Soll das Dorf Blatten im Kanton Wallis nach dem heftigen Bergrutsch wieder aufgebaut werden? Eine Umfrage hat sich in der Schweiz mit dieser Frage befasst.
Blatten – Es waren verheerende Bilder aus dem Schweizer Kanton Wallis, die sich Ende Mai europaweit verbreiteten. Ein riesiger Bergsturz mit einer gigantischen Gerölllawine hatte sich im Lötschental ereignet, tiefes Mitgefühl mit den Betroffenen folgte. Denn: Am 28. Mai wurde das Walliser Dorf Blatten fast komplett verschüttet. Was das Gestein übrig ließ, verschwand in einem Stausee voller Gletscher-Schmelzwasser.
Das Schmelzwasser rauschte neben immensen Gesteinsmassen unaufhaltsam ins darunter liegende Tal. Ein 64-jähriger Schäfer befand sich außerhalb der Evakuierungszone, er konnte nach der Tragödie nur noch tot geborgen werden. Die Behörden aus Bern hatten zuvor unter anderem Armee und Katastrophenschutz mit der aufwändigen Evakuierung beauftragt - 300 Einwohnerinnen und Einwohner des Alpen-Dorfes konnten so noch rechtzeitig an sichere Orte gebracht waren.
Bergsturz-Drama in Schweizer Alpen: Umfrage beschäftigt sich mit möglichem Wiederaufbau
Ihre Häuser konnten die Menschen aus Blatten nicht mehr retten. Es folgte eine riesige Solidarität in der Eidgenossenschaft zwischen Genfer See, Basel, Zürich und Lugano. Blatten solle in drei bis fünf Jahren wieder aufgebaut werden, hieß es noch Mitte Juni. Gemeindepräsident Matthias Bellwald erzählte damals dem SRF, dass zwei angrenzende unversehrte Weiler zum neuen Blatten ausgebaut werden sollen. Auch der ursprüngliche Dorfkern solle wieder aufgebaut werden, meinte er.
Im kommenden Jahr solle der Dorfplatz von Schutt und Geröll befreit sein, kündigte der Lokalpolitiker an. Doch: Kommt alles anders? Nur zweieinhalb Monate später machen in der Schweiz Zweifel die Runde, ob ein mit erheblichen Kosten für die Allgemeinheit verbundener Wiederaufbau wirklich Sinn ergibt. Die Schäden sind schließlich gewaltig, und die tonnenschweren Gesteinsbrocken eine gewaltige Herausforderung. Von rund zehn Millionen Kubikmetern Gestein wurde berichtet.
Damit nicht genug: Fehlt es in der Schweiz nun doch an ausreichend Unterstützung? Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo für die Tageszeitung Blick sind zumindest 55 Prozent der Befragten gegen einen Wiederaufbau des Walliser Dorfes an selber Ort und Stelle. 42 Prozent der Befragten votierten dagegen für einen Wiederaufbau im Katastrophengebiet. Die polarisierende Debatte dürfte nicht nur das Kanton Wallis, sondern das gesamte Alpen-Land weiter beschäftigen. (pm)