Keine Asylunterkunft in Bichl: Der Gemeinderat zieht den Bauantrag für ein Flüchtlingsheim in der oberbayerischen Gemeinde geschlossen zurück. Bürgermeister Benedikt Pössenbacher will den „dörflichen Charakter“ bewahren.
Bichl – Die Gemeinde Bichl wird keine eigene Asylunterkunft bauen. Der Gemeinderat hat am Dienstagabend einstimmig beschlossen, den Bauantrag für die geplante Anlage an der Kreuzung Hochbichlfeld/Alte Tölzer Straße zurückzuziehen. Der ursprünglich geplante Bau wird somit nicht weiter verfolgt.
Bichl setzt lieber auf private Unterbringungen
Bürgermeister Benedikt Pössenbacher begründete den Schritt damit, dass Bichl weiterhin Asylbewerber privat unterbringen wolle. „Die Integration funktioniert besser, wenn die Asylbewerber in Privatstrukturen aufgenommen werden, statt dass sie in Containerburgen in der Prärie leben“, sagte er in der Sitzung. Für die Gemeinde habe sich das Modell bisher bewährt.
„Dörflicher Charakter“ soll bewahrt bleiben
Die Entscheidung Bichls steht allerdings im Widerspruch zur Linie der Regierung von Oberbayern. Diese hatte zuletzt angekündigt, die privaten Unterbringungen von Asylbewerbern schrittweise beenden zu wollen. Pössenbacher verweist auf Nachfrage des Tölzer Kurier allerdings auf die Bedingungen vor Ort: „Wir erfüllen die Quote zu 50 Prozent, die Zahlen gehen zurück, und im Gegensatz zu anderen Gemeinden haben wir weniger Hotels oder leerstehende Gebäude zur Verfügung.“ Außerdem solle der „dörfliche Charakter“ Bichls bewahrt bleiben.
Eine Containerburg in Benediktbeuern würde aus Bichler Sicht reichen
In der Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern bestehe bereits eine größere Container㈠anlage für Flüchtlinge. Eine zweite Einrichtung in unmittelbarer Nachbarschaft halte der Gemeinderat für nicht notwendig. Das Gremium folgte der Darstellung des Bürgermeisters und zog den Bauantrag geschlossen zurück.
Bichl müsste laut Landratsamt mehr Flüchtlinge aufnehmen
Nach Angaben von Sabine Schmid, Pressesprecherin am Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, müsste Bichl laut Quotenregelung 62 Personen aufnehmen. Zurzeit sind 33 Flüchtlinge in Bichl untergebracht. Davon haben 29 eine Unterkunft über die Gemeinde gefunden, vier wurden vom Landratsamt zugewiesen. „Den Bau der Asylunterkunft hätte die Gemeinde vorgenommen“, erklärt Schmid. „Wenn der Beschluss jetzt so ist, dann nehmen wir das zur Kenntnis.“
Die Gemeinde hat keine Alternativlösung zu bieten
Dennoch macht das Landratsamt deutlich, dass weiterhin Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen. Vorschläge von Seiten der Gemeinde oder eines privaten Investors könnten jederzeit geprüft werden. Stand jetzt würde es aber keine Alternative von Gemeindeseite aus geben.
(Übrigens: Alles aus der Region gibt's jetzt auch in unserem regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.)