Pater Paul sattelt auf Taxifahrer um

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Taufkirchen (Vils)

Kommentare

Schlüsselübergabe: Pater Paul Krutschek (l.) und Taxi-Unternehmer Manfred Lechner. © Birgit Lang

Müssen nun auch schon Priester den Gürtel enger schnallen? Pater Paul Krutschek vom Taufkirchener Pfarrverband hat auf alle Fälle schon eine geringfügige Beschäftigung angenommen: Er fährt künftig an seinen freien Montagen Taxi für die Firma Lechner. Warum das?

Taufkirchen - Pater Paul möchte möglichst viel Geld verdienen, um die 30 Ministranten zwischen 13 und 20 Jahren aus den Pfarreien Taufkirchen, Moosen, Hofkirchen und Wambach zu unterstützen, die von 29. Juli bis 3. August an der Ministrantenwallfahrt des Ministrantenbundes Coetus Internationalis Ministrantium (CIM) nach Rom teilnehmen. Die Fahrt kostet pro Person 590 Euro, inklusive Unterkunft und Essen. Geschlafen wird im Haus seines Ordens, der Resurrektionisten, nur 100 Meter von der Spanischen Treppe entfernt.

Er möchte für die Minis ein kleines Taschengeld erarbeiten. Bei der Wallfahrt stehen Workshops, Veranstaltungen, Ausflüge und – als Höhepunkt – ein Treffen mit Papst Franziskus auf dem Programm. „Diese Begegnungen tragen zum Kennenlernen und zum Verständnis von Menschen unterschiedlicher Kulturen bei. Es ist ein unvergessliches Erlebnis, mit Ministranten der ganzen Welt zusammenzutreffen“, weiß der Seelsorger. Alle vier Jahre finde diese Wallfahrt statt, die größte Teilnehmergruppe komme aus Deutschland. Er selbst war schon zweimal in der Ewigen Stadt dabei.

Für die Eltern, die drei bis vier Kinder haben, die am Tisch des Herren ihren Dienst leisten, wird dieses Treffen aber teuer. Auch ihnen möchte Krutschek finanziell unter die Arme greifen. Aber wie?, dachte er sich. „Ich habe nicht viele Möglichkeiten“, stellte er fest. Doch dann brachte ihn Heike Aul aus der Pfarrfamilie Taufkirchen auf die Idee. Sie fährt selbst Taxi bei Manfred Lechner.

Krutschek hat seit 1997 den Führerschein, ist ein versierter Auto- und leidenschaftlicher Motorradfahrer, fährt jährlich um die 40 000 Kilometer mit dem Pkw und weitere 7500 Kilometer mit dem Motorrad. Mit einem Neun-Sitzer mit Anhänger hat er 2022 einen Hilfstransport für die Ukraine nach Polen gelenkt. „Ich fahre sehr langsam, damit mein Schutzengel hinter mir herfliegen kann“, grinst er. Natürlich hat er sich zuerst die Erlaubnis von seinem Team geholt. Das fand die Idee gut, vor allem Verwaltungsleiter Daniel Helmecke, mit den schon den Hilfskonvoi unternommen hatte.

Die Erlaubnis, Taxi zu fahren, hat Paul bereits; 43 Euro hat er dafür bezahlt. Auch das polizeiliche Führungszeugnis für 13 Euro und die Bestätigung des Arbeitsmediziners für 180 Euro hat er in der Tasche. Nun braucht er nur noch das Okay vom Landratsamt.

Bald soll’s losgehen. „Ich freue mich schon auf viele Begegnungen und Gespräche. Bestimmt wird es auch kritische Fragen geben, lustige und traurige Momente“, ist Pater Paul überzeugt. Als der Priester Ende September bei Manfred Lechner wegen eines Minijobs nachfragte, freute sich dieser. Mitarbeiter seien Mangelware, vor allem seit Corona. Der Taufkirchener hat Pater Paul versprochen, ihm mindestens ein Monatsgeld zusätzlich für die Minis zu spenden, wenn er mindestens sechs Monate bei ihm arbeitet. „Ich finde es gut, dass die Ministranten gemeinsam wegfahren. Und es ist toll, dass sich der Pfarrer persönlich dafür einsetzt. Außerdem bin um jeden Mitarbeiter dankbar.“ Auch der Montag sei für bestens geeignet, weil es einer der stärksten Tage bei ihm sei.

Lechner ist überzeugt, dass der Pater ein guter und empathischer Fahrer sein wird. Ständiger Begleiter wird ein Ministrantenplakat sein. Krutschek will es im Taxi anbringen, damit jeder gleich weiß, für welche Mission er unterwegs ist. Zudem hofft er auf Spenden auf das Konto DE87 7509 0300 1409 0192 00, „Rom Wallfahrt Ministranten/PVTFK“. Es gibt Spendenquittungen. mel

Auch interessant

Kommentare