Auf dem Dorfener Volksfest wurde die Schuhplattler-Weltmeisterschaft, eine bundesweite Veranstaltung erstmals ausgetragen
Dorfen – Erstmals fand die „Weltmeisterschaft im Schuhplatteln“ in Dorfen statt, gut tausend Trachtler aus Bayern und anderen Bundesländern reisten an. Austragen wurde das Finale, bei dem nur die Erst- bis Drittplatzierten des jeweiligen Gaupreisplattlns teilnehmen konnten, im Festzelt auf dem Volksfest. Eingeladen hatten D’Stoarösler, unterstützt wurden sie dabei von den Wirten.
Auf dem Dorfener Volksfest wurde die Schuhplattler-Weltmeisterschaft, eine bundesweite Veranstaltung erstmals ausgetragen
Der Schuhplattler ist ein Werbetanz, zu dem auch das „Einfangen“ gehört, dass also das Paar nach Platteln und Drehen wieder zusammenfinden, um sich gemeinsam zu drehen. Da gibt es durchaus Unterschiede, die in die strenge Bewertung beim Preisplatteln einfließen. Einen Punktabzug gibt es, wenn ein Strumpf rutscht oder der Trachtenhut herunterfällt, erklärt Maria Färbinger vom Volks- und Gebirgstrachtenverein „D‘Stoarösler“ die Regeln. Gewertet wird in verschiedenen Alterskategorien, die Kinder und Jugendlichen laufen gesondert. Auf die Sieger warten „Bayerische Löwen“-Anstecknadeln in Gold, Silber und Bronze.
Sieben Gauverbände richten abwechselnd die Schuhplattler-Weltmeisterschaft aus. In diesem Jahr hätte es fast keine Veranstaltung gegeben, erklärt Färbinger. „Für kleine Vereine ist es kaum möglich alleine ein Event in dieser Größenordnung zu stemmen.“ Im Mai kam dann bei den hiesigen Trachtlern die Idee auf, das Dorfener Volksfest als Bühne zu nehmen: „Auf d’Nacht um 11 Uhr haben wir beim Tobi Maier angerufen - er sagte sofort zu, denn auch ihm ist Tradition enorm wichtig“, freut sich die Schweiger-Tochter.
Aus dem 1936 gegründeten Trachtenverein war der Volks- und Gebirgstrachtenverein d’Stoarösler entstanden. Nach einer Flaute in den 70er-Jahren ging es dann unter der Regie der Familie Schweiger 1982 wieder aufwärts. D‘Stoarösler zählen aktuell 127 Mitglieder, davon sind 16 Kinder. Die 37-jährige Färbinger sei da sozusagen rein geboren: „Wir wollen unser Brauchtum pflegen.“ Die historische Dorfener Volkstracht sei individuell und deshalb etwas ganz Besonderes, erklärt sie. „Es gibt ein Grundgerüst, die Accessoires kann sich jeder selbst aussuchen.“
Die Haltung ist aufrecht, der Oberkörper unverkrampft. Der Bursch lässt seine Hände scheinbar lässig auf Oberschenkel und Schuhsohle klatschen. Die Schläge sind gut platziert, die Lautstärke ist korrekt. Das Deandl dreht sich gleichmäßig innerhalb des vorgeschriebenen Kreises um die eigene Achse. Dazu gehört viel Übung. Damit einem nicht schwindlig wird, müsse man wie auf einem schwankenden Schiff einen festen Punkt fixieren, verrät Louis Roth aus Pullach. Er ist 23 Jahre alt. In die Endrunde habe er es nicht geschafft, bedauert der Softwareingenieur. Dafür hätten aber etliche seiner Vereinskollegen bei den Vorrunden gepunktet, die Trachtler aus der Gemeinde am linken Isarhochufer holen seit Jahren immer wieder Weltmeistertitel. So räumten sie auch diesen Sonntag auf der Dorfener Wiesn gleich mehrmals erste Plätze ab.
Der 13-jährige Maxi Schweiger plattelte auch mit
D‘Stoarösler haben in den vergangenen Jahren ebenfalls etliche Wettbewerbe gewonnen, sagt Färbinger. Heuer ertanzte sich bei der Weltmeisterschaft der 13-jährige Maxi Schweiger den 3. Platz in seiner Altersgruppe. Es gibt Einzel- und Gruppenwertungen, wobei der Gruppentanz die „Königsdisziplin“ ist. Jeweils vier Paare bilden eine Gruppe. Die Vereine haben für ihren Auftritt alle eigene Musikanten dabei, auch Andi Schweiger jun. begleitet die beiden Dorfener Finalisten mit der Ziehharmonika. Birgit Große (50) aus Dorfen, die in ihrer Kategorie punktgleich mit Claudia Huber von den „D‘Ammertalern“ in Dießen abschloss, bekam „nur „den silbernen Löwen. „Dann wird die bessere Haltung bewertet“, fügt Färbinger an. „Es ist doch egal, ob ich gewinne oder verliere. Hauptsache, ich bin dabei“, freuen sich einige Jungs aus Worms auch über den Trostpreis, den nach der Siegerehrung am späten Nachmittag alle Teilnehmer bekamen.
Maxi Schweiger erplattelte in seiner Kategorie einen bronze Löwen; begleitet wurde er von seiner Tante Maria Färbinger.
hil
Mit dem „Meine Anzeigenzeitung“-Newsletter täglich zum Feierabend oder mit der neuen „Meine Anzeigenzeitung“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten informiert.