In Finnland kommt es zur Stichwahl um das Präsidentenamt. Hauptthema beider Kandidaten ist die Sicherheit an der Nato-Grenze zu Russland.
Helsinki - Die Sicherheitsbedrohung durch den Krieg in der Ukraine dominiert den finnischen Präsidentschaftswahlkampf. Die historisch gewachsene Neutralität des Landes hat sich seit Putins Überfall auf seinen Nachbarn verändert – Finnland hat eine rund 1300 Kilometer lange Grenze zu Russland. Seit vergangenen April ist Finnland das jüngste Nato-Mitglied.
Zwei Kandidaten haben es vergangenen Sonntag (28. Januar) in die Stichwahl am 11. Februar geschafft: der grüne Ex-Außenminister Pekka Haavisto (25,8 Prozent) und Finnlands konservativer Ex-Ministerpräsident Alexander Stubb (27,2 Prozent). Der Kandidat der ultrarechten Finnenpartei, Jussi Halla-aho, landete abgeschlagen auf dem dritten Platz (19 Prozent), berichtet die AFP.
Russland bedroht Nato-Mitglied Finnland nicht nur militärisch
Die beiden verbleibenden Kandidaten unterscheiden sich nicht maßgeblich in ihrer Linie gegenüber Russland. Beide befürworten Finnlands Mitgliedschaft in der Nato und sehen die vielschichtige Bedrohung durch Wladimir Putin, nicht nur militärischer Art, sondern auch durch gezielte Destabilisierungskampagnen. Im November schloss Finnland seine Ostgrenze, da es russische Strategie hinter der steigenden Zahl an Migranten witterte.
Der Präsident Finnlands bestimmt traditionell die Außenpolitik und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte - der Sieger der Stichwahl am 11. Februar wird dementsprechend einen starken Fokus auf Russland haben. Der parteilose Kandidat Pekka Haavisto war als Außenminister bereits maßgeblich an Finnlands Nato-Beitritt im vergangenen Jahr beteiligt und warnt weiter vor der unmittelbaren Bedrohung durch Russland. „Die Menschen hier sind sich auch in friedlichen Zeiten über die Sicherheitsrisiken bewusst“, sagte der 65-Jährige gegenüber Newsweek. Russlands Krieg gegen die Ukraine sei „nah“ an der Ostgrenze der Nato.
Haavisto zu Bedrohung durch Russland: „Wir lassen die Grenzen, wo sie sind“
Haavisto betont immer wieder, wie wichtig die Handlungsfähigkeit der Nato ist. Man müsse auf einen möglichen Angriff Russlands vorbereitet sein. Die Sicherheitslage seines Landes dominiere den Wahlkampf, viele Menschen in Finnland seien verunsichert. Bei einem Besuch in Lapland habe ihn etwa ein Mann verunsichert gefragt, ob er sein Haus verkaufen solle, das nur 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt ist.
„Wow, verkaufe nicht“, habe er entgegnet. „Wir lassen die Grenzen, wo sie sind.“ Die Frage des Mannes reflektiere allerdings die großen Ängste und Sorgen, die die finnische Bevölkerung momentan beschäftigen, so Haavisto gegenüber Newsweek. (lm)