. Seit einiger Zeit stagniert jedoch der Absatz und damit auch der Umsatz des Unternehmens, weshalb jetzt gehandelt werden muss. Fortan will sich der Familienbetrieb deshalb nur noch auf zwei Niederlassungen fokussieren und die anderen beiden aufgeben. Was bedeutet das konkret für die Mitarbeiter?
Autohaus Christmann will sich künftig nur noch auf zwei Niederlassungen fokussieren
Neben dem Hauptsitz in Grünstadt betreibt Christmann zwei Niederlassungen in Worms sowie eine weitere, erst 2013 eröffnete, in Ludwigshafen am Rhein. Im Jahr 2026 will sich der Familienbetrieb nur noch auf die Niederlassungen in Grünstadt und in der August-Horch-Straße in Worms fokussieren, der zweite Standort in der Lutherstadt sowie der in Ludwigshafen werden demnach geschlossen. „Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund eines Marktes, der der gesamten Kfz-Branche zusetzt“, erklärte Geschäftsführer Markus Stiefenhöfer der Rheinpfalz. Ausschlaggebend war aber eben auch der Fachkräftemangel.
| Name | AUTOHAUS CHRISTMANN GMBH |
|---|---|
| Gründung | 1922 in Kirchheim an der Weinstraße, Rheinland-Pfalz |
| Sitz | Grünstadt, Rheinland-Pfalz |
| Branche | Autohandel |
| Mitarbeiter | 80 davon 16 Auszubildende (Januar 2026) |
„Seit einigen Jahren sind nur rund 70 Prozent der Stellen in unseren Filialen besetzt“, führte Stiefenhöfer weiter aus. Und auch die Suche nach geeigneten Auszubildenden gestalte sich immer schwieriger. „Vor 15 Jahren, als ich hier anfing, hatten wir pro Lehrstelle acht bis zehn Interessierte. Heute haben wir auf zehn Ausbildungsplätze einen Kandidaten.“ Die Jugendlichen würden sich nicht mehr so sehr für Autos interessieren und es sei schwer, sie über Werbung zu erreichen. Zudem würden viele, die sich doch bewerben, bereits an den Einstellungstests scheitern.
Schließung von Christmann-Niederlassungen in Worms und Ludwigshafen: Keine Kündigungen notwendig
Neben den Problemen der Autoindustrie und dem Fachkräftemangel sieht der Geschäftsführer von Christmann aber auch Fehler der Politik als Ursachen. „Bei der Förderung von Elektro-Autos ist alles falsch gemacht worden, was man falsch machen kann“, so Stiefenhöfer. Auch die für dieses Jahr geplanten Kaufanreize bezeichnete Stiefenhöfer als nicht durchdacht. Daneben führten auch eine sich verzögernde Baugenehmigung für eine Erweiterung in Ludwigshafen sowie ein verheerender Brand in der Niederlassung in Worms (Schönauer Straße) zu der Entscheidung, die beiden Standorte zu schließen.
Von der Schließung der Niederlassung sind 21 Angestellte und vier Azubis betroffen, denen jedoch angeboten wurde, an die verbleibenden Standorte in Grünstadt und Worms (August-Horch-Straße) zu wechseln. „Wir haben keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen und konnten nun endlich alle freien Stellen an den beiden verbleibenden Standorten besetzen“, erklärte Geschäftsführer Stiefenhöfer. Anfang Dezember musste ein Autohaus mit mehreren Niederlassungen in Nordrhein-Westfalen Insolvenz anmelden. (Verwendete Quellen: rheinpfalz.de, autohaus-christmann.com)