Aus Habgier: Münchner Lotto-Millionärin soll Auftragskiller engagiert haben, um ihren Ehemann zu ermorden

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Patricia S. (58, verdeckt) soll mit ihrer Tochter Cindy (29, sitzend) die Tat geplant haben. © SIGI JANTZ

Eine Münchner Hausfrau gewann im Lotto, verprasste 1,2 Millionen Euro und soll dann einen Auftragskiller angeheuert haben, um ihren Ehemann zu ermorden. Es ist der bislang größte Strafprozess dieses Jahres in München.

Wäre dieser Mordfall nicht echt – man müsste die wohl besten Krimi-Autoren des ganzes Landes engagieren, um sich so eine bösartige Geschichte auszudenken! Im Münchner Umland soll eine Frau versucht haben, ihren eigenen Ehemann umbringen zu lassen, um an das üppige Erbe zu gelangen – laut Staatsanwaltschaft half ihre Tochter mit und engagierte über ihren Lebensgefährten einen Auftragskiller aus Bulgarien. Gemeinsam sollen sie das Mord-Komplott geplant haben. Doch das Opfer überlebte. Am Landgericht wird dem mutmaßlichen Killer-Quartett nun der Prozess gemacht.

Hausfrau gewinnt 1,2 Millionen Euro im Lotto – später soll sie einen Killer angeheuert haben

Unglaublich, aber wahr: 2018 hatte Patricia S. (56) insgesamt 1,2 Millionen Euro im Lotto gewonnen. Doch das Geld verteilte die Hausfrau an ihre Kinder, verprasste den Rest in nur fünf Jahren und war danach laut Anklage „mittellos“. Mit ihrer Tochter Cindy (29) soll sie deshalb Freunde bestohlen und für fünfstellige Beträge Waren im Internet bestellt, aber nicht bezahlt haben.

Ende Februar 2024 sollen beide Frauen dann einen teuflischen Plan gefasst haben: Weil sie laut Anklage auch durch die Betrügereien ihren opulenten Lebensstil nicht finanzieren konnten und weil sich Patricia S. ohnehin von ihrem Mann Ralf trennen wollte, planten sie, dass er „sterben müsse“, erklärte Staatsanwalt Matthias Enzler.

Laut Anklage zahlten Mutter und Tochter 50 000 Euro für den Mord

Doch weil die Frauen den Plan „nicht selbst in die Tat umsetzen konnten oder wollten, suchten sie nach jemanden, der diese Arbeit für sie verrichten würde“, sagte Enzler. Gemeinsam sollen sie den Lebensgefährten der Tochter dermaßen beeinflusst haben, dass er aus seiner Heimat Bulgarien für sie einen Auftragskiller suchte – Radi S. (33). Ihm zahlten die beiden Frauen laut Anklage 50 000 Euro für den Mord und reisten sogar nach Bulgarien, um den angeheuerten Verbrecher persönlich zu treffen und flogen am 15. Februar 2024 mit ihm zurück nach München.

Schlaf Marcus – Di., 17. Januar 2023 16:57
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Volksbank Odelzhausen, Unbekannte sprengen Geldautomat Foto: Marcus Schlaf, 17.01.2023
In Odelzhausen kam es zu dem Mordversuch, für den laut Anklage ein Auftragskiller angeheuert wurde. © Schlaf

Radi S. zog laut Anklage bei Cindys Lebensgefährten ein, wo er die Tat vorbereitet haben soll. Am 27. Februar passte er Ralf S. dann gegen 21.50 Uhr vor dessen Haus in Odelzhausen ab und griff ihn laut Anklage mit einer Axt und einem Messer an. Drei Mal soll er ihn gegen den Kopf geschlagen haben – doch der Hausherr wehrte sich mit letzter Kraft. Als ein Nachbar auf dem Kampf aufmerksam wurde, flüchtete der Killer. Ärzte konnten Ralf S. trotz schwerer Verletzungen noch retten – er ist mittlerweile geschieden und soll am Dienstag umfassend aussagen.

Angeklagte schweigen vor dem Landgericht

Vor Gericht schweigen die vier Angeklagten. Doch Psychiater Cornelis Stadtland hatte im Gefängnis mit Nikolay B. (34), Cindys Lebensgefährten, gesprochen. Der behauptete, Radi S. wollte ihm bei der Renovierung helfen und habe ihn später erpresst, so dass B. ihm zum Haus des Opfers fuhr und 30 Minuten wartete. Kurzatmig sei S. zurückgekommen und hätte erzählt, er habe Herrn S. „geschlagen“ – es gäbe „viel Blut“. Die Ehefrau hätte ihm Geld geboten, dass er den Mann „entferne“. Habgier sieht die Staatsanwaltschaft als Motiv – dafür droht den Angeklagten lange Haft.

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