Der Jahreswechsel ist für die Birkländer heuer mit einem besonderen Jubiläum verbunden. Vor 50 Jahren wurde der Ort im Rahmen der Gebietsreform offiziell nach Peiting eingemeindet. Doch hätte es auch anders kommen können, wie der Blick zurück zeigt. Denn vorausgegangen waren damals hitzige Diskussionen und lange Verhandlungen.
Birkland/Peiting – Das Jahr 1975, es sollte ein einschneidendes für die bis dato eigenständige Gemeinde Birkland werden. Die Gemeindegebietsreform in Bayern ist in vollem Gang, und sie trifft vor allem die kleinen Kommunen im Freistaat. Denn um zunehmende Aufgaben in Sachen Infrastruktur, Schulen oder der Versorgung besser und effizienter bewältigen zu können und das Leistungsgefälle zwischen Stadt und Land abzubauen, will die Regierung die Zahl der Kommunen zugunsten größerer Verwaltungseinheiten deutlich reduzieren.
Auch für Birkland mit seinen damals rund 450 Einwohnern sind damit die Tage der Eigenständigkeit gezählt. Die Frage, die man sich im Ort stellt, ist nur: Wo würde man künftig dazugehören? Vonseiten der CSU-Regierung im Land hat man da bereits klare Vorstellungen. Demnach soll sich Birkland einer neuen Verwaltungsgemeinschaft mit Wessobrunn anschließen. Doch im Dorf stößt das auf Skepsis. Nach Wessobrunn habe man als Birkländer keine Beziehungen gehabt, sondern viel eher nach Schongau und Peiting, sagt Peter Ostenrieder. Der heutige Peitinger Bürgermeister ist selbst Birkländer, sein verstorbener Vater Sebastian saß zur damaligen Zeit im achtköpfigen Gemeinderat des Dorfs.
Birklands Bürgermeister Anton Geiger zeigt laut Ostenrieder Sympathien für einen Anschluss an die Lechstadt, doch in seinem Gemeinderat favorisiert man die Eingemeindung nach Peiting. Dort wiederum allerdings findet nicht jeder die Idee charmant. Vor allem bei der Peitinger SPD regt sich Widerstand.
Als die Birkländer Ende August bei einer Abstimmung zwischen Wessobrunn und Peiting entscheiden sollen, wenden sich die Sozialdemokraten kurz davor mit einem Flugblatt an die Dorfbewohner. Darin raten sie von einer Zusammenlegung mit der Marktgemeinde ab und nennen dafür gleich eine Vielzahl an Gründen. Sie warnen vor einer „Leistungsreduzierung“ für Birkland, Probleme beim Ausbau der Infrastruktur, sinkender Steuerkraft des Markts und einer Verschlechterung der Schulsituation. Als abgelegener Ortsteil müsse Birkland „Vernachlässigungen hinnehmen“, Es sei wegen der Lage im Außenbereich kein Bau von Eigenheimen mehr möglich und auch für die politische Mitsprache wagt die SPD-Fraktion eine düstere Prognose. „Kein Birkländer wäre in Peiting Gemeinderat.“
Einer, der das Schreiben einst mitunterschrieben hat, ist Adolf Kapfer. Dass die Befürchtungen von damals sich nicht bewahrheitet haben, will der 89-Jährige heute gar nicht bestreiten. Vorgebracht hatte man sie auch aus eigenem Kalkül. „Für uns als SPD war der Anschluss politisch kein Geschäft.“ Die CSU dagegen habe ein großes Wählerpotenzial gesehen. „Die wollten Birkland daher unbedingt haben.“
In den Schongauer Nachrichten wird der SPD-Vorstoß kritisch begleitet. „Peitings SPD hat Angst vor Birkland“, titelt die Heimatzeitung. Die CSU und die Parteilose Wählergemeinschaft (PWG) reagieren ihrerseits mit einem Flugblatt. Die Methode der Sozialdemokraten lasse den Verdacht aufkommen, „dass parteipolitische Überlegungen im Vordergrund standen“, heißt es darin. Gleichzeitig versichern die Räte, dass ein „Anschluss Birklands weder für Peiting eine große Belastung ist, noch Birkland Einschränkungen hinnehmen muss“.
Auch die Birkländer Gemeinderäte wenden sich vor der Abstimmung noch einmal an die eigenen Bürger, appellieren, „sich nicht von der verteilten Beilage beeinflussen zu lassen, deren Argumente nur die Meinung der SPD-Fraktion wiedergebe. „Vonseiten der CSU wird eine Eingemeindung von Birkland voll unterstützt“, betonen die Räte.
Das Ergebnis spricht schließlich eine deutliche Sprache. 82 Prozent der Birkländer votieren für eine Eingemeindung nach Peiting. Doch bei der SPD bleibt man stur. Als wenig später im Gemeinderat über die Hereinnahme Birklands im Rahmen des Anhörungsverfahrens abgestimmt wird, stimmen alle zehn SPD-Räte dagegen. Weil auf CSU/PWG-Seite ein Mitglied wegen eines Kuraufenthalts fehlt, endet die Abstimmung mit einem Patt. Ende September wird sie wiederholt, diesmal setzen sich die Befürworter knapp mit 11:10-Stimmen durch.
Unklar ist zu diesem Zeitpunkt jedoch, ob das Innenministerium den Beschluss respektiert. „Bei der Gebietsreform sind demokratische Entscheidungen nicht immer gewürdigt worden“, zeigt sich Peitings Bürgermeister Karl Fliegauf in den Schongauer Nachrichten vorsichtig.
Ort hat seine Identität bewahrt
Doch der Ministerrat in München gibt grünes Licht, der Wunsch der Birkländer nach Eingemeindung nach Peiting geht in Erfüllung. Auch die SPD gibt ihren Widerstand auf. Einstimmig wird im Dezember der Eingliederungsvertrag abgesegnet. Ab 1. Januar 1976 ist Birkland offiziell Teil Peitings, womit die Marktgemeinde zur flächengrößten Gemeinde des Landkreises wird. Rückblickend sei die Eingemeindung ein Gewinn gewesen, zieht Ostenrieder eine positive Bilanz. „Auch der Großteil der Birkländer dürfte das sicher so sehen.“ Die Eigenständigkeit seines Gemeinwesens mit den Vereinen und der eigenen Dorfwirtschaft hat sich der kleine Ort dabei über all die Jahre bewahrt – und damit auch seine Identität.