Trotz Pflegenotstand: Insolvenzen können auch Seniorenheime treffen. Die Einrichtung muss geschlossen werden und die Bewohner in anderen Heimen untergebracht werden.
Geeste-Osterbrock – Die Pleitewelle hat auch ein Seniorenheim erfasst: Die Einrichtung im niedersächsischen Geeste-Osterbrock muss schließen – und zwar für immer. Das Heim werde noch in dieser Woche geschlossen, weil die betreibende ESG Geeste GmbH zahlungsunfähig sei, teilte der zuständige Insolvenzverwalter dem NDR mit.
Seniorenheim insolvent: Bewohner müssen in anderen Heimen untergebracht werden
Das Insolvenzverfahren läuft schon seit Juli. Aber die Suche nach neuen Investoren, die das Seniorenheim übernehmen, war laut NDR erfolglos geblieben. Die knapp 100 Mitarbeiter wurden schon über die Schließung informiert. Die 35 Bewohnerinnen und Bewohner müssen nun in anderen Heimen untergebracht werden.
Grund für die Insolvenz und die Schließung sei die schlechte wirtschaftliche Situation der Einrichtung. Außerdem sei laut Bericht des NDR die Pflege der Bewohnerinnen und Bewohner nicht gut genug gewesen. Es wurden zwar Gespräche geführt, wie die Situation hätte verbessert werden können, jedoch habe man sich dann doch dazu entschlossen, das Seniorenhaus endgültig zu schließen.
Immer mehr Altenheime rutschen in die Insolvenz
Tatsächlich gibt es trotz der steigenden Anzahl der Pflegebedürftigen immer mehr Altenheime, die in die Pleite rutschen, schreibt der Deutschlandfunk. So musste beispielsweise auch der große Pflegekonzern Argentum am 1. April Insolvenz in Eigenverantwortung anmelden.
Das liegt laut Bericht an den steigenden Personalkosten sowie dem Fachkräftemangel, der dazu führe, dass nicht jeder Heimplatz besetzt werden könne. Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) warnt vor einem sogenannten „Heimsterben“ – dadurch gebe es weniger Pflegeplätze, selbst wenn die Heime nicht schließen, warnt Verbandsmanagerin Isabell Halletz.
Dabei kritisiert sie im Deutschlandfunk auch die „schlechte Zahlungsmoral“ der gesetzlichen Pflegekassen und Sozialämter. Pflegeheime müssten Monate auf Rechnungsbegleichung warten – teilweise handele es sich um sechs- bis siebenstellige Summen. „Solche Rücklagen haben die Unternehmen in der Regel nicht“, sagte Halletz demnach.