Gut gemeint, aber nicht gut gemacht: In Berg am Laim kamen wegen einer Fahrradstraße erst die Anwohner nicht mehr zu ihren Grundstücken, nun müssen Sportler und Lehrer einen Umweg in Kauf nehmen.
Vor den Faschingsferien hat die Stadt in der Hachinger-Bach-Straße vor dem Michaeligymnasium Schilder mit dem Hinweis „Fahrradstraße“ aufgestellt. Damit durften auf dem 150 Meter langen Abschnitt zwischen Langkofel- und Großvenedigerstraße plötzlich keine Autos und Motorräder mehr fahren. „Ein echter Schildbürgerstreich“, findet Stefan Hofmeir (ÖDP) vom Bezirksausschuss Berg am Laim.
Stadt setzt Schilder sofort wieder außer Kraft
Vom Mobilitätsreferat bekam er dann die Auskunft, die Beschilderung sei fehlerhaft. Es komme noch der Zusatz „Anlieger frei“ hinzu, sowie zusätzliche Bodenmarkierungen. Das Baureferat ergänzte und setzte die Schilder umgehend durch rote Klebestreifen wieder außer Kraft.
Wirklich gut ist die Nachbesserung nicht. Denn auch mit dem Zusatz dürfen in dem Abschnitt nur Fahrzeuge unterwegs sein, die tatsächlich ein „Anliegen“ bei einem Grundstück in dem Bereich haben. Doch nach dem Schild liegen weitere Wohnadressen sowie die Einfahrten zum Sportverein FC Phönix, zu den Lehrerparkplätzen und der benachbarten Unterkunftsanlage.
Bei Durchfahrten könnten Bußgelder drohen
Durchfahrten, weil man dorthin will, sind nicht erlaubt und können zu Bußgeld führen. Das hat sich Hofmeir von der örtlichen Polizei bestätigen lassen. Die hält laut Hofmeir solche Beschränkungen, bei denen man bei der Einfahrt schon das Ende sieht, sowieso für ziemlich sinnlos. Das Mobilitätsreferat hingegen hält die Durchfahrten für regelkonform.
Ein Kilometer langer Umweg durchs Viertel
Doch offiziell müsste man künftig einen rund ein Kilometer langen Umweg durchs Viertel – inklusive Wendemanövern an der nächsten Ampel – machen statt in 20 Sekunden durch die Hachinger-Bach-Straße zu fahren. Der BA fordert nun die Ergänzung „Kraftfahrzeuge frei“. Damit hätten die Radfahrer weiterhin Vorrang und alle kämen wieder direkt zu ihrem Ziel.
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Die Idee der Fahrradstraße stammt von Gymnasiasten, die im Juli 2022 im Rahmen eines Projektseminars „Demokratieerziehung“ den Antrag dafür stellten. Erst zwei Jahre später stimmte das Mobilitätsreferat zu. Allerdings erfüllt derzeit nur der Abschnitt direkt vor der Schule die Voraussetzungen für eine Fahrradstraße. Westlich der Langkofelstraße sei die Fahrgassenbreite zu schmal für eine Fahrradstraße. Das Mobilitätsreferat will deshalb erst auf den Bau des zweiten Gehwegs warten. Termin: Unbekannt.