Kälte-Periode im April: Nachtfrost bereitet hessischen Bauern Sorge

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Der April-Frost stellt Hessens Bauern vor Herausforderungen: Ernten brechen ein, Pflanzen müssen geschützt werden. Dieses Obst und Gemüse ist besonders betroffen.

Hessen – Anfang April wurde in Deutschland ein bundesweiter Hitzerekord gebrochen. In manchen Regionen zeigte das Thermometer mehr als 30 Grad an. Der Sommer schien in greifbarer Nähe. Dann, nur wenige Wochen später, warnte der Deutsche Wetterdienst vor Schnee in Nordhessen. Dazu zogen Frost und Kälte über das Land. Die Wetterexperten aus Offenbach riefen dazu auf, „unnötige Fahrten im Straßenverkehr“ zu vermeiden. Das unbeständige Wetter und die eisigen Temperaturen bereiteten insbesondere den Landwirten in der Region Probleme. Pflanzen mussten aufwendig geschützt werden, Ernten gingen ein. Aber nicht alle Betriebe traf es gleichermaßen.

Auswirkungen von Schnee und Frost noch nicht in allen hessischen Betrieben absehbar

Je nach Region sind in Hessen unterschiedliche Auswirkungen auf die Ernten zu erwarten, sagt Marie-Claire von Spee. Die Sprecherin des Hessischen Bauernverbands betont, dass kühle und frostige Temperaturen im April oder Mai nicht ganz ungewöhnlich seien. Auch der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) bestätigt, dass die Schäden stark abhängig von der Region seien.

Ein Landwirt bearbeitet mit seinem Traktor und Arbeitsgerät bei Frost einen Acker.
Ein Landwirt bearbeitet bei Frost einen Acker mit Traktor und Arbeitsgerät. © Philipp Schulze

Wie hoch der genaue Schaden in hessischen Betrieben sei, könne noch nicht eingeschätzt werden, heißt es vonseiten des LLH. Frostschäden im Raps sind beispielsweise erst später erkennbar. Jedoch seien erfrorene Blütenstände an Raps und Wintergerste zu befürchten – denn Rapsfelder litten stark unter der Schneelast. „Hier müssen wir mit Ertragseinbußen und Ernteerschwernissen rechnen“, heißt es weiter.

Besonders hoch seien die Schäden bei Getreide im nordhessischen Hofgeismar/Kaufungen und im osthessischen Schlitz, Hünfeld und Fulda. Ein möglicher Ertragsausfall belaste die ohnehin angespannte Lage in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld, schreibt der LLH. „Es ist schon deutlich spürbar, dass Wetterextreme zunehmen und damit auch größere Herausforderungen einhergehen“, sagt von Spee vom Hessischen Bauernverband.

Raps hat gelitten – Regionen im Kreis Kassel stark von Schnee betroffen

Vom Schneefall stark betroffen sind laut LLH außerdem Betriebe in den Regionen von Liebenau, Grebenstein, Immenhausen und Zierenberg im Kreis Kassel. Die Bestände im Werra-Meißner Kreis seien hingegen durch die Witterung der vorangegangenen Tage relativ glimpflich davongekommen.

Ein Freiland-Erdbeerfeld wird von einer Erntehelferin abgedeckt. Die Pflanzen sollen so vor den Wetterkapriolen, Frost und Graupelschauer, geschützt werden.
Ein Freiland-Erdbeerfeld wird von einer Erntehelferin abgedeckt. Die Pflanzen sollen so vor den Wetterkapriolen, Frost und Graupelschauer, geschützt werden. © Roland Weihrauch/dpa

Frostschäden bei Obst- und Gemüsebauern in Südhessen

In Südhessen ergibt sich ein anderes Bild: Der Landesbetrieb verzeichnet dort weniger Schäden im Getreide, aber dafür mehr im Obst-, Gemüse- und Weinbau. Abgefrorene Kartoffeln trieben zwar wieder aus, jedoch komme es zu Entwicklungsverzögerungen. Erdbeeren und Himbeeren im geschützten Anbau seien ohne Schäden durch die kalten Tage gekommen. Auch Freiland-Erdbeeren mit Frostschutzberegnung blieben in Südhessen laut LLH ohne Schäden. Eine Abdeckung mit einem Vlies habe hingegen nicht überall ausgereicht.

Anbau sichern durch Frostschutzberegnung und mit Vlies

Bei einer Frostschutzberegnung werden beispielsweise Blüten gezielt mit feinem Nebel besprüht, der dann an der Oberfläche gefriert. Dadurch wird eine sogenannte Kristallisationswärme freigesetzt, die die Blüten vor Frostschäden schützt. Das Eis legt sich wie ein Schutzpanzer über die Blüten und hält die Temperatur bei null Grad. Vlies hingegen schützt den Boden vor dem Austrocknen, vor Starkregen und Hagel. Unter der Folie entsteht ein feuchtes Mikroklima, das Pflanzen schneller wachsen lässt.

Ist die Apfelwein-Herstellung nach dem Frost nun in Gefahr?

Welche Schäden der Frost beispielsweise an den Apfelbäumen im mittelhessischen Oberursel hinterlassen hat, ist noch nicht zu erkennen. „Wir sind hier im Vordertaunus gut geschützt, der Taunus hält viel ab“, sagt Valentin Steden. Er betreibt mit seinem Bruder Florian die Kelterei Steden in Oberursel im Hochtaunuskreis. Die Brüder verarbeiten das Obst von heimischen Wiesen zu Apfelwein, Apfelsecco und verschiedenen Spirituosen.

Noch stünden seine Bäume in voller Blüte, so Steden. Frostschäden zeigten sich erst in wenigen Tagen. Seien Bäume betroffen, werde beispielsweise die Blüte braun und falle ab. Bienen hätten in der Folge keine Blüten zum Bestäuben, und der Baum würde keine Früchte tragen. Trete dieser Fall ein, müssten Äpfel von Betrieben aus milderen Regionen zugekauft werden, erklärt Steden. „Als Obstbauer will man aber natürlich eigene Früchte verwerten“, sagt er.

Einfluss hat das Wetter aber auch auf Bienen, die schließlich einen wichtigen Beitrag zum Wachstum des Obstes beitragen. Bei Regen oder Hagel flögen die Insekten nicht, erklärt Steden. Dann würden weniger Blüten bestäubt. Ob und wie viele Früchte sich an seinen Bäumen entwickelten, sehe er erst in vier bis fünf Wochen. Erst dann bilden sich im besten Fall Fruchtansätze. (nok)

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