GenZ unter Druck der Digitalisierung: Psychologe und Sozialforscher Rüdiger Maas in Mindelheim

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Dr. Rüdiger Maas ließ sich gern von Praktikern berichten, die dazu zu dem Sozialforscher auf die Bühne kamen. © Glöckner

Dr. Rüdiger Maas sprach in Mindelheim über die Generation Z und rief zur Förderung von Resilienz und Medienkompetenz auf.

Mindelheim – Die Mindelheimer Rotarier hatten den bayerisch-schwäbischen Profi in Sachen Generationenforschung Dr. Rüdiger Maas für einen Vortrag im Forum gewonnen. Dieser nahm das interessierte Publikum für das brisante Thema „Generation Z: Warum sie so tickt, wie sie tickt“ ein und sparte dabei nicht an wissenschaftlichen Erkenntnissen, Studienergebnissen und Praxisbeispielen. Damit traf er auch den Nerv der Rotarier als „Serviceclub“, im Sinne ihrer gesellschaftsrelevanten Ambitionen und Aktionen.

Wie Maas eindrücklich beschrieb, nimmt das wechselseitige Verständnis der Generationen gegenüber einander rapide ab. Die Kinder-Überbehütung der Eltern und ihre Anbiederung an deren Lebenswelten würden mehr Abhängigkeiten schaffen, anstatt deren Selbstständigkeit und Resilienz zu fördern. „Es fühlt sich für Kinder nicht gut an, das Hobby der Eltern zu sein“, machte der Psychologe und Sozialforscher Maas klar.

Konsum statt Kompetenz?

Materielle Güteranhäufung, Influencing, Social Media, Medienkonsum bereits im frühesten Kindesalter würden die Heranwachsenden von Familie und dem realem, analogen Leben entfremden. Das mache sich zunehmend auch in der Berufs- und Arbeitswelt sowie gesellschaftlich bemerkbar. Maas richtete seine Erkenntnisse vor allem an die zahlreich geladenen und manche per Sponsoring beteiligten Unternehmervertreter, Arbeitgeber und Führungskräfte im Forum. Er beschrieb an praktischen Beispielen die Fallen und Fallhöhen incentive-getriebener Bewerbungsrunden für Personaler und Stellensuchende gleichermaßen.

Restriktion und Resilienz

Der auch als Buchautor tätige Maas plädierte für digitale Medienbeschränkung je nach Alter und forderte die Politik auf, sich des Themas entschiedener anzunehmen – vor allem „wenn eben selbst der Ministerpräsident gern Würschtelbilder postet“.

Das anschließende Podiumsgespräch mit Maas und Mindelheimer Führungskräften zeigte eindrücklich, wie sehr es darauf ankommt, dass junge Menschen in Schule und Ausbildung auf Vorbilder und Sparringspartner treffen, die sich in die Digitalwelt hineinversetzen und zugleich die analogen Alltags-Herausforderungen zu vermitteln wissen.

Wie schafft man(n) mehr Aufmerksamkeit?

Vertreterinnen und Vertreter der Generation Z kamen bei der dreistündigen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung ohne Pause nicht aktiv zu Wort. Auf dem rein männlich besetzten Podium war mit Elektromeister Dominik Grimme zumindest ein jüngerer Teilnehmer vertreten. Die anschließende Rotary-Aktion zur Organspendewerbung verlieh dem Abend eine zusätzliche gesellschaftliche Note. Dr. Maas hinterließ mit seinem Appell Eindruck: die dramatischen Folgen der Digitalisierung und der zeitgleichen Globalisierung auf den Einzelnen müssten wahr- und ernst genommen werden: „Wir unterschätzen, was wir den Menschen nehmen, wenn wir Medienkompetenz nicht organisieren“.

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