Mit Gitarre, Hund und Herzblut: Straßenmusiker erobern Altstadt

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International unterwegs: Mit Hündin Maira und seiner Gitarre reist Bob Eberl auch in andere Länder und unterhält Passanten mit seinen Melodien. © Privat

Ob Dialekt-Songs, Jazz oder Mittelaltermusik – die Straßenmusik-Samstage locken jedes Jahr zahlreiche Musiker in die Flößerstadt. Einer von ihnen ist Bob Eberl, der mit seiner Hündin Maira durch Europa reist und die Altstadt mit seinem bayerischen Sound verzaubert.

Zwischen Cafés und Schaufenstern spielt ein Mann Gitarre, begleitet von einer warmen Frauenstimme. Am anderen Ende der Marktstraße lässt ein junger Musiker seine Ziehharmonika tönen und macht die Wolfratshauser Altstadt zum Konzertsaal: Von rockigen Riffs über Jazz und Samba bis hin zu bekannten Popsongs reicht das Programm der Straßenmusik-Samstage. Unter- und Obermarkt waren in diesem Sommer erneut Spielorte für Künstler aus der Region.

Auch die dritte Auflage läuft gut

„Bisher haben sich 60 Künstler auf die Straße getraut – davon auch einige über Jahre mehrmals“, sagt Wolfratshausens Kulturmanager Andreas Kutter. „Von Rock, Jazz bis Pop ist alles dabei. Letztens war sogar eine Gruppe da, die Mittelaltermusik gemacht hat.“ Das Projekt lief auch in diesem Jahr gut – schon zum dritten Mal. Die Musiker gestalten ihr Programm frei, die Stadt liefert lediglich den Rahmen: „Wir geben ihnen nur die Möglichkeit, durch die Stadt zu ziehen.“ Eine einzige Vorgabe gibt es – alle 30 Minuten müssen die Künstler ihren Standort wechseln. „Das ist aber auch ganz schön, denn dadurch rotieren die Teilnehmer durch die Innenstadt“, bemerkt Kutter.

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Sänger und Gitarrist Bob Eberl liebt das Projekt. Straßenmusik übt auf ihn einen besonderen Reiz aus. „Es ist eine ganz eigene Herausforderung, vor Menschen aufzutreten, die dich nicht kennen – und die du nicht kennst“, sagt er. „Man muss catchy sein – mit den Augen und Körper arbeiten, damit die Leute stehen bleiben. Es ist eine Performance.“ Genau das motiviert den Solokünstler: „Ich will mir selbst beweisen, dass ich damit meinen Tag verdienen kann. Es ist eine Challenge. Wenn ich nichts verdiene, dann esse ich auch nichts.“

Bob Eberl Gitarre Straßenmusik Wolfratshausen
Gitarre spielen hat sich der Musikant selbst beigebracht. © Privat

Seit drei Jahren spielt Eberl nicht nur samstags in Wolfratshausen. Mit seiner Hündin Maira und einem Bus zieht er durch Europa: „Ich war schon in der Schweiz, Italien, Frankreich und Kroatien.“ Dort verdient er den Großteil seines Einkommens. Maira hilft dabei. „Sie jault mit, dann bleiben die Menschen immer gerne stehen“, erzählt er. Schon seit über 40 Jahren ist die Musik Teil von Eberls Leben. Als Kind drückten ihm die Eltern ein Akkordeon in die Hand. „Ich hab’s gehasst“, gesteht er offen. Mit diesem Instrument konnte er sich nie anfreunden. „Eigentlich wollte ich immer Gitarre spielen – also hab‘ ich es mir selbst beigebracht.“

Heute tritt Eberl als Mundart-Liedermacher auf. Er singt eigene Stücke in bairischem Dialekt und begleitet sich auf der Gitarre. Früher klangen seine Songs anders: Er orientierte sich an englischsprachigen Vorbildern wie Bob Dylan oder Rick Springfield. „Das mit dem Bairischen mache ich erst seit sechs Jahren“, erzählt er.

Auf die Wolfratshauser Veranstaltungsreihe stieß der Dialekt-Songwriter zufällig – und war sofort überzeugt. Seither spielt er in der Flößerstadt sowohl eigene Stücke als auch Cover bekannter Künstler. „Nur mit eigener Musik kommt man nicht weit. Coversongs ziehen die Leute an.“ Das Publikum in Wolfratshausen hat ihn herzlich aufgenommen. „Einmal habe ich sogar ein Eis vom Eiscafé spendiert bekommen – die waren richtig begeistert von meiner Musik“, erzählt er lachend. Auch der Austausch mit anderen gefällt ihm: „Man trifft auf der Straße immer wieder Kollegen, das ist schön.“ Doch nicht jede Erfahrung war positiv. Einmal wurde er mitten im Spiel vor einem Biergarten von einem Gast unterbrochen, der sich über die Lautstärke beschwerte. „Er ist einfach hergekommen, während ich noch spielte – nicht mal abgewartet hat er. Das fand ich schon unhöflich.“ Trotz solcher Erlebnisse bleibt für Eberl das Fazit eindeutig: „Mir hat es in der Wolfratshauser Altstadt richtig gut gefallen. Nächstes Jahr wäre ich auf jeden Fall wieder dabei.“

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Straßenmusik kommt beim Publikum gut an

Beim Publikum kommt die Veranstaltung ebenfalls gut an, berichtet Andreas Kutter. „Die Leute freuen sich, wenn sie in der Stadt zufällig darüber stolpern“, sagt der Kulturmanager. „Aber es gibt auch Besucher, die gezielt ins Zentrum kommen, um die Straßenmusik zu genießen.“ Solange sich genügend Künstler finden, spricht nichts gegen eine Verlängerung. Kutter hat in dieser Hinsicht wenig Sorgen: „Die Musikerinnen und Musiker lieben die ungezwungene Atmosphäre und die Möglichkeit, Neues auszuprobieren.“

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