Ein deutsch-vietnamesisches Ausbildungsprogramm hilft Metzgereien in Bayern, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Búi Ánh Nguyet ist eine der Auszubildenden, die über das Programm nach Deutschland gekommen ist und weil ihr Chef, Werner Braun aus Wiedenzhausen neue Wege geht. Ihre Geschichte ist inspirierend.
Bei der „Welcome-Party“ in einem Regensburger Hotel steht sie da. Zierlich, lächelnd, mit einem Koffer in der Hand. Búi Ánh Nguyet, 21, gerade eben aus Vietnam angereist. Im Koffer ein Visum. Im Herzen die Hoffnung auf ein gutes Leben in einem fremden Land. In Deutschland, dem taumelnden Riesen mit seiner immer größer werdenden Masse an Vorschriften und Regulierungen und seiner immer kleiner werdenden Zahl an Fach- und Arbeitskräften. Nguyet gegenüber steht Werner Braun, Koch, Metzgermeister mit Metzgerei und Gastwirtschaft und Chef von 45 Angestellten in Wiedenzhausen. Bei ihm soll die 21-Jährige drei Jahre lang eine Ausbildung zur Metzgereifachverkäuferin absolvieren. Die Regensburger Party war vor etwa drei Monaten. Was ist seither passiert?
Vom Vietnam nach Deutschland: Búi Ánh Nguyets Weg zur Metzgereifachverkäuferin
„Dir ist bewusst, du hast eine gewisse Fürsorgepflicht und kriegst ein Familienmitglied dazu“, sagt Braun, der sein neues Familienmitglied bei sich im Haus in einem Apartment untergebracht hat, das sich Búi Ánh Nguyet mit Laura Heiß teilt. Die Bayreutherin lernt in Wiedenzhausen Metzgerin. „Búi Ánh stammt aus ärmlichen Verhältnissen und ist sehr familienbezogen. Am Anfang war sie distanziert, doch jetzt ist alles sehr herzlich“, sagt Braun. „Abends kochen wir zusammen, vietnamesisch-bayerisch. Es ist ein schönes Miteinander.“
„Ich koche gern, und ihm schmeckt’s“, sagt Búi Ánh Nguyet. Und: „Die Leute, die Kollegen, die Chefin und der Chef sind zufrieden mit mir.“ Und deshalb „bin ich natürlich froh, lustig und gut drauf“.
Fachkräftemangel in Metzgereien: Lösung aus Vietnam
Der Chef hat seinen asiatischen Azubi mittlerweile nicht nur als lustigen Menschen kennengelernt, sondern obendrein als fleißig, freundlich und wissbegierig, „aber auch mit einem gewissen Stolz“. Probleme gebe es bloß, weil die Verkaufstheke für die nur rund 1,50 Meter große Búi Ánh Nguyet ziemlich hoch ist, so Braun. Und wenn die verehrte Kundschaft ihre Wünsche in allzu grobem Bayerisch äußert. Aber das werde sich schon einspielen, ist sich der Metzgermeister sicher.
Braun ist glücklich, dass er Búi Ánh Nguyet hat. Denn in diesen Zeiten ist es äußerst schwer, Lehrlinge zu finden. Die Berufe in einer Metzgerei seien nicht gerade „hip“, so Braun.
Metzgermeister Werner Braun aus Wiedenzhausen ist begeistert
Die junge Vietnamesin hat nach einer Prüfung die Sprachniveaustufe B1 erreicht. Das heißt, sie kann sich einfach und zusammenhängend über vertraute Dinge aus Arbeit oder Freizeit verständigen. Gutes Deutsch ist eine der Voraussetzungen dafür, dass sie in Deutschland arbeiten darf. Weitere sind „ein Ausbildungsvertrag, eine Unterkunft, wobei für Kost und Logis nicht mehr als 200 Euro im Monat anfallen dürfen, eine Bestätigung von der Handelskammer und viele weitere Papiere. Dann gibt es das Visum“, erklärt Evelyn Schuh, bei Braun zuständig fürs Büro.
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Deutsch-vietnamesisches Ausbildungsprogramm: Eine Win-Win-Situation
Weil das alles sehr kompliziert ist, bediente sich Braun, der stellvertretender Landesinnungsmeister ist, eines deutsch-vietnamesischen Ausbildungsprogramms, das 2022 in Kooperation mit dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, der gemeinnützigen Dr.-Eckert-Akademie und der V-Unite International GmbH ins Leben gerufen wurde. V-Unite mit Sitz in Regensburg übernahm dabei die Rekrutierung von geeigneten Bewerbern sowie die behördliche und organisatorische Abwicklung zur Einreise. „Den konkreten Auszubildenden haben wir nach Hobby ausgesucht“, verrät Braun, denn „Búi Ánh hat Kochen angegeben, während andere eher Social Media und Freunde treffen nannten“. In Wiedenzhausen lernt sie neben dem Verkaufen auch noch das Kochen.
Laut Braun sind über das Austauschprogramm bereits 200 Auszubildende in bayerischen Metzgereibetrieben gelandet. „Wir haben natürlich geprüft, dass V-Unite seriös ist, dass es sich nicht um Menschenhandel handelt“, so der Metzgermeister. Und seine Bürokraft Schuh bekräftigt, dass Búi Ánh Nguyet über V-Unite bis heute ein Betreuer zur Seite stehe, der sie etwa beim Erlernen der deutschen Sprache unterstütze.
1200 Euro verdient die Vietnamesin im ersten Lehrjahr. 1300 Euro werden es im zweiten, 1400 Euro im dritten sein. Doch was passiert, wenn Búi Ánh Nguyet ausgelernt hat? „Wir hoffen, dass sie bleiben kann“, sagt ihr Chef. „Vielleicht können wir sie im Betrieb halten.“Au
Auch andere Gastronomen in Dachau gegen wegen des Fachkräftemangels neue Wege.