Das neue Tribute-Portfolio-Hotel in Lenggries begrüßt seine ersten Gäste und bietet neben Rooftop-Bar auch einen modernen Spa-Bereich.
Lenggries – „Darf ich mich mal umschauen?“, fragt die Frau, die sich vorsichtig in den Eingangsbereich vorgewagt hat. „Aber natürlich“, sagt Barbara Schober. Fragen wie diese hat die Direktionsassistentin seit Dienstagmittag (30. September) einige beantwortet. Um 12 Uhr öffnete das neue Hotel Flesslers seine Türen – ohne Werbung im Vorfeld, ohne Ankündigung. „Aber die Lenggrieser waren da“, sagt Schober und lacht. Die Entscheidung, noch im September zu öffnen, sei kurz zuvor „relativ spontan“ gefallen, erklärt Hoteldirektor Christoph Seitz. Bis zur letzten Minute wurde „Tag und Nacht“ mit bis zu 60 Leuten gearbeitet, um den Termin zu schaffen. Am Dienstag kurz vor Mittag verließen die letzten Bauarbeiter das Hotel, 15 Minuten später gingen die Türen auf.
Hotel Flesslers in Lenggries öffnet nach 17 Monaten Umbau
Dieser Moment, als wieder für Gäste geöffnet wurde, sei für sie der schönste gewesen, sagt Schober. Sie war es, die vor knapp drei Jahren die Türen des damaligen Arabella Brauneck-Hotels abschloss und damit nach über 20 Jahren im Dienst für die Gäste ihren Arbeitsplatz zum letzten Mal verließ. Ein Jahr zuvor hatte die Blue Lion GmbH der Familie Schörghuber das Hotel an eine Gesellschaft rund um den Lenggrieser Immobilienentwickler Christoph Hertwig verkauft. Sie habe damals gedacht, es sei ein Abschied für immer, sagt Schober.
Doch drei Jahre später ist sie zurück, genauso wie Seitz, der sieben Jahre lang das Brauneck-Hotel geleitet hatte, und genauso wie eine ganze Reihe weiterer ehemaliger Mitarbeiter. An diesem Donnerstag begrüßen Schober und Seitz ein ganz besonderes Ehepaar. Gertrud und Peter Ries aus Straubing waren die letzten Gäste im Brauneck-Hotel und gehören nun zu den ersten im „Flesslers“. Pünktlich zum Start am 30. September habe es leider nicht geklappt, sagt Peter Ries. „Aber jetzt sind wir froh und zufrieden, dass wir hier sein dürfen.“
Dieses Hotel ist ein absolutes Highlight.
Über 20 Jahre verbrachte das Paar seinen Urlaub immer wieder in Lenggries. „Das Hotel haben wir eher durch Zufall entdeckt“, sagt Gertrud Ries. Weil sie sich wohlfühlten, kamen sie immer wieder. Sie hatten sich in jenem November 2022 gewünscht, die letzten Gäste sein zu dürfen. Ein Foto zeigt sie zusammen mit Schober und Seitz. „Wir waren sehr traurig“, sagt das Ehepaar. Aber es sei klar gewesen, dass das Hotel eine umfassende Sanierung brauchte, ergänzt Peter Ries.
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Auch wenn die beiden in den vergangenen drei Jahren an anderen Orten Urlaub machten, fuhren sie immer mal wieder in Lenggries vorbei, „um zu schauen, wie weit der Baufortschritt ist“. Beim letzten Abstecher trafen sie Seitz auf einer Parkbank vor dem Hotel. Er informierte sie über die anstehende Eröffnung. Vom „Flesslers“, das nun ein Tribute-Portfolio-Hotel der Marriott-Gruppe ist, sind die beiden begeistert. „Es ist überwältigend“, sagt Gertrud Ries. „Es ist unglaublich, was hier entstanden ist“, ergänzt ihr Ehemann. Bis ins letzte Detail passe alles zusammen. „Wir drücken beide Daumen, dass es gut läuft. Die Konkurrenz ist groß, aber dieses Hotel ist ein absolutes Highlight.“ Bis Sonntag bleiben die beiden. Länger gehe leider nicht, weil zu Hause in Straubing das Bluval-Festival laufe, zu dessen Organisatoren Peter Ries gehört.
Hotel in Lenggries nach Umbau kaum wiederzuerkennen
17 Monate dauerte die Umbauzeit. Das Haus ist kaum wiederzuerkennen. Wer auf den Haupteingang zusteuert, blickt auf den neuen Biergarten. „Frisch interpretierte regionale Klassiker, wie etwa den Breznkorb mit dreierlei Schmiererei: Obazda, Blütenpolle-Feige und Kräuter-Frischkäse“ soll es dort laut Pressemitteilung im Sommer geben. Rechts steht das neue Appartementhaus, das Wohnraum für die Mitarbeitenden bietet. Außerdem ist dort der größte der verschiedenen Konferenzräume untergebracht. Links kann man durch die Glasfront einen Blick ins Restaurant Nepomuk Grill & Bar – benannt nach dem Flößerheiligen – werfen. An der offenen Grillstation kann man nicht nur sein künftiges Steak im Reifeschrank hängen sehen, sondern den Koch auch dabei beobachten, wie er es zubereitet.
Der Eingangsbereich ist schick und gemütlich, eine Mischung, die selten gelingt. Es gibt viele Sitzmöglichkeiten, links an der Bar, rechts auf einem der Sofas oder Sessel. Vor allem die Farbgebung erinnert an die 1970er-Jahre. Das ist gewollt und als Reminiszenz an das Entstehungsjahr des Gebäudes gedacht. Eröffnet wurde das Hotel 1972 zu den Olympischen Spielen in München. Andere Elemente nehmen Bezug zur Flößerei. Auch der Name „Flesslers“ – das altdeutsche Wort für Flößer – wurde als Hommage an das Flößer-Handwerk gewählt.
Spektakulärer Blick aus der Rooftop-Bar
Das Highlight des Hotels befindet sich aber im neuen sechsten Stock. Die Etage ersetzt das immer etwas eigentümlich anmutende asymmetrische Dach und beherbergt die Echo-Rooftop-Bar. Von der Dachterrasse oder von einem der gemütlichen Stühle – einige mit Cord-Bezug – im Inneren schweift der Blick über die Dächer von Lenggries. Auf der einen Seite schaut man aufs Brauneck, auf der anderen auf den Geierstein. Die Getränkekarte ist umfangreich, aber auch Snacks werden gereicht. Direkt gegenüber befindet sich der neue Spa-Bereich mit zwei Behandlungsräumen und drei Saunen, eine davon mit wunderbarem Ausblick auf die Berge. Den genießt auch, wer im Fitnessraum trainiert.
Restaurant, Biergarten und Rooftop-Bar sind nicht nur für die Hotelgäste gedacht, nutzen darf sie jeder. „Wir sind für alle da“, sagt Seitz. Wer dennoch Scheu hat, sollte sich den kommenden Donnerstag, 9. Oktober, vormerken. Von 15 bis 19 Uhr ist ein Tag der offenen Tür geplant.
114 Zimmer gibt es im „Flesslers“, darunter sechs Suiten mit bis zu 48 Quadratmetern. Bei der Sanierung wurde besonderer Wert auf Energieeffizienz gelegt: Das Haupthaus erfüllt den KfW-55-, das Appartementhaus KfW-40-Standard. Für den Hochbau zeichnete Architekt Korbinian Schwarzenberger verantwortlich, die Innenarchitektur stammt von Böhm, den Innenausbau realisierte die GH Hotel Interior Group. Betreiber des Hauses ist die Signo Hospitality GmbH mit Sitz in Essen. (va)