Im Archiv und in der Bibliothek des Richard-Strauss-Instituts Garmisch-Partenkirchen begegnet man dem großen Komponisten auf ganz besondere Weise.
Garmisch-Partenkirchen - Dr. Thomas Glaser holt eine weiße alterungsbeständige Box aus dem Archiv des Richard-Strauss-Instituts in der Schnitzschulstraße 19. Vorsichtig nimmt der Institutsmitarbeiter das Notenmaterial heraus und legt es auf den Tisch in der Bibliothek. Es handelt sich um den „Festmarsch D-Dur“, den Richard Strauss (1864 bis 1949) im Alter von 20 Jahren geschrieben hat. Sein Vater, Franz Strauss (1822 bis 1905), leitete von 1875 bis 1896 den Münchner Orchesterverein die „Wilde Gungl“, „aus Privatvergnügen und ohne Entgelt“.
Auf Entdeckungsreise im Strauss-Kosmos
Sohn Richard war „aktives Mitglied“ in dem 1864 gegründeten Orchesterverein und spielte Violine. „Das Interessante sind die Ergänzungen, die Franz Strauss mit einem Bleistift in den Festmarsch, den sein Sohn komponierte, eingetragen hat“, erläutert der wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts und zeigt auf die Noten. „Durch die ergänzten Hörner klingt der Beginn des Marsches noch festlicher“, sagt er. „Ein schönes Dokument, das belegt, wie der routinierte Orchesterchef die Musik seines Sohnes noch etwas verfeinerte.“
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der „Wilden Gungl“ im Jahr 1889 wurde der „Festmarsch C-Dur“ gespielt, den Richard Strauss zu diesem Jubiläum eigens komponiert und dem Orchester gewidmet hatte. Im Rahmen der Richard-Strauss-Tage 2025 wird am 22. Juni das Symphonieorchester Wilde Gungl unter Leitung von Jesús Ortega Martínez den „Festmarsch C-Dur“ spielen. „Wir freuen uns sehr darauf.“
Was lagert noch im Institutsarchiv?
Dokumente und Exponate, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. „Notenmanuskripte, von denen nur ein Exemplar vorliegt und die eine besondere Konservierung erfordern“, sagt Glaser. Auch eine Büste des berühmten Komponisten wird dort aufbewahrt sowie Teilnachlässe der beiden Dirigenten Karl Böhm und Clemens Krauss. „Auf Anfrage und mit Nennung des Zwecks der Einsichtnahme können Bestände bereitgestellt werden.“ Im ersten Obergeschoß des Gebäudes befindet sich die Bibliothek. „Im deutschsprachigen Raum sind wir eine der am besten ausgestatteten Fachbibliotheken.“
Die Bibliothek umfasst rund 5500 Bände. Was Richard Strauss geschrieben hat und was über ihn geschrieben wurde, wird aufbewahrt. Strauss-Forschende, Wissenschaftler, Studierende, Schüler, Experten sowie Fans des weltberühmten Komponisten sind Besucher der Einrichtung. „Die Literatur zu Strauss ist immer auf dem neuesten Forschungsstand vorhanden“, betont der Experte. „Wir erhalten regelmäßig Belegexemplare von Dissertationen, Habilitationen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen.“ Außerdem werden aktuelle Neuerscheinungen gekauft. In der Bibliothek steht zudem Literatur zur Opern- und Theatergeschichte, „insbesondere zu Strauss als Opernkomponist und Musikdramatiker“ sowie zu musikalischen Zeitgenossen des Komponisten, zur Verfügung. Ein weiterer Schwerpunkt sind Publikationen zu Librettisten, mit denen er zusammengearbeitet hat, wie beispielweise dem Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal.
Seltenheiten und bekannte Werke
Integriert in die Bibliothek ist zudem eine umfangreiche Notenbibliothek: Partituren, Einzelstimmen, Klavierauszüge und andere Notenmaterialien für verschiedene Musikinstrumente und Besetzungen. „Wir haben Lieder von Strauss in Einzel- und auch in Gesamtausgaben“. Glaser zieht die Noten zu „Vier letzte Lieder“ aus dem Regal. „Er komponierte diese Lieder gegen Ende seines Lebens 1948, sie zählen zu Strauss’ bekanntesten Werken.“
Welches Buch sollte man über den berühmten Komponisten lesen? „Das Strauss-Handbuch von Walter Werbeck bietet einen guten Überblick über Leben und Werk“, empfiehlt der Wissenschaftler.
Öffnungszeiten und Führungen
Wer die Bibliothek besuchen möchte, kann dies gerne zu den Öffnungszeiten tun. Führungen sind nach Anmeldung möglich:
Richard-Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen, Schnitzschulstraße 19, 82467 Garmisch-Partenkirchen. Telefon: 08821 180-7900 oder per E-Mail: rsi@gapa-kultur.de. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 Uhr bis 16 Uhr, an Feiertagen geschlossen.
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