Wer in das Schweizer Dorf Albinen zieht, bekommt mehr als eine atemberaubende Aussicht: Die Gemeinde zahlt Neubürgern einen Geldbonus – unter bestimmten Auflagen.
Albinen – Die Schweiz ist das beliebteste Land für deutsche Auswanderer, wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Wer in das alpine Dörfchen Albinen in der Alpenrepublik auswandert, erhält 26.000 Euro von der Gemeinde. Die Zahlung ist allerdings an bestimmte Konditionen geknüpft.
Idylle mit Geldbonus: Schweizer Dorf zahlt Tausende Franken für neue Bewohner
Das Dorf Albinen liegt auf 1.300 Metern Höhe im Bezirk Leuk im Schweizer Kanton Wallis – etwa 100 Kilometer südlich von Bern und 75 Kilometer vom Schweizer Wahrzeichen, dem Matterhorn, entfernt. Die Gegend ist idyllisch und in Albinen selbst finden sich zahlreiche originale Holzhäuser im Walliser Baustil. Doch es gibt ein Problem: den Bevölkerungsschwund. „Den meisten Albinerinnen und Albiner ist klar: Unser Dorf kämpft um seine Existenz, seine Zukunft. Der Verlust der Dorfschule, die wenigen Kinder und die ins Tal ziehenden Jungen sind Alarmzeichen genug“, heißt es in einer Gemeindeinitiative aus dem Jahr 2017.
Die Gemeinde will nicht tatenlos zusehen, wie das Dorf ausstirbt. Seit 2018 zahlt Albinen deshalb nun Einzelpersonen, die sich in dem Ort niederlassen, 25.000 Schweizer Franken (etwa 26.000 Euro), Ehepaare bekommen 50.000 Franken (etwa 52.000 Euro) und pro Kind gibt es zusätzlich 10.000 Franken (etwa 10.400 Euro). So steht es im Reglement über die Wohnbau- und Familienförderung. Voraussetzung ist allerdings, dass die Zugezogenen einige Auflagen erfüllen. Dazu gehört auch, mindestens eine Investition von 200.000 Franken (etwa 208.000 Euro) im Dorf zu tätigen. Doch damit nicht genug.
Albinen lockt mit Prämien: Doch nur, wenn Zuzügler investieren – und bleiben
Möglich ist beispielsweise eine Investition in den Neubau eines Einfamilienhauses, der Umbau von bestehenden Wohnungen und Häusern oder ein Kauf von Häusern oder Wohnungen. „Die Finanzhilfen werden nur gewährt, wenn mindestens 70 Prozent der Baukosten von kantonalen Unternehmen oder durch anerkannte Eigenleistungen ausgeführt werden“, schränkt die Gemeinde ein.
Zudem müssen die Zugezogenen ihren Hauptwohnsitz in Albinen haben, mindestens zehn Jahre dort wohnen und dürfen beim Zuzug maximal 45 Jahre alt sein. Wer das Objekt vor dem Ablauf von zehn Jahren verkauft, muss den „gewährten Wohnförderungsbeitrag vollumfänglich zurückerstatten“, heißt es von der Gemeinde weiter. Anders sieht es mit den 10.000 Franken pro Kind aus: Diese Kinderbeiträge dienen demnach der Familienförderung und unterliegen nicht der Rückzahlungspflicht.
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Schweizer Bergdorf verspricht Zuschüsse beim Zuzug – und sieht es als Investition in die Zukunft des Dorfes
Die Kosten für die Gemeinde sind zwar hoch, aber lohnen sich, sind die Initiatoren überzeugt. Das Geld sei gut in die Zukunft des Dorfes investiert: „Wird es beansprucht, dann profitiert die Gemeinde dank Steuer- und Gebühreneinnahmen, der Dorfladen dank Kunden, das Gewerbe mit Bauaufträgen, die Vereine mit jungen Leuten, die sich im Dorfleben engagieren. Und im besten Fall kehrt sogar die Schule ins Dorf zurück“, heißt es in einem Schreiben der Gemeindeinitiative aus dem Jahr 2017.
Die Rechnung ging offenbar auf, denn Albinen zeigt sich mit der Entwicklung der Initiative bislang zufrieden. „Ja, es hat mehr Zuzug gegeben und auch einen Zuwachs der Altersgruppe 0 bis 10 Jahre, seit Beginn der Wohnbauförderung“, erklärt Tobias Grand, Gemeindekanzlist von Albinen, auf Anfrage von IPPEN.MEDIA. Genaue Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung seit 2018 wollte die Gemeinde noch nicht mit der Redaktion teilen. „Wir arbeiten eine fundierte Analyse in Bezug auf die Wohnbauförderung aus“, so Grand. Diese läge voraussichtlich Ende Mai vor, hieß es weiter.
So mancher Deutscher könnte sich von der Initiative angesprochen fühlen, denn am liebsten wanderten die Bundesbürger im Jahr 2023 ohnehin in die Schweiz aus. Danach folgten laut Statistischem Bundesamt die Länder Österreich, USA, Spanien, Frankreich, Türkei, Großbritannien, Polen, Niederlande und Italien. Auch Italien lockt Zuzügler mit einer Millionenförderung zum Hauskauf – teilweise sind die Häuser in so manchem italienischen Dorf für nur einen Euro zu haben. Eine US-Amerikanerin kaufte sich in Sizilien gleich drei Immobilien. In Spanien hat ein Paar ein komplettes Dorf für 350.000 Euro übernommen.