Sander van ’t Noordende, der CEO des weltweit größten Personaldienstleisters Randstad, hält den traditionellen Karriereweg vom Studium ins Büro für überholt. Gegenüber „Fortune“ erklärte er, dass junge Menschen zunehmend Schwierigkeiten hätten, nach ihrem Abschluss eine Stelle zu finden. Besonders stark betroffen seien Berufe in Bereichen wie Marketing, Kommunikation und Design, da Künstliche Intelligenz (KI) viele Aufgaben übernehmen könne.
Van 't Noordende sieht die Zukunft in handwerklichen Berufen
Van 't Noordende betonte laut „Fortune“, dass es für junge Menschen wichtig sei, ihre Berufswahl zu überdenken. Er sagte: „Menschen müssen darüber nachdenken, ob es noch der richtige Weg ist, einen Studienkredit aufzunehmen, ein Studium zu absolvieren und für einen Beruf ausgebildet zu werden, der sich schnell verändert.“
Stattdessen sollten sie handwerkliche Berufe oder technische Fähigkeiten erlernen. „Es gibt eine massive Nachfrage nach Fachkräften wie Mechanikern, Maschinenführern und Ingenieuren“, so van ’t Noordende.
Randstad-Chef fordert Akademiker auf: Wechseln Sie vom Büro ins Handwerk
Laut „Fortune“ empfiehlt der Randstad-CEO eine Umschulung für diejenigen, die bereits ein Studium abgeschlossen haben. Er rät: „Lernen Sie neue Fähigkeiten und passen Sie sich an die Chancen an, die sich bieten.“
Ein Wechsel vom Bürojob zu handwerklichen oder sozialen Berufen sei keine Niederlage, sondern eine notwendige Anpassung an die Realität des Arbeitsmarktes. „Man muss bereit sein, sich zu verändern und neue Wege zu gehen“, erklärte van ’t Noordende abschließend.
Arbeitslosigkeit unter Akademikern erreicht Rekordhoch
Auch in Deutschland hat die Zahl der arbeitslosen Akademiker im Jahr 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Laut einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit waren im Durchschnitt 290.000 Personen mit akademischem Abschluss arbeitslos gemeldet.
Das ist ein Anstieg um 47.000 gegenüber dem Vorjahr. Dies entspricht einer Zunahme von 19 Prozent, während die allgemeine Arbeitslosigkeit nur um sieben Prozent stieg. Trotz dieses Anstiegs bleibt die Akademiker-Arbeitslosenquote mit 2,9 Prozent auf einem Niveau, das als Vollbeschäftigung gilt.
Fachkräftemangel bleibt größte Herausforderung für deutsche Unternehmen
Wie die Randstad-ifo-HR-Befragung für das zweite Quartal 2025 zeigt, stellt der Fachkräftemangel weiterhin eine erhebliche Herausforderung für Unternehmen in Deutschland dar. Besonders betroffen sind Betriebe, die Mitarbeitende mit abgeschlossener Berufsausbildung suchen: 77 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einem starken oder sehr starken Mangel.
Auch bei anderen Qualifikationsniveaus gibt es Engpässe: 58 Prozent der Unternehmen beklagen einen Mangel an Fachwirten und Meistern, 51 Prozent an Schulabgängern und Auszubildenden und 22 Prozent an Hilfskräften ohne Berufsausbildung. Laut dieser Befragung sind in Unternehmen aber auch Akademiker gefragt. So gaben 47 Prozent der Befragten an, dass ihnen Hochschulabsolventen fehlen.