Ende des Ukraine-Kriegs? Was über die Verhandlungen zwischen Russland, Ukraine und USA bekannt ist

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Ukraine, Russland und die USA wollen in Abu Dhabi weiter über den Ukraine-Krieg verhandeln. Was geklärt ist und welche Punkte noch offen sind.

Davos/Abu Dhabi – Vom Schnee in die Wüste: Die Ukraine, Russland und die USA wollen in den Vereinigten Arabischen Emiraten weiter über ein Ende des Ukraine-Kriegs verhandeln. Das gab Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag (22. Januar) beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos bekannt. Nach dpa-Informationen sollen die Treffen in Abu Dhabi am Freitag, 23. Januar, und Samstag, 24. Januar, auf Verhandlerebene stattfinden.

Die Gespräche zwischen USA, Ukraine und Russland sollen in Abu Dhabi weiter gehen © picture alliance/Planet Pix via ZUMA Press Wire/Ukraine Presidency

Zuvor hatten Donald Trump und Selenskyj in Davos gesprochen. Selenskyj bezeichnete das Treffen als gut, die mit den USA ausgearbeiteten Dokumente seien „fast, fast fertig“. Trump hingegen sagte, man habe „noch einen Weg vor sich“. Wie weit sind die Verhandlungen zwischen Putin, Selenskyj und Trump?

Das ist über Verhandlungen zwischen Ukraine, Russland und USA in Abu Dhabi bekannt

Die Gespräche in Abu Dhabi sind die ersten seit Wochen, bei denen Unterhändler der Kriegsparteien Russland und Ukraine wieder direkt miteinander sprechen. Das letzte Treffen fand im November zwischen russischen und ukrainischen Geheimdienstvertretern ebenfalls in Abu Dhabi statt. Zuvor hatte es mehrere gescheiterte Gespräche im türkischen Istanbul gegeben.

Die ukrainische Delegation wird Selenskyj zufolge aus Chefunterhändler Rustem Umjerow, Präsidialkanzleichef Kyrylo Budanow, Generalstabschef Jurij Hnatow und dem Chef der Präsidentenpartei im Parlament, David Arachamija, sowie Vize-Außenminister Serhij Kyslyzja bestehen. Russland hat die Verhandlungsrunde bislang nicht bestätigt.

Das ist bisher bei den Verhandlungen zwischen USA, Russland und der Ukraine geschehen

Die Ukraine, Russland und die USA verhandeln seit November 2025 wieder über ein Ende des Ukraine-Kriegs. Zunächst hatten die USA einen vermutlich mit russischem Einfluss verfassten 28-Punkte-Plan vorgelegt. Nach diesem Plan sollte die Ukraine die Donbass-Region an Russland abtreten und durfte nicht der NATO beitreten. Außerdem sprach dieser Plan den USA die Kontrolle über das in der EU eingefrorene russische Vermögen zu. Sowohl die Ukraine als auch europäische Länder widersprachen diesem Plan. In weiteren Verhandlungen einigten sich die USA und die Ukraine auf einen neuen 20-Punkte-Plan. Diesem Plan stimmt jedoch wiederum Moskau nicht zu.

Die kritischen Punkte bei den Verhandlungen zwischen den USA, Russland und der Ukraine waren:

  • Die Zukunft der besetzten Gebiete, insbesondere des Donbass
  • Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach dem Krieg
  • NATO-Beitritt der Ukraine
  • Beschränkungen der Truppenstärke des ukrainischen Militärs
  • Nutzung des eingefrorenen russischen Vermögens für den Wiederaufbau der Ukraine

Seit dem 17. Januar kommt nun wieder Bewegung in die Verhandlungen. Eine Delegation der Ukraine sprach in Florida mit Trumps Unterhändlern Jared Kushner und Steve Witkoff. Beide Parteien kündigten an, ihre Gespräche beim Weltwirtschaftstreffen in Davos weiterzuführen. Wie der Kyiv Independent und der Guardian berichteten, sprachen in Davos sowohl die ukrainischen als auch die russischen Verhandler mit den Amerikanern. Am Donnerstag traf dann Wolodymyr Selenskyj in Davos ein, um direkt mit Donald Trump zu sprechen. Am Donnerstagabend werden die US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff bei Wladimir Putin in Moskau erwartet.

Fortschritte bei den Verhandlungen zum Ende des Ukraine-Kriegs

Ebenfalls am Donnerstag verkündete Selenskyj, dass er mit US-Präsident Donald Trump eine Einigung über US-Sicherheitsgarantien erzielt habe. Das Thema Sicherheitsgarantien sei „erledigt“. „Das Dokument muss von den Seiten, von den Präsidenten unterzeichnet werden und geht dann an die nationalen Parlamente“, sagte Selenskyj. Der ukrainische Präsident hatte nach dem Treffen mit Trump bereits betont, dass es ohne US-Sicherheitsgarantien nicht gehe. Zwar hätten Großbritannien und Frankreich ihre Bereitschaft erklärt, eine mögliche Waffenruhe mit Russland vor Ort abzusichern, aber „ohne die USA funktionieren keine Sicherheitsgarantien“. Was Selenskyj genau mit den USA geregelt hat, ließ er offen.

Auch zum russischen Vermögen ist wohl eine Einigung möglich. Der russische Präsident hatte laut dpa angedeutet, dazu bereit zu sein, über eine Bezahlung des Wiederaufbaus der Ukraine zu verhandeln. So sagte er laut dpa: „Die übrig bleibenden Mittel der in den USA eingefrorenen Vermögenswerte könnten übrigens nach einem Friedensschluss zwischen Russland und der Ukraine auch zur Wiederherstellung der Territorien genutzt werden, die von den Kampfhandlungen in Mitleidenschaft gezogen wurden.“

Der letzte Verhandlungspunkt zwischen USA, Ukraine und Russland dreht sich wohl um den Donbass

Der springende Punkt bei den Verhandlungen in Abu Dhabi könnte deswegen der Donbass sein. Darauf weisen die Äußerungen von Präsident Selenskyj und US-Sondergesandtem Witkoff hin. Selenskyj sagte am Donnerstag, dass die Fragen rund um die Zukunft der Ostukraine „noch nicht gelöst“ seien. „Es geht um den östlichen Teil unseres Landes. Es geht um das Land. Das ist die Frage, die wir noch nicht gelöst haben. Darüber, so denke ich, hat Steve Witkoff gesprochen“, sagte Selenskyj. Witkoff hatte am Morgen gesagt, die Gespräche seien weit fortgeschritten. Es gebe nur noch „ein einziges Problem“ zwischen Kiew und Moskau.

In ihrem 28-Punkte-Plan hatten die USA gefordert, dass die Ukraine die seit 2014 besetzte Halbinsel Krim und die Regionen Donezk und Luhansk de facto komplett an Russland abtreten solle. Das würde bedeuten, auch noch nicht von Russland besetzte Gebiete abzugeben. In den Regionen Cherson und Saporischschja sollte die Grenze entlang der Kontaktlinie eingefroren werden. Für die Ukraine ist es inakzeptabel, einen Teil ihres Staatsgebiets an den Aggressor Putin abzugeben. Der Donbass ist eine industriell starke Region der Ukraine und reich an sogenannten „seltenen Erden“.

Während USA, Ukraine und Russland verhandeln, friert die Bevölkerung in der Ukraine

Insgesamt dringt über die Gespräche zwischen den Verhandlern wenig nach außen. Das bezeichnete die Kiew-Korrespondentin der Tagesschau als ein „gutes Zeichen“. Das zeige, dass die Gespräche vorankämen. Die Menschen in der Ukraine hätten aber nur wenig Hoffnung. Die jüngsten Anschläge auf die Infrastruktur träfen die Bevölkerung hart. In Kiew würden zweistellige Minusgrade gemessen, russische Drohnen überflögen die Stadt. Viele Haushalte seien stunden- und tageweise ohne Strom, Heizung und Wasser. Die Gespräche in der Wüste Abu Dhabis seien deswegen für viele Menschen weit weg. Sie kümmerten sich darum, wie sie sich und ihre Liebsten warmhalten könnten. Sie spüren am eigenen Leib, ob Putin bereit für Frieden ist. (Quellen: dpa, SRF, Kyiv Independent, Guardian, AFP, Deutschlandfunk, Tagesschau) (cdz)

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