Franziskus war nicht der erste Papst, dem der Miesbacher Heinrich „Enrique“ Rosner (87) persönlich begegnet ist. Und doch waren die Begegnungen mit ihm für Rosner ganz besonders einprägsam.
Miesbach – Franziskus war nicht der erste Papst, dem der Miesbacher Heinrich „Enrique“ Rosner (87) persönlich begegnet ist. Joseph Ratzinger kannte der Missionspfarrer in Ecuador sogar aus seiner Jugendzeit und duzte ihn. Und doch waren die Begegnungen mit Jorge Mario Bergolio für Rosner ganz besonders einprägsam. Im Interview erzählt er von seinen persönlichen Erinnerungen an den im Alter von 88 Jahren verstorbenen Papst, der an diesem Samstag in Rom beigesetzt wird.
Herr Rosner, sie sind Papst Franziskus dreimal begegnet. Welches dieser Treffen ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Das ist schwer zu beantworten, weil die Begegnungen zeitlich sehr weit auseinanderliegen. Unser erstes Treffen war mehr oder weniger zufällig im Oktober 1971 in einem Fußballstadion in Buenos Aires. Auslöser war der private Kontakt unserer Großfamilien. So ist der Großonkel meiner Schwägerin mit seiner Familie aus Deutschland nach Argentinien ausgewandert, die Familie des späteren Papstes aus Italien. Jorge Mario Bergolio war damals ein einfacher Jesuit, ich ein noch unerfahrener Missionspfarrer. In unserem Interesse an Migranten und ihren Schicksalen haben wir uns schon damals verbunden gefühlt.
Dennoch dauerte es mehr als 30 Jahre bis zu Ihrer zweiten Zusammenkunft. Bergolio war da schon Kardinal. Hat ihn das verändert?
In keiner Weise. Ich war mit einem Pater im Auftrag des damaligen Indio-Bischofs im November 2002 zum Mittagessen in seinem Amtssitz am Hauptplatz von Buenos Aires eingeladen. Raten Sie mal, wer uns in der Küchenschürze die Tür geöffnet hat.
Die Haushälterin des Kardinals?
Weit gefehlt. Es war der Kardinal höchstpersönlich. Er hat da gerade Milanesa für uns zubereitet, das sind typisch argentinische Schnitzel. Auch für uns hatte er noch was zu tun. Ich durfte den Salat machen, und mein Begleiter wurde für den Abwasch eingeteilt. Als dann alles fertig war, haben wir zwei Stunden beim Mittagessen beisammen gesessen und uns über die Situation in den Elendsvierteln ausgetauscht. Da hatten wir ja beide nie Berührungsängste. Ich erinnere mich noch, dass ich mich bei diesem Treffen gefühlt habe wie bei einem entspannten Familienbesuch. Das war aber kein Privileg, sondern ist vielen Menschen so gegangen, die ihm begegnet sind. Sogar, als er dann Papst geworden ist.
Auch da können Sie aus persönlicher Erfahrung berichten.
Genau. Unser drittes Treffen hat anlässlich seines Ecuador-Besuchs Anfang Juli 2015 stattgefunden. Der Papst hatte damals vor seinem Abflug von Quito zu einem Gottesdienst in der Hafenstadt Guayaquil noch einen kurzen Aufenthalt am Flughafen. Da bin ich als Vertreter der örtlichen Pfarrei gefragt worden, ob ich ihn zur Gangway begleiten mag. Davor hatten wir noch Zeit für ein Gespräch. Auf einem Sofa im Diplomatenbereich des Flughafens haben wir uns in erster Linie über unsere Familien ausgetauscht. Offenbar so vertraut, dass die rundherum stehenden Kardinäle vermutet haben, wir wären Klassenkameraden in der Schule gewesen. Mit am meisten beeindruckt hat mich aber, dass mir der Heilige Vater da schon einen kleinen Einblick in seine wegweisende Rede in Bolivien gegeben hat. Der oberste Chef hat den armen Missionar in sein Programm eingeweiht, das war schon außergewöhnlich.
Wie viel davon konnte Franziskus wirklich umsetzen?
Er war ein Mann der Visionen, er hat die Zeichen der Zeit verstanden. Dass er nicht alle Versprechen einlösen konnte, lag an den Konservativen innerhalb der Kirche, die stets gegen ihn gearbeitet haben. Für mich war er aber der Papst, der das größte und bedeutsamste Erbe für die Welt hinterlassen hat. Ganz persönlich behalte ich Franziskus aber vor allem als einen guten Kameraden im Herzen.