„Bloß nicht aufräumen!“: Tipps für einen tier- und insektenfreundlichen Garten

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Marianne Gaßner (68) und ihr Sohn Josef (44) stehen hinter einer üppig blühenden Pfingstrose in ihrem rund 2000 Quadratmeter großen Garten in Aßling. Allein um die 40 verschiedenen Rosensorten sind hier zu bestaunen. © Peter Kees

Anlässlich des Tages der offenen Gartentür führen Gartenbesitzer im ganzen Landkreis durch ihre blütenreichen Oasen. Heute sind wir zu Besuch bei Familie Gaßner in Aßling.

Aßling – „Pflaumen sind grün-gelblich, saftig, groß und zum Essen da, Zwetschgen dagegen kleiner, blau und für den Kuchen gedacht – so ist das zumindest bei uns im bayerischen Hausgarten. In München kann das schon wieder ganz anders sein.“ Genauso erzählt es Josef Gaßner jun., seines Zeichens Gärtner. Der 44-Jährige ist das aber nicht nur von Berufswegen, auch zu Hause auf dem familiären Hof in Aßling-Wollwies frönt er der grünen Leidenschaft, gemeinsam mit seinen Eltern Marianne und Josef. Und weil die heimische grüne Oase tatsächlich ein kleines, hübsch gestaltetes Paradies ist, nimmt die Familie dieses Jahr erstmals am „Tag der offenen Gartentür“ teil.

Ein Blütenmeer für die Insekten

Auf den gut 2000 Quadratmeter wächst und gedeiht es üppig. Blumen überall, alles steht in Saft und Kraft. Allein um die 40 verschiedene Rosensorten sind zu bestaunen. Man kann es nur schätzen, aber 20 000 Blüten, so meint Gaßner, leuchten derzeit bestimmt. „Die Wurzeln der Rose“, verrät der Gärtner, „gehen tief in die Erde. Deshalb halten Rosen Hitze gut aus.“ Soviel zur Pflanze der Zukunft, in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels.

Grün eingewachsen: das Haus der Familie Gaßner in Aßling-Wollwies.
Grün eingewachsen: das Haus der Familie Gaßner in Aßling-Wollwies. © Peter Kees

Englischer Rasen ist in dem Wollwieser Garten nicht zu finden. Nur dort, wo man die Flächen nutzt, wird gemäht. „Gerade für die Insekten sollte man ohnehin so wenig wie möglich mähen“, klärt er auf (vielleicht zweimal im Jahr, im Juli und im Herbst). Und er hat einen Tipp für andere Gärtner: Man kann auf Wiesen Blumen ansäen und sollte die dann über den Winter unbedingt stehen lassen. „Nicht aufräumen im Herbst, dann überleben die Insekten.“

Selbstversorger im Sommer: Das wächst alles im Garten der Familie

Idyllisch, malerisch fügt sich hier alles zusammen: die Blumen, die Rosen, die Gräser, das Gemüse, die Obstbäume, der Teich, die Wege und Ruheoasen. „Zwischen April und Oktober, November muss ich kein Gemüse kaufen“, freut sich Gaßners 68-jährige Mutter. „Wir haben ja alles selbst im Garten: Salat, Kohlrabi, Blumenkohl, Mangold, Tomaten, Gurken, Paprika, gelbe Rüben und vieles mehr.“ Waschkörbe voller Tomaten werden jedes Jahr geerntet, erzählt sie.

Auch ein Teich gehört zum vollkommenen Gartenglück der Gaßners. In dem Gewässer leben Kois.
Auch ein Teich gehört zum vollkommenen Gartenglück der Gaßners. In dem Gewässer leben Kois. © Peter Kees

Allerdings wird das dieses Jahr wohl anders sein. Denn es gibt plagende Insekten im Erdreich, die die Wurzeln vieler Pflanzen fressen: die Maulwurfsgrille. „Die gab es hier zwar schon immer, aber nicht in dem Ausmaß wie in diesem Jahr. Das ist extrem. Man kann wirklich von einer Plage sprechen“, ärgert sich Josef Gaßner. Die im Folientunnel gepflanzten Tomaten haben deshalb längst nicht die Höhe, die sie zu dieser Jahreszeit eigentlich haben sollten. Wie man die in einer Tiefe von einem Meter hausenden Plagegeister wieder losbekommt, darüber zerbricht man sich in Aßling derzeit den Kopf.

Zahlreiche Tiere leben im Garten der Gaßners

Das Gehöft, das den Großeltern einst als Nebenerwerbslandwirtschaft diente, ist längst kein landwirtschaftlicher Betrieb mehr – und doch gibt es noch Tiere: Neben der Katze und den Kois im Teich leben 22 Hühner unterschiedlicher Rassen in ihrem Gehege. Neugierig sind sie, gar nicht scheu. Als Josef Gaßner einen Spaten holt und ein Loch gräbt, scharen sich alle dicht gedrängt um ihn. Sie wollen Würmer in dem frisch ausgehobenen Erdreich finden. „Das Großartige an den Hühnern, man kann ihnen nicht nur stundenlang zusehen, wir haben jeden Tag frische Eier“, freut sich die Mutter.

Ein kleiner Brunnen sorgt für erfrischendes Plätschern im Blütenparadies der Gaßners.
Ein kleiner Brunnen sorgt für erfrischendes Plätschern im Blütenparadies der Gaßners. © Peter Kees

Naturverbunden ist der Gaßnersche Garten angelegt. Aber auch das macht Arbeit. „Zwischen April und Oktober bin ich zehn bis 15 Stunden in der Woche mit der Arbeit im Garten beschäftigt“, verrät Marianne Gaßner. „Das geht erst, seitdem ich in Rente bin.“ Und woher kommt die Liebe zum Garten? „Da wächst man so hinein und bildet sich dann im Gartenbauverein weiter. Dort gibt es Austausch, Wissen wird weitergegeben, mitunter erfährt man sogar von Hausmitteln, die kaum noch jemand kennt.“ 

Ein Credo hat die Familie Gaßner: „Jeder kann seinen Garten so gestalten, wie er will.“ Ihr großer Zier- und Nutzgarten samt Gewächshaus ist ein gelungenes Beispiel gelebter natürlicher Gartenkunst.

22 Hühner unterschiedlicher Rassen leben auf dem Grundstück der Familie Gaßner.
22 Hühner unterschiedlicher Rassen leben auf dem Grundstück der Familie Gaßner. © Peter Kees

Tag der offenen Gartentür

Diese Gärten sind am Sonntag, 29. Juni, von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen: Naturgarten mit Bergblick bei Familie Kling, Kronau 22, Emmering. Tierfreundliche Vielfalt plus Stein- und Staudengärten bei Familie Hellriegel, Am Bernesterfeld 3, Glonn. Wasser trifft auf Tuffstein bei Franz Lechner, Rotter Straße 11, Grafing. Naturnahes Insektenparadies bei Familie Wollny, Bucher Straße 15, Kirchseeon. Lebensraum Totholzhaufen mit Teichbiotop und Obstbäumen bei Familie Bocklet, Forstweg 1a, Eglharting. Profi-Kreativgarten von Wolfram Franke auf dem Reitsbergerhof, Baldhamer Straße 99, Vaterstetten. Bayerische Olive, Sandarium und mehr beim Gartenbauverein Vaterstetten, Waldstraße 16, Baldham. Wilder Garten mit Vogel- und Amphibienvielfalt bei Angela Wilhelm, Am Schönblick 2, Grafing. Garten der Harmonie mit Sträuchern, Kräutern, Beeren und Exoten bei Familie Biber, Hupfauer Anger 11a, Hohenlinden. Teich, Tulpen, Bäume und vieles mehr bei Familie Waltl, Altmühlhausen 15, Hohenlinden. Koi-Fische und Staudengarten bei Michaela Wierz und Jürgen Wehr, Bahnhofstraße 62a, Aßling. Zier- und Nutzgarten mit Gemüse-Gewächshaus, Teich und Hühnern bei Josef Gaßner jun., Wollwies 1, Aßling. Liebevolle Details um Naturbadeteich, Gemüsegarten und Schildkrötengehege bei Familie Schlüßlhuber, Röhrenbach-Ring 16, Aßling.

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