„Schlüsselfrage“ zum Ukraine-Frieden: Warum der Donbass zentral für das Kriegsende ist

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Bei den Gesprächen zwischen der Ukraine, Russland und den USA geht es wieder um Gebietsfragen. Vorab wird klar: Niemand will auf den Donbass verzichten.

Abu Dhabi – Erneut blickt die Welt gespannt auf die erwarteten trilateralen Gespräche zwischen den Kriegsparteien Ukraine und Russland in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Hoffnungen auf ein Ende im Ukraine-Krieg sind aber nach mittlerweile vier Jahren Verhandlungen gedämpft. Hinzu kommt, dass beim Hauptstreitpunkt kein Einlenken erwartet wird: Gemeint ist der Donbass, der Festungsgürtel im Osten der Ukraine.

Bei den von den Washington angeregten dreiseitigen Gesprächen zwischen der Ukraine, Russland und den USA geht es wieder um den Donbass. ©  ITAR-TASS/Pond5 Images/IMAGO/Montage

Und um dieses Gebiet geht es nach Angaben von Kiew vor allem bei den von Washington angeregten dreiseitigen Gesprächen zwischen der Ukraine, Russland und den USA. „Die Frage des Donbass ist eine Schlüsselfrage“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu den Verhandlungen in Abu Dhabi, die am Freitag und Samstag (23./24. Januar) stattfinden. 

Vor Verhandlungen in Abu Dhabi: Moskau beharrt weiter auf Donbass-Region in Ukraine-Verhandlungen

Geplant ist, dass bei den Unterredungen alle drei Seiten ihre Sichtweise auf das Problem vortragen und diskutieren. Der Auskunft von Wladimir Putins Beraters Dmytro Lytwyn zufolge ist der Beginn der Gespräche für den Abend geplant. Vor dem Treffen machte aber Russland klar, dass Moskau weiterhin Anspruch auf das gesamte ostukrainische Gebiet Donezk, das es nur zu knapp 80 Prozent kontrolliert, erhebt. Kiews Truppen sollen sich aus dem Gebiet zurückziehen.

Moskaus Position sei bekannt, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag (23. Januar). „Die ukrainischen Streitkräfte müssen das Gebiet des Donbass verlassen. Sie müssen sich von dort zurückziehen“. Für Russland sei dies eine „sehr wichtige Bedingung“, betonte Peskow. Solange diese nicht erfüllt werde, sei es „sinnlos, auf den Abschluss eines langfristigen Abkommens zu hoffen“.

Der Donbass aktuell: Fläche doppelt so groß wie Belgien und seltene Bodenschätze

Die beiden an Russland angrenzenden Regionen Donezk und Luhansk bilden den Donbass. Das fast 55.000 Quadratkilometer umfassende Gebiet ist etwa doppelt so groß wie Belgien und verfügt über riesige Kohle- und Metallerzvorkommen. Der Donbass macht neun Prozent des ukrainischen Territoriums aus. Bereits seit 2014 wird der Donbass, Kurzform für Donezkbecken, in Teilen von prorussischen Separatisten kontrolliert.

Laut einer AFP-Auswertung von Daten des in den USA ansässigen Instituts für Kriegsstudien (ISW) werden fast die ganze Region Luhansk und rund 80 Prozent der Region Donezk inklusive der jeweiligen Hauptstädte von russischen Truppen kontrolliert. Im Donbass leben hauptsächlich russischsprachige Menschen. Zu Sowjetzeiten wurden viele russische Arbeiter in die Bergwerke geschickt. Zudem haben viele ukrainisch sprechende Einwohner die Region seit Beginn des bewaffneten Konflikts in der Ostukraine im Jahr 2014 verlassen. Wieviele Menschen derzeit dort noch leben, ist unklar – bei der letzten Volkszählung vor 2014, im Jahr 2001, waren es rund sechs Millionen.

Überblick: Zahlen und Fakten zum Donbass aktuell

Geografie und Größe 55.000 Quadratkilometer (neun Prozent der Ukraine), Regionen Donezk und Luhansk
Kontrolle und Besetzung Russland: Rund 80 Prozent Donezk und fast ganz Luhansk seit 2022
Wirtschaft und Rohstoffe Kohle, Stahl, Lithium, Uran, Titan, seltene Erden
Bevölkerung 6 Millionen Einwohner (Stand 2001), hauptsächlich russischsprachig
Strategische Bedeutung Tor zu Dnipro/Charkiw, ukrainischer Festungsgürtel

Strategische Bedeutung im Ukraine-Krieg: Kiew nutzt den Donbass als „Festungsgürtel“

Seit 2014 hat die Ukraine in der Region Donezk laut ISW einen „Festungsgürtel“ von den Städten Slowjansk und Kramatorsk im Norden bis nach Druschkiwka und Kostjantyniwka etwas weiter im Süden gebaut, bestehend aus Festungsstädten sowie Hunderten von Kilometern Gräben und Minenfeldern. In der Region Donezk fanden einige der verlustreichsten Schlachten des Krieges statt, etwa in den Städten Bachmut, Mariupol und Awdijiwka. Im September 2022 erklärte Russland Donezk und Luhansk sowie die Regionen Cherson und Saporischschja für annektiert.

Historisch ist der Donbass für Kohleabbau und Industrie bekannt, aber eine andere Art von Ressourcen erhält dort zunehmend Aufmerksamkeit. Die Region ist reich an Rohstoffen wie Lithium, Uran, Titan und seltenen Erden, aber viele von ihnen bleiben in den besetzten oder umkämpften Gebieten unerschlossen. Im Mai unterzeichneten Washington unter Donald Trump und Kiew ein Mineralstoffabkommen, das den USA erlaubt, seltene Erden und andere Vorkommen der Ukraine abzubauen.

„Schlüsselfrage“ im Ukraine-Frieden: Welche Folgen hätte ein Verlust des Donbass?

Eine vollständige Aufgabe des Donbass hätte laut ukrainischen Verantwortlichen und Experten verheerende Folgen für die Sicherheit der Ukraine. Dies würde „das Tor zu einer künftigen weiteren Invasion der Ukraine öffnen“, sagte der in Kiew ansässige Analyst am Stockholmer Zentrum für Osteuropastudien, Andreas Umland, im August 2025. Ein Verlust würde die Ukraine in „eine Position bringen, die deutlich weniger verteidigungsfähig ist als die derzeitige Linie“, erklärte das ISW. Dies würde potenziell den Weg zu den Städten Dnipro und Charkiw öffnen – zwei wichtige Knotenpunkte, die jeweils eine Million Einwohner haben.

Zum Ablauf der geplanten Gespräche in Abu Dhabi sagte der Kremlsprecher, der Beginn hänge vom Eintreffen der Delegationen ab. Verhandelt werde Freitag und notfalls Samstag. Für die Arbeitsgruppe Sicherheit seien Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums entsandt worden – bekannt ist der Leiter des Militärgeheimdienstes GRU, Igor Kostjukow. Über bilaterale wirtschaftliche Fragen zwischen den USA und Russland sollten die Unterhändler Steve Witkoff und Kirill Dmitrijew sprechen. (Quellen: AFP, Tagesspiegel, dpa) (bg)

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