Kopfschuss! 19-Jähriger richtet Waffe gegen sich selbst und bezichtigt einen anderen

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Ein junger Mann schießt sich in einer Shisha-Bar in Offenbach mit einer Schreckschusspistole selbst in den Kopf und behauptet dann, ein anderer sei es gewesen. Jetzt ermittelt die Polizei gegen den Mann.

Offenbach – Ein blutiges Drama hat die Offenbacher Innenstadt in der Nacht des 27. Juli erschüttert. Jetzt kommt ans Licht, dass es sich dabei wohl um eines der makabersten Verbrechen seit Langem handeln könnte. Erst ist ein Schuss zu hören, dann wankt ein Mann aus einer Shisha-Bar im ersten Stockwerk eines Gebäudes an der Schloßstraße / Ecke Berliner Straße. Große Mengen Blut laufen an seiner Schläfe herunter. Zwei Frauen stützen ihn, kreischen nach Hilfe, schleifen den wankenden Verletzten irgendwie die lange Waschbeton-Treppe herunter, nehmen Kurs auf die gegenüberliegende Zentrale der Stadtpolizei. So berichten es Augenzeugen. Bei der Stadtpolizei wird man auf das Gebrüll schnell aufmerksam, eilt dem Mann zu Hilfe.

Offenbacher Stadtpolizei leistet erste Hilfe

Sofort alarmieren die Einsatzkräfte Notarzt, Rettungsdienst und Landespolizei, während einer der Kollegen, der ausgebildeter Rettungssanitäter ist, erste Hilfe leistet. Zunächst gehen alle davon aus, dass es sich um einen echten Kopfschuss handelt, allerdings fehlt die Austrittswunde. Zudem ist das Opfer noch bei Bewusstsein. Kurze Zeit später „trübt er ein“, heißt es, und ist nicht mehr ansprechbar. Kurz zuvor soll er, so ist aus Ermittlerkreisen im Polizeipräsidium zu hören, noch einen Täter genannt haben, der ihm das angetan haben soll.

Diese Treppe aus Waschbeton ist der schwer verletzte 19-Jährige, gestützt auf zwei Frauen, heruntergewankt. In der nahen Stadtpolizeidienststelle brach er dann zusammen.
Diese Treppe aus Waschbeton ist der schwer verletzte 19-Jährige, gestützt auf zwei Frauen, heruntergewankt. In der nahen Stadtpolizeidienststelle brach er dann zusammen. © RZ

Unterdessen braust die Polizei vom Präsidium im Spessartring mit Großaufgebot heran. Zahlreiche Streifenwagen tauchen den ganzen Marktplatz und die Berliner in flackerndes Blaulicht. Unter größten Sicherheitsvorkehrungen nähern sich die Polizisten der Bar, um den vermeintlichen Täter zu stellen, den sie immer noch in der Shisha-Bar vermuten. Nach einiger Zeit geben die Einsatzkräfte dann Entwarnung. Es gibt gar keinen Täter. Stattdessen berichten Zeugen, so ist es zu hören, übereinstimmend davon, dass das 19-jährige Opfer sich selbst die Waffe an den Kopf gehalten und abgedrückt habe. Auch einen Videobeweis einer Sicherheitskamera soll es geben.

Wunde bis auf den Knochen, aber keine scharfe Waffe

Zurück in den Räumen der Stadtpolizei wird nach Eintreffen von Notarzt und Rettungsdienst schnell klar: Es war gar keine scharfe Waffe, mit der der junge Mann sich selbst verletzt hat, sondern eine Schreckschusspistole. Doch auch die kann, wenn sie aus nächster Nähe abgefeuert wird, erheblichen Schaden anrichten. „Die Wunde ging bis auf den Knochen, und man hat innen die Ader pulsieren sehen“, schildert es ein Augenzeuge, der das ganze Geschehen aus nächster Näher beobachtet hat. „Ich wundere mich, dass er noch lebt.“

Zunächst wird der Mann ins Sana-Klinikum gebracht. Bei ihm soll es sich laut Ermittlern um einen jungen Bulgaren handeln, der auch eine Tätowierung an der Hand trägt, die bei vielen Männer dieser Bevölkerungsgruppe zu finden sind.

Im Polizeipräsidium ist man derweil sehr zurückhaltend mit Informationen. Zum Tathergang und möglichen Verletzungen wolle man sich nicht äußern. Auch befinde man sich immer noch in den Ermittlungen, was das Motiv angeht.

Polizei ermittelt wegen Vortäuschen einer Straftat und falscher Verdächtigung

Allerdings räumt Christopher Leidner, Leiter der Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei, ein: „Es haben sich Hinweise ergeben, dass die Tat mutmaßlich vorgetäuscht war, weshalb die Polizei nun wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung und dem Vortäuschen einer Straftat ermittelt.“ Mehr könne er aufgrund des laufenden Verfahrens zurzeit nicht sagen. Zwei Wochen nach der Tat gehen die Spekulationen am Ort des Geschehens weiter. Denn mitbekommen haben den Einsatz zahlreiche Offenbacher, befinden sich doch mehrere Gastronomien und Geschäfte in und um den Gebäudekomplex in zentraler Innenstadtlage. Während die einen von Rache für einen vorangegangenen Streit ausgehen, ist die andere Fraktion davon überzeugt, dass der Täter in psychiatrische Behandlung gehört. Auch, weil die Ermittler noch nicht geklärt haben, inwieweit die Absicht des Täters suizidal war.

Fest steht laut Polizeisprecher Leidner immerhin, dass das Opfer nach der Versorgung im Sana-Klinikum in eine „Fachklinik“ gebracht wurde. Ob der Mann aktuell wieder auf freiem Fuß ist, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. (Christian Reinartz)

Erst vor wenigen Monaten war ein 35-Jähriger in Lauterborn angeschossen worden. Er wurde verletzt in eine Klinik gebracht. Von dem Täter fehlte bislang jede Spur, die Polizei ermittelt.

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