Männlichkeit neu denken: Sexologin verrät 10 Dinge, die jeder Mann über Sex wissen sollte

Leistungsdruck führt zu Erektions- und Orgasmusproblemen

Viele Männer definieren sich über ihre „Performance“ – nicht nur im Job, sondern auch im Bett. Ihr Gehirn hat die belastende Formel verinnerlicht: Keine Leistung = Keine Belohnung. Das führt zu ständigem Druck, beim Sex „abliefern“ zu müssen - häufig geprägt durch Eindrücke aus Pornos. Es fällt schwer, ins Spüren zu kommen und präsent zu sein.

Anstatt sich fallen zu lassen, kreisen die Gedanken um Erwartungen, Vergleiche und die eigene „Performance“. Daraus entwickeln sich im schlimmsten Fall Erektions- und Orgasmusprobleme. Der erste Schritt ist, sich dieses Drucks bewusst zu sein. Dann kann man in einem zweiten Schritt mit gezieltem mentalem und körperlichem Training gegensteuern.

Weil ich so oft Männer unter hohem Leistungsdruck in der Sexualität erlebe, habe ich einen kostenlosen Online-Schnelltest entwickelt. Damit kann Mann herausfinden, ob die Erektionsprobleme primär körperlich oder mental sind.

Über Beatrix Roidinger

Beatrix Roidinger ist Autorin, Sexualberaterin und klinische Sexologin mit Spezialisierung auf männliche Sexualität. Sie ist Gründerin von Best Lover, einem Zusammenschluss aus Sexualberatern, Sexologen und Urologen. In der Best Lover Academy - dem größten deutschsprachigen Online Coaching Programm - hat sie bereits über tausend Männern bei der Behebung ihrer sexuellen Probleme geholfen.

Emotionale Intimität ist genauso wichtig wie körperliche

Manche Männer glauben, Sex muss zielorientiert sein. Nämlich immer bis zum Orgasmus. Dabei vergessen sie, wie entscheidend emotionale Nähe für eine erfüllte Sexualität ist. 

Intimität entsteht nicht allein durch körperliche Berührung. Wenn sich jemand wirklich gesehen und verstanden fühlt, entsteht oft mehr Vertrauen als durch jede routinierte ‚Sex-Technik.

Scham kreiert Barrieren

Scham ist eine der größten Hürden, wenn es darum geht, sich in der eigenen Sexualität wohl zu fühlen. Immer wieder erfahre ich, dass Männer von Unsicherheiten geprägt sind – sei es wegen ihres Körpers, der Größe ihres Penis oder weil sie glauben, nicht „männlich genug“ zu sein.

Auch individuelle Vorlieben und Fantasien können Schamgefühle auslösen, vor allem wenn sie nicht dem entsprechen, was gesellschaftlich als „normal“ oder „erwartbar“ gilt. Diese Scham führt oft dazu, dass Männer sich zurückhalten, in intimen Momenten nicht ganz sie selbst sind oder ihre Bedürfnisse und Wünsche nicht offen aussprechen. Wer den Mut hat, seine Scham zu hinterfragen und bewusst zu reflektieren, nimmt ihr die Macht

Berührung ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis

Auffällig oft höre ich von Männern, wie sehr sie sich nach körperlicher Zuwendung sehnen – nicht nur nach Sex, sondern nach sanften Berührungen, Umarmungen oder anderen liebevollen Gesten. Gleichzeitig scheuen sie sich davor, diese Sehnsucht zu äußern - aus Angst, „bedürftig“ oder „schwach“ zu wirken. Sie haben gelernt, dass „echte Männlichkeit“ mit Unabhängigkeit und Härte gleichgesetzt wird. Dieses Stigma gilt es zu durchbrechen. Schließlich ist Berührung kein Luxus, sondern essentiell für ein erfülltes, gesundes Leben - auch für Männer.

Wut und Rückzug sind häufig Ausdruck unausgesprochener Ängste

Eine Coping-Strategie von vielen Männern bei Schwierigkeiten ist Rückzug. Eine andere Wut und Aggression. Das dahinter liegende Gefühl ist aber nicht selten Angst. Angst vor Verlust, Angst, nicht zu genügen oder Angst, zu viel zu fühlen. Wut oder Rückzug dienen dann als Schutzmechanismen, die jedoch zu Distanz führen können.

Zieht der Mann sich zurück, oder ist wütend, fühlt sich die Partnerin abgelehnt und reagiert ihrerseits. Wenn diese Dynamik über längere Zeit besteht, dann ist auch die Beziehung in Gefahr. In der Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten kommen Männer sich selbst näher. Ein erster Schritt, um auch in der Beziehung und in der Sexualität Nähe zuzulassen.

Reden über Sex kann man lernen

Viele Männer haben nie gelernt, offen über Sexualität zu sprechen. Oft fehlen ihnen die Worte, oder sie haben Angst, auf Unverständnis zu stoßen. Stattdessen verlassen sie sich auf unausgesprochene Signale. Sie hoffen, dass die Partnerin „von selbst“ versteht, was sie brauchen. Oder sie meiden das Thema ganz. Doch das offene Gespräch über Sexualität ist keine angeborene Fähigkeit – man kann es Schritt für Schritt lernen, genau wie das aktive Gestalten einer erotischen Situation

Verletzlichkeit ist der Schlüssel zu echter Intimität

Verletzlichkeit zu zeigen, ist für viele Männer nach wie vor ein Tabu. Sie setzen sich unter Druck, immer stark und souverän wirken zu müssen. Wahre Stärke zeigt sich für einen Mann darin, authentisch zu sein und Gefühle zuzulassen.

Hingabe steht nicht in Konkurrenz zu Männlichkeit

Gerade im sexuellen Kontext ist die Idee weit verbreitet, der Mann müsse der Aktive sein, gar „dominant“ auftreten. Hingabe hingegen wird häufig mit Passivität oder Schwäche gleichgesetzt. Dabei ist es genau das, was vielen Männern gut täte. Sexualität lebt vom Wechselspiel: führen und geführt werden. Mal aktiv gestalten, mal sich hingeben. Wer sich von festgefahrenen Rollenbildern löst, hat auch in der Sexualität mehr Spielraum.

Ein steifer Körper blockiert die Erregung

Oft spiegeln körperliche Verspannungen innere Blockaden wider. Wer im Alltag steif und unbeweglich agiert, überträgt diese Haltung meist auch auf seine Sexualität. Besonders ein angespannter Beckenbereich hemmt das freie Fließen der Erregung. Berührungen werden weniger intensiv wahrgenommen und Bewegungen wirken mechanisch.

Mehr körperliche sowie mentale Flexibilität kann das Lustempfinden steigern. Die Fähigkeit, sich geschmeidig zu bewegen, fördert die Durchblutung und Sensibilität - eine Voraussetzung sowohl für hohe Erregung, als auch für Hingabe in der Sexualität.

Wenn Selbstfürsorge fehlt, leidet der Körper leidet

Viele Männer sind darauf konditioniert, ihren Fokus nach außen zu richten: Leistung, Verantwortung und sichtbare Erfolge stehen im Vordergrund. Der eigene Körper bleibt oft auf der Strecke. Schlechte Ernährung, zu wenig Schlaf, zu viel Alkohol, Stress und Bewegungsmangel beeinflussen das körperliche Wohlbefinden, die Libido und die sexuelle Energie. Viele Männern haben verlernt, ihren Körper bewusst wahrzunehmen und zu spüren.

Die Folge? Sinnlichkeit und Genuss rücken in den Hintergrund. Selbstfürsorge bedeutet ein achtsamer Umgang mit dem eigenen Körper. Wer sich selbst gut behandelt, kann auch intensiver fühlen, genießen und die andere Person beim Sex besser wahrnehmen. Und dann wird die sexuelle Begegnung für beide besser.

Fazit: Was kann Mann daraus lernen?

Sexualität ist kein unveränderliches Konstrukt, sondern ein dynamischer Prozess, den jeder Mann aktiv mitgestalten kann. Wer den Mut hat, sowohl Körper als auch Geist bewusst wahrzunehmen und alte Rollenbilder zu hinterfragen, wird mit mehr Leichtigkeit und sexueller Erfüllung belohnt. Und oft lösen sich dann auch sexuelle Probleme auf.

Dieser Content stammt aus unserem EXPERTS Circle. Unsere Experts verfügen über hohes Fachwissen in ihrem Bereich. Sie sind nicht Teil der Redaktion.