Wer mit einem medizinischen Notfall konfrontiert wird, möchte helfen – doch der Erste-Hilfe-Kurs aus Fahrschulzeiten liegt womöglich lange zurück. „Ersthelfer sind oft bemüht, aber sie haben Berührungsängste und kein zugängliches Wissen“, sagen Verena und Tim Eilert. Um Abhilfe zu schaffen, haben sie die Notfall-App „Mein Retter“ entwickelt.
Kaufering - Das Ehepaar aus Kaufering bringt langjährige Erfahrung in Rettungsdienst und Gesundheitswesen mit. Tim Eilert (39) ist Rettungssanitäter und arbeitet bei der Münchner Berufsfeuerwehr in der Rettungsleitstelle. Seine Frau Verena (36), Gesundheits- und Krankenpflegerin, ist im Bereich Qualitätsmanagement im pflegerischen Vorstand der Universitätsklinik Augsburg tätig. Gemeinsam sind die Eilerts auch schon ehrenamtlich Rettungsdienste für das BRK Landsberg gefahren.
Die beiden haben einen kleinen Sohn und wissen, dass Erste-Hilfe-Kenntnisse gerade für junge Eltern wichtig wären – doch die haben am wenigsten Zeit, einen klassischen Kurs zu besuchen. „Man kriegt die Leute nicht“, sagt Tim Eilert. Wie also lebensrettendes Wissen in die Köpfe bekommen? Eines Nachts kam ihm „wie aus dem Nichts“ die Idee: Man bräuchte eine App.
Mit Notfallassistent
Die beiden gründeten das Startup „Mein Retter“ und suchten sich eine Münchner IT-Firma, um die Idee zu realisieren. Die Entwicklung ist weit fortgeschritten – zum Jahreswechsel soll die App verfügbar sein. Sie bietet einen KI-gestützten, sprachgesteuerten Notfallassistenten, der den Ersthelfer bei Sofortmaßnahmen begleitet.
„Zunächst stellt die KI Fragen, um herauszufinden, was passiert ist“, erklärt Tim Eilert. Anschließend wird ein Video eingeblendet, das die korrekten Erste-Hilfe-Schritte demonstriert. Gezeigt werden die richtigen Maßnahmen bei Herzstillstand, Bewusstlosigkeit, starken Blutungen und Verschlucken. „Unser Ziel ist es, lebensrettendes Wissen für alle jederzeit verfügbar zu machen – ob bei Notfällen mit Erwachsenen, Kindern, Babys oder sogar Haustieren“, sagt Tim Eilert.
Auch für Vierbeiner
Dass auch die Rettung von Vierbeinern – zunächst Hunden – in der App berücksichtigt werden sollte, wurde ihm bewusst, als er bei der Arbeit eines Tages den Notruf einer Frau entgegennahm, deren Hund beim Spielen einen Tennisball so unglücklich gefangen hatte, dass er im Rachen feststeckte.
Die Besitzerin des bereits bewusstlosen Tieres hatte sich schließlich nicht anders zu helfen gewusst, als die 112 zu wählen, doch dort ist man für solche Fälle eigentlich nicht zuständig. „Ich habe parallel zu dem Gespräch gegoogelt, was man machen kann“, erinnert sich Tim Eilert. Doch es nützte nichts. Als die Feuerwehrleute bei dem Hund eintrafen, war er bereits verendet. „Das hat mich fertiggemacht.“
Mit Hausnotruf
Um den genauen Ort beispielsweise eines Verkehrsunfalls angeben zu können, zeigt die App Standortdaten in Echtschrift, die man an die Rettungsleitstelle durchgeben kann. Neben der Notruffunktion enthält sie auch „eine Art Hausnotrufsystem für draußen“, erklärt Verena Eilert. So können Senioren selbst hinterlegte Kontakte benachrichtigen, wenn sie außerhalb ihrer Wohnung unerwartet Hilfe brauchen, ohne dass gleich ein medizinischer Notfall vorliegt.
Interaktive Erste-Hilfe-Kurse und ein integrierter Shop für Erste-Hilfe-Produkte gehören ebenfalls zum Angebot. Verfügbar sein soll die App zum Jahreswechsel – als Monats-Abo, Premiumversion oder, mit eingeschränkten Funktionen, kostenfrei.
Werbefreie App
Die Marke „Mein Retter“ haben die Eilerts schützen lassen und eine Investorin gefunden um die Entwicklungskosten zu stemmen. Mittelfristig hoffen sie auf Kooperationen mit Krankenversicherungen und anderen Akteuren im Gesundheitsbereich. Werbung soll in der App nicht platziert werden. Es könne nicht sein, dass man bei einem Notfall, wenn schnelles Handeln gefragt ist, erst eingeblendete Anzeigen wegwischen muss, betont Tim Eilert.