Im bislang größten Strafprozess des Jahres in München berichtete der Ehemann vor Gericht vom Mordplan seiner Ehefrau und Tochter.
In die Hochzeit mit seiner Frau hatte ein Geschäftsmann aus Odelzhausen seine große Hoffnung gelegt. Doch dann brauchte die Frau (58) dringend Geld. Sie schmiedete mit ihrer Tochter (29) und deren Freund (34) einen perfiden Mordplan. Der ging schief. Seit Anfang Juni wird dem Trio und dem beauftragten Killer (33) vor dem Landgericht München II der Prozess gemacht. Am gestrigen zweiten Verhandlungstag sagte das Opfer aus. Es war in der Tatnacht im Februar 2024 schwer verletzt worden.
Ins Gericht kam er mit einer kompletten Vermummung, trug Kappe und wie ein Bankräuber ein über die Nase gezogenes Halstuch. Er wollte keinesfalls fotografiert werden. Im komplett besetzten Zuschauerraum warteten seine Freunde und Nachbarn. Der kleine Schwurgerichtssaal war dadurch völlig überfüllt. Dem Vorsitzenden Richter Thomas Bott gelang es, einen größeren Saal zu finden. Nach einer Dreiviertelstunde konnte endlich verhandelt werden.
Das Opfer berichtete ausführlich über seine Lebenssituation, warum er geheiratet und sein ursprüngliches Testament über Bord geworfen hatte. Was ihn an seiner neuen Familie nervte und welche Freude er für das gemeinsame Pflegekind empfunden hatte. Und natürlich auch über die Axthiebe, die Faustschläge und Messerhiebe, die er trotz Dunkelheit und kurzzeitiger Bewusstlosigkeit erstaunlich gut in Erinnerung hatte. Dabei hätte er angesichts des damaligen Verwandtschafts-Verhältnisses auch schweigen können. Mittlerweile ist er von seiner Frau geschieden. „Es geht ja um mein Leben. Es wäre ja schön blöd, wenn ich nichts sagen würde“, sagte er zu Anfang. Und dann ließ er kein gutes Haar an der einst angeheirateten Familie.
Demnach waren seine Frau und deren mitangeklagte Tochter wie Kletten aneinander gehangen. „Es war fast krankhaft, der Kontakt“, ereiferte er sich. Daraufhin meckerten die Verteidiger, dass er sich doch mit seinen Wertungen zurückhalten möge. Der Richter ließ ihn weiter reden.
Sein Frau hatte Jahre zuvor 1,2 Millionen Euro im Lotto gewonnen. Sie gaukelte ihm vor, noch 880 000 Euro zu besitzen. Deshalb hielt er sie für finanziell unabhängig, glaubte, dass sie es nicht auf sein Vermögen abgesehen hatte und hielt sie für heiratstauglich. Doch schon seit Mitte 2023 hatte die 58-Jährige alles verbraucht oder an ihre vier Kinder übertragen. Insbesondere der mitangeklagte Freund der Tochter konnte gar nicht mit Geld umgehen. Um später aus seinem Freundeskreis den bulgarischen Killer für 50 000 Euro anzuheuern, musste die Schwiegermutter Betrügereien anzetteln. Weil Tochter und Freund in Bulgarien das Auto kaputt ging, baten sie die Mutter um die Buchung von Flugtickets. Letztendlich bezahlte der Ehemann die Reise, auch die seines Killers. Der war ihm als guter Bekannter vorgestellt worden.
Was ihm dann in der Nacht im Garten widerfuhr, setzte ihm schrecklich zu. Der Bulgare, der die Tat nicht gestanden hat, schlug ihn brutal zusammen. Dem 56-Jährigen gelang es noch, sich die Küche zu schleppen. Dann wurde er gerettet. Die Folgen, unter denen er bis heute leidet, bezeichnete er als katastrophal. „Die Psyche, die Seele, das ganze Weltbild – man stellt alles in Frage“, sagte der Mann. Er leide unter Schwindel, Schlafproblemen, Verfolgungswahn und Suizidgedanken. Der Prozess dauert an.