Der CSU-Neujahrsempfang in Freising wurde zur Talk-Show. Söder und Herrmann sprachen über Glaube, Tanz und Privates.
Freising - „Zwei Stühle eine Meinung.“ Ein Format, das Ministerpräsident Markus Söder und Staatskanzleichef Florian Herrmann für den CSU-Neujahrsempfang in Freising gewählt hatten. Dabei klammerten sie die politischen Themen freilich nicht aus, jedoch waren sie gespickt mit so viel privaten und persönlichen Einblicken in das Leben sowohl des Landesvaters als auch des CSU-Kreisvorsitzenden, dass das Schwere eine Stunde lang einen Schritt zurück in die zweite Reihe trat.
Zu Gast waren an diesem Abend alle, die in der Christsozialen Welt in und um Freising Rang und Namen haben. Der Asamsaal war mit Prominenz und der gesamten CSU-Familie, wie der CSU-Ortsvorsitzende Jürgen Mieskes in seiner Begrüßung sagte, gefüllt. Gesäumt waren die Sitzreihen im barocken Saal mit Sicherheitspersonal und Fotografen aus der Staatskanzlei. Und weil die Kommunalwahlen am 8. März schon an die Tür klopfen, durften freilich auch die beiden aus den Reihen der CSU nicht fehlen, die sich um die höchsten politischen Ämter im Landkreis Freising bewerben: CSU-Neuling und Landratskandidatin Susanne Hoyer („Ich habe diese Veranstaltung davor noch nie besucht, umso mehr genieße ich es heute.“) sowie der Oberbürgermeisterkandidat Simon Schindlmayr. Beide stellten sich und ihre Ziele den 430 Anwesenden kurz vor.
Söders Zitate-Potpourri
„Wussten Sie, dass Florian Herrmann im Rundfunkrat sitzt. Falls Sie also Beschwerden zum Programm des BR haben sollten. . .“
„Bei manchen Grußworten habe ich gebetet: ,Lieber Gott, mach‘s flott‘.“
„Gerecht heißt nicht, dass alle nichts haben. Jeder muss sich nach seinen Möglichkeiten entwickeln können und dürfen.“
„Ich liebe Tiere, aber es kann nicht sein, dass jedes Mäusepaar und jeder Lurch dazu führt, dass bei uns sich jede normale Planung um drei Jahre verzögert.“
„Kein Mensch kommt im Moment auf die Idee, und zwar auf lange, lange, lange Zeit, die 3. Startbahn zu bauen, weil wir sie weder finanzieren noch brauchen können.“
Susanne Hoyer ging dabei auch zu ihrer Haltung zur dritten Startbahn und zur Demonstration der Startbahngegner an diesem Abend ein, während Simon Schindlmayr mit einem Vorhaben für Freising überraschte: Er möchte alles in die Wege leiten für eine Bewerbung Freisings als Kulturhauptstadt Europas in den 2030er-Jahren. „Das würde Freising guttun. Wir haben vieles zum Herzeigen.“
Im Zentrum des Abends, eingebettet von den Reden der beiden Kandidaten, den Worten des Ortsvorsitzenden, der durch den Abend führte, sowie von Tanzdarbietungen der Gruppe Fly‘n Dance, stand das Zwiegespräch von Markus Söder und Florian Herrmann im Stile einer Talk-Show. Und auch, wenn die schweren politischen Themen wie Donald Trump in Davos, Grönland, Mercosur, Kriege und Länderfinanzausgleich nicht völlig außen vor bleiben konnten, schaffte es das offenbar bestens eingespielte Team Söder-Herrmann eine Stunde lang die Balance zwischen Ernsthaftigkeit, Witz und Leichtigkeit zu halten, ohne den Abend mit einem Zuviel an politischen Botschaften zu beschweren. Wie hatte Söder zuvor gesagt? „Mehr gute Nachrichten täten uns gut.“
Herrmann stellte die Fragen, Söder spielte die Bälle immer wieder an sein „bestes Pferd im Stall, den Florian“, zurück. Denn der sei ein extrem kluger Jurist, der nicht nur über die hohe Kompetenz verfüge, Dinge durchzusetzen, sondern, bezogen auf das Thema Fußball, auch über die Fähigkeit, „Dinge zu sagen, die sehr klug klingen, auch wenn er keine Ahnung hat“. In der Art nahmen die beiden sich immer wieder gegenseitig hoch, foppten sich – den Gästen gefiel‘s.
In Zeiten der Coronapandemie sei Herrmann „der Dr. Sommer der Staatsregierung gewesen“, der auf „die schwierigsten Fragen immer eine Antwort hatte.“ Freilich gab es an dem Abend auch Privates aus dem Leben des Staatsministers, den, so Söder, ausgezeichneten, ja brillanten Tänzer, der sich damals beim Ball der Stadt Freising die Tochter des SPD-OBs geschnappt habe.
Der Ministerpräsident gewährte auch tiefe persönliche Einblicke in sein Leben, etwa auf Herrmanns Frage hin, welchen Stellenwert der Glaube für ihn habe: Ganz allgemein brauche jede Gesellschaft eine Identität, einen Halt. Privat sei er dem Glauben wieder nahe gekommen, als seine Mutter vor vielen Jahren überraschend verstarb. „Jeder von uns kommt irgendwann in die Situation, wo uns nur einer helfen kann: Je schlimmer der Moment, um so näher fühlen wir uns Gott.“
In diesem Stil jonglierten Söder und Herrmann gut 60 Minuten die Bälle vor einem begeisterten Publikum, schlossen ihren Dialog mit Entweder-Oder-Fragen, ehe der offizielle Teil mit der gemeinsam gesungenen Bayernhymne das traditionelle Ende fand und die Gäste sich im Asam-Foyer einfanden, um den Abend am Büffet ausklingen zu lassen.