Die einstige Wäscherei der Gaißacher Oberland-Werkstätten hat eine neue Nutzung. Dort ist nun die Schreinerei eingezogen. Am Freitag gibt es einen Tag der offenen Tür.
Gaißach – Wo vormals Wäsche gewaschen und gemangelt wurde, entstehen nun Transportkisten, Biergartengarnituren, Vogelhäuser und vieles andere aus Holz. Die Gaißacher Oberland-Werkstätten sind mit ihrer Schreinerei aus dem Haupthaus an der Lenggrieser Straße in die Räume der ehemaligen Wäscherei an der Erlenstraße umgezogen. Am kommenden Freitag, 5. Dezember, gibt es bei einem Tag der offenen Tür Einblicke in die Einrichtung. Neben Führungen werden weihnachtliche Dekorationen und natürlich warme Getränke und Gebäck angeboten.
Auftragseinbruch in der Pandemie
2009 war die Wäscherei an der Erlenstraße eröffnet worden. Sie lief gut, doch der Einbruch kam mit Corona. „Wir haben sehr viel für die Tourismusbranche, Hotels und Gaststätten, gewaschen. Von heute auf morgen gab es aber nichts mehr“, blickt Bereichsleiter Matthias Schmidhuber zurück. Zwar blieben die Pflegeheime als Kunden erhalten, und das Geschäft erholte sich nach der Pandemie auch wieder. „Aber die ganze Waschtechnik war in die Jahre gekommen“, sagt Schmidhuber. „Wir hätten massiv investieren müssen.“
Viele Arbeitsbereiche mit hohen Anforderungen
Dazu kam, dass die Aufgaben in der Wäscherei komplex waren. Passende Mitarbeitende dafür zu finden, war keine leichte Aufgabe. Mit der Holz- und Metallbearbeitung sowie der Produktionsküche gibt es in Gaißach weitere Bereiche mit hohen Anforderungen. Noch ausreichend Mitarbeiter für einen vierten zu finden, sei kaum möglich gewesen, sagt Schmidhuber. Zumal es immer häufiger gelingt, Mitarbeitende mit Behinderung auf Arbeitsplätze außerhalb der Werkstätten zu vermitteln.
Ende 2023 schloss die Wäscherei für immer
Es sei vieles zusammengekommen, sagt Schmidhuber. Schließlich fiel im Frühjahr 2022 die Entscheidung, die Wäscherei aufzugeben. Ende 2023 schloss sie dann für immer. „Die lange Übergangszeit war wichtig, weil bei den 30 Mitarbeitenden natürlich auch Ängste da waren“, erklärt Regionalleiterin Dana Verwohlt. Alle hatten genug Zeit, Praktika in anderen Bereiche zu absolvieren und sich einen neuen Arbeitsplatz auszusuchen. „Alle sind zufrieden mit ihrer neuen Aufgabe. Das war uns wichtig“, betont Schmidhuber. „Tatsächlich ist kein Mitarbeiter gekommen und hat gesagt, dass er in die Wäscherei zurückmöchte“, ergänzt Geschäftsführer Klaus Ebert.
850.000 Euro wurden investiert
Das Jahr 2024 stand ganz im Zeichen des Umbaus. Und zu tun gab es einiges – auch Unvorhergesehenes. „Als die Halle leer war, haben wir erst gesehen, dass der Boden saniert werden muss“, sagt Schmidhuber. Rund 850 000 Euro wurden insgesamt investiert. „Wir hatten super Partner aus der Region“, lobt der Bereichsleiter. Die Herausforderung war auch deshalb so groß, weil daneben die Produktion in der bestehenden Schreinerei weiter laufen musste, um Kunden wie EagleBurgmann oder das Tegernseer Brauhaus weiter zu beliefern.
Jeder Arbeitsbereich ist jetzt gut einsehbar
Der Umzug erfolgte Ende 2024. „Wir haben so lange wie möglich produziert. Innerhalb von vier Tagen wurden dann die Maschinen ab- und wieder aufgebaut.“ Anfang 2025 startete die Produktion in den Räumen an der Erlenstraße. „Hier sind wir jetzt auf dem neuesten Stand“, freut sich Schmidhuber. Auch für den Arbeitsschutz brachte der Umzug Verbesserungen. In der lichtdurchfluteten Halle ist nun jeder Arbeitsbereich gut einsehbar. In den Nebenräumen – dort ist es deutlich leiser als in der Halle – finden nur Arbeiten statt, die kein Gefahrenpotenzial haben. Beispielsweise werden dort Vogelhäuschen zusammengebaut.
Schöner neuer Verkaufsraum
Richtig schön geworden ist der neue Verkaufsraum. Dort stehen Gartengarnituren, Blumenkästen, Vogelhäuschen, Hausbänke und vieles mehr. Durch zwei Fenster kann der Besucher in die Werkstatt schauen und sehen, wie dort produziert wird. Vor der Tür gibt es Kundenparkplätze – eine deutliche Verbesserung zum bisherigen Verkaufsraum.
Was aus den frei gewordenen Räumen im Haupthaus wird, sei noch offen, sagt Geschäftsführer Ebert. Einiges hängt auch davon ab, wie sich die Werkstätten für die Zukunft aufstellen und welche Qualifizierungsmaßnahmen sinnvoll sind. Bereichsleiter Schmidhuber: „Es geht um die Frage, wie wir uns weiterentwickeln wollen, damit die Leute auch in zehn Jahren noch einen guten Arbeitsplatz haben.“
Der Tag der offenen Tür in der Schreinerei an der Erlenstraße 4 findet am kommenden Freitag, 5. Dezember, von 13.30 bis 16.30 Uhr statt. Führungen gibt es um 14 und 16 Uhr.