Die Lösung, die sich in Erding abzeichnet, zeigt mal wieder: Man sollte man öfter auf die Kommunalpolitiker hören. Ein Kommentar.
Wir kennen das aus dem Kino: Zwei FBI-Special-Agents tauchen auf, rücken die Sonnenbrille zurecht und raunen dem Sheriff im Vorbeigehen zu: „Ab jetzt übernehmen wir.“ Spätestens jetzt weiß der Zuschauer: „Oje, das geht schief.“ Da sind wir jetzt mal froh, dass sich unsere Sheriffs nicht alles gefallen lassen.
Den Vergleich mit den Sheriffs bitte ich zu verzeihen. Max Gotz ist natürlich kein Vollzugsbeamter, sondern Oberbürgermeister der Stadt Erding. Verwalter (des Friedens in der Bürgerschaft), aber vor allem Gestalter, der vor Ort sieht, wenn was schiefläuft. Leere Gebäude im Fliegerhorst sind ein Paradebeispiel dafür. Wer – außer Investoren und Immobilienmakler – versteht schon, dass zwei Flüchtlingsunterkünfte für über 300 Personen neu gebaut werden müssen, wenn es nicht genutzten Bestand gibt? Nun, Bund und Land haben es fast zwei Jahre lang nicht kapiert. So lang haben Gotz und Landrat Martin Bayerstorfer an einer Lösung gearbeitet. Gotz erwähnt gern, wie viel Widerstand kam und was er dagegen alles aufgeboten hat: Mit Zollstock, Handwerkern und Experten vom Bauhof und der Stadtwerke rückte er an – letztlich mit Erfolg.
Wenn alles nach Gotz‘ Plan läuft, wird nun ein Anker-Zentrum im Fliegerhorst entstehen. Für bis zu 500 Geflüchtete soll es die Durchgangsstation sein. 500 – die Zahl würde dem Landkreis Erding von seinem Kontingent aufzunehmender Männer und Frauen angerechnet. Übrigens auch, wenn zeitweise nur 150 Flüchtlinge vor Ort sind.
Das ist ein Erfolg, denn das nimmt den Kommunen den Druck, nach immer neuen Unterkünften zu suchen. Das gilt auch für die Regierung von Oberbayern, die künftig vielleicht keine Mietverträge mehr für riesige Asylbewerber-Komplexe abschließen muss. Dezentrale, kleine Lösungen sind sowieso deutlich besser für die Integration. Dafür gibt’s viele Beispiele: etwa der junge Mann aus Eritrea, von dem Erdings Stadtrat Hans Fehlberger öffentlich nahezu geschwärmt hat. Als der in einer kleineren Einheit untergebracht war, ging es aufwärts. Hinzu kam der Wille des Arbeitgebers, ihm eine Chance zu geben.
Denn das muss weiterhin unser Ziel sein: Menschen, die vor Krieg und Tyrannen flüchten, erstens sofort zu helfen und zweitens eine Perspektive zu bieten. Das betont nicht nur OB Gotz regelmäßig, sondern alle im Landkreis in der Verantwortung stehenden Gemeindechefs. Und ja, das steht ihnen gut zu Gesicht.
Zu den Perspektiven: Dass Letzteres in Anker-Zentren leider nicht immer der Fall ist, hört man, seit es diese Einrichtungen gibt. Erst im Februar hat ein Bündnis von Sozialverbänden einmal mehr die Abschaffung der Zentren gefordert. Darauf muss man ein Auge haben. Aber das ist nicht Sache der Kommunalpolitik. Für Recht und Ordnung ist der Staat zuständig.. Da darf, nein, da muss dann der Bund ran. Hoffentlich verbockt er das nicht.