50 Jahre „Zwangsehe“: Zusammenlegung von Inning und Buch

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Buch am Ammersee, Gemeinde Inning am Ammersee: So steht es auf den Ortsschildern. Eine Liebesheirat war die Zusammenlegung zum 1. Januar 1975 allerdings nicht. © Andrea Jaksch

Heimlich, still und leise hat sich Anfang des Jahres die Zusammenlegung der bis dato selbstständigen Gemeinden Inning und Buch zum 50. Mal gejährt. Auch sie wehrten sich erst gegen die Gebietsreform, schafften es dann aber doch, zu einer „Großgemeinde“ zu fusionieren – mit weniger als 5000 Einwohnern.

Inning/Buch – Die Gemeinde Inning kommt auch dank der umtriebigen Vorsitzenden des Vereins Heimatgeschichte Inning nicht aus dem Feiern raus. Jutta Göbber hat es seit 2012 gleich mehrfach vollbracht, zahlreiche Vereine auf eine Bühne zu bringen, um zu feiern: 1100 Jahre Inning, 750 Jahre Stegen, 775 Jahre Schlagenhofen, 1000 Jahre nach dem legendären Aufenthalt Heinrichs II. in Inning. In diesem Jahr werden auf zwei Bühnen Schule heute und früher – nämlich genau vor 375 Jahren – gegenübergestellt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Und dann, flüsterte Jutta Göbber auch schon Bürgermeister Walter Bleimaier zu, gäbe es in diesem Jahr noch ein Jubiläum zu feiern: 50 Jahre „Zwangsehe“. Denn zum 1. Januar 1975 wurde verfügt, dass der damals seit 160 Jahren selbstständige Ort Buch zur Gemeinde Inning gehört. Es war die Zeit der großen Gemeindegebietsreform in Bayern. Nein, gefeiert wird dies auch heute nicht, obwohl beide Dörfer längst eine Einheit bilden, mit einem Bürgermeister aus Buch an der Spitze.

Zwischen 1971 und 1978 veränderte sich die bayerische Landkarte in verwaltungs- und kommunalpolitischer Hinsicht grundlegend. Neben Inning und Buch waren rund 7000 weitere Gemeinden im Freistaat davon betroffen. Am Ende blieben 2000 Gemeinden übrig. Diese „leistungsfähigen“ Gemeinden sollten mindestens 5000 Einwohner haben – ein Wert, den Inning nie erreicht hat. Stand Juni 2024 zählte die Gemeinde 4834 Einwohner.

Adolf Salzer war Mitte der 1970er-Jahre Bürgermeister von Buch.
Adolf Salzer war Mitte der 1970er-Jahre Bürgermeister von Buch. © Privat

Der erste Vorschlag der Staatsregierung im Jahr 1971 lautete noch, dass Inning und Buch mit Etterschlag, Weßling, Oberpfaffenhofen und Hochstadt unter der Leitung von Steinebach fusionieren. In einem Alternativvorschlag wurde Buch mit Breitbrunn, Hechendorf, Unering, Drößling, Meiling und Oberalting-Seefeld zugeschlagen. Vom Zusammenschluss der beiden Ammerseegemeinden allein war noch nicht die Rede. Während Inning die Verfügung nur „zur Kenntnis“ nahm, war Buch ausdrücklich „nicht bereit, einen Zusammenschluss mit anderen Gemeinden anzustreben“. Um dies zu unterstreichen, wurde noch im selben Jahr ein neues Gemeindewappen in Auftrag gegeben.

Einig waren sich Inning, Buch und Breitbrunn damals nur in einer Sache: Keiner wollte einen Zusammenschluss mit Steinebach, eine Dreierehe schon eher. Weil Inning und Buch zusammen auf nicht mehr als 2500 Einwohner kamen, begann das Werben um Breitbrunn. Aber die Bürger dort entschieden sich in einer Bürgerversammlung 1972 für ein Zusammengehen mit Herrsching. Inning hatte damit zwar ein Problem, aber auch eine Idee. Denn die beiden Bürgermeister, Franz Pupeter für Inning und Adolf Salzer für Buch, legten eine Baulandausweisung vor, mit der Inning und Buch auch allein auf 5000 Einwohner kommen sollten. Geschafft wurde dies zwar bis heute nicht, aber das Argument zog.

Franz Pupeter, hier bei der Festwoche 1980, war damals Inninger Bürgermeister.
Franz Pupeter, hier bei der Festwoche 1980, war damals Inninger Bürgermeister. © Privat

Die Bürger von Buch und Inning wurden erst ein halbes Jahr vor dem offiziellen Zusammenschluss befragt. Die Bucher waren mehrheitlich dagegen, es half ihnen aber nichts, der Bürgermeister-Deal stand. Am 9. Dezember 1974 lag der Bescheid vor, dass Buch und Inning zur neuen Gemeinde Inning zusammengelegt werden. Nach Steinebach und Weßling (schon 1972) war die Fusion am Ammersee 1975 die einzige im Landkreis, die freiwillig erfolgte, die meisten anderen Gemeinden rangen noch bis 1978 mit Zusammenschlüssen.

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Der Verein Heimatgeschichte Inning hatte diese Zusammenlegung bereits 2014 in seinen Geschichtsblättern (Heft 8) aufgegriffen und aufgearbeitet. Wer für Wappen ein Faible hat, dem wird vielleicht auffallen, dass das ursprünglich für Buch gedachte Wappen mit der Buche und dem Adler noch heute stolz von den Uniformen der Bucher Feuerwehr blitzt.

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