Junge Menschen tun sich immer schwerer, sich für einen Karriereweg zu entscheiden. KI verunsichert, der Fachkräftemangel verwöhnt. Wir haben mit dem Erdinger FOS/BOS-Leiter Jens Baumgärtel über Berufsfindung gesprochen.
Zum 13. Mal präsentieren sich Unternehmen am 11. und 12. Oktober auf der Ausbildungsmesse Berufsfit im München Airport Center (MAC) am Flughafen. Die Lehrstellen-Messe findet alle zwei Jahre statt und wird vom Netzwerk SchuleWirtschaft für partnerschaftliche Zusammenarbeit von Schule und Unternehmen ausgerichtet. Immer mit einem Stand vertreten ist die FOS/BOS Erding. Wir sprachen mit Schulleiter Jens Baumgärtel über die Bedeutung von Berufsorientierung für junge Menschen in Zeiten von Fachkräftemangel und sich ständig ändernden Jobprofilen.
Herr Baumgärtel, Ihre FOS/BOS platzt mit knapp 800 Schülern aus allen Nähten. Warum gehört sie dennoch auf die Messe?
Wir präsentieren uns wie in den Jahren zuvor an einem gemeinsamen Stand mit der FOS/BOS Freising. Unsere Schulen bieten ein passgenaues und praxisorientiertes Angebot insbesondere für die Schüler, die Richtung Hochschule oder duales Studium gehen möchten. Zielgruppe der Berufsfit sind Neunt- und Zehntklässler. Da müssen wir als FOS/BOS Bayern unbedingt auch vertreten sein.
Welche Rolle spielt die Berufsorientierung an Ihrer Schule?
Eine sehr große. Eine große Stärke der Fachoberschule ist natürlich die fachpraktische Ausbildung, in deren Rahmen Schüler der elften Klasse in umfangreichen Praktika die Abläufe in zwei verschiedenen Berufszweigen sehr gut kennenlernen.
Die FOS/BOS Erding wird heuer mit dem Berufswahl-Siegel ausgezeichnet...
Ja, wir verfolgen im Schulalltag vielfältige Aktivitäten der Berufsorientierung. Das beginnt bei der Talente-Schmiede, in der Elftklässler sich intensiv mit ihren Stärken auseinandersetzen, geht über den Ehemaligen-Netzwerk-Tag, bei dem rund 70 Alumni unserer Schule den Schülern ihr Berufsfeld vorstellen, bis hin zur Studienberatung, Vermittlung von Auslandspraktika sowie Kooperationen mit Hochschulen, IHK und Handwerkskammern.
Welche Bedeutung haben Erfahrungen in der Praxis für die Schüler?
Praktika haben einen enorm hohen Stellenwert. Man merkt den Jahrgängen noch immer an, dass es ihnen an praktischer Erfahrung mangelt, weil sie während der Coronazeit keine Betriebspraktika und anderes machen konnten. Es ist sehr wichtig, hineinzuschnuppern, wie die Zukunft aussehen könnte. Übrigens fließen bei uns die fachpraktischen Noten ins Abitur ein. Der Praxisbezug ist der große Vorteil unserer Schulart gegenüber dem Gymnasium. Etwa 60 Prozent der Abiturienten in Bayern machen ihren Schulabschluss am Gymnasium, die meisten anderen erlangen an der FOS/BOS ihr Abitur oder Fachabitur.
Meine news
Wie wichtig ist Berufsorientierung in Zeiten von sich schnell wandelnden Berufsbildern?
Die Schüler, die zu uns kommen, haben heute oft noch weniger Ideen als früher, was sie denn nach der Schule einmal machen könnten. Das Angebot an Ausbildungsstellen und Studiengängen wird immer vielfältiger. Hier sind wir als Schule gefragt, Angebote zu schaffen, um Orientierung zu bieten. Auch müssen wir die Eltern mit ins Boot nehmen, schließlich sind sie bei der Frage der Berufswahl immer noch die wichtigsten Ansprechpartner.
Hat sich die Jugend verändert oder die Berufswelt?
Wahrscheinlich Beides. Wir erleben heute häufiger Schüler, die nach dem Fachabitur noch die 13. Klasse dranhängen, nicht weil sie einen Berufsweg im Sinn haben, sondern sich noch alles offen halten wollen. Nach dem Motto: Erstmal warten, den höchstmöglichen Bildungsabschluss ablegen und dann mal schauen.
Inwiefern ist das ein Problem?
Wenn ich nicht weiß, wofür ich lerne, ist meine Motivation von Haus aus nicht so groß. Viele Schüler wissen auch nach der 13. Klasse nicht mehr. Im besten Fall machen sie ein Soziales Jahr oder ähnliches. Im schlechtesten Fall sandeln sie einige Zeit herum, machen nichts und lassen Monate oder Jahre verstreichen. Irgendwann ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem. In Zeiten des Fachkräftemangels wäre es für alle wünschenswert, wenn die jungen Leute möglichst schnell in den Beruf starten:
Die Messe
Auf 6000 Quadratmetern werden 210 Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten am 11. Oktober, 9 bis 17 Uhr, und 12. Oktober, 10 bis 16 Uhr, präsentiert. Die alle zwei Jahre stattfindende „Berufsfit“ vom Netzwerk SchuleWirtschaft Freising-Erding-Flughafen im München Airport Center ist eine der größten Ausbildungsmessen in Bayern.