Blackout-Studie: Deutschland unter den 10 Ländern mit höchstem Risiko

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Die Blackout-Gefahr nimmt zu. Laut einer Studie ist Deutschland besonders gefährdet. Die erneuerbaren Energien sind dafür wohl nicht entscheidend.

Berlin – Auch in Deutschland ist wohl das Risiko für einen Blackout hoch. Das hat eine Studie des Versicherungsunternehmens iSelect ergeben. Die Experten haben 33 Länder miteinander verglichen und auf Grundlage verschiedener Faktoren jedem Land eine Punktzahl gegeben, die das Risiko für einen größeren Stromausfall zeigen soll.

Diese Länder sind stärksten von Blackouts bedroht:

  1. Pakistan
  2. Niger
  3. Italien
  4. Uganda
  5. Mosambik
  6. Spanien
  7. Brasilien
  8. USA
  9. Deutschland
  10. Kolumbien

Deutschland ist also auf Platz neun der Länder mit dem höchsten Risiko für einen Blackout. Die gute Nachricht: Stromausfälle gibt es laut der Studie in Deutschland bislang kaum. Das bestätigen auch Angaben der Bundesregierung, denen zufolge deutsche Haushalte während der vergangenen zehn Jahre im Schnitt etwa 13 Minuten pro Jahr ohne Strom auskommen mussten. Das zeige, dass Deutschland eines der weltweit zuverlässigsten Stromnetze habe, heißt es von der Regierung.

Warum ist das Blackout-Risiko in Deutschland hoch?

Ein Grund, warum Deutschland unter den Blackout-Top-10 ist: der hohe Anteil älterer und armer Menschen (etwa 16 Prozent). Die Studienautoren leiten aus dieser Zahl die Gefährdung der Bevölkerung durch längere Stromausfälle ab. Denn: Für ältere und arme Menschen seien Stromausfälle gefährlich, da sie öfters von medizinischen Geräten abhängig seien, oft nicht mobil seien und seltener Stromausfallsysteme besäßen. Noch stärker davon betroffen sind laut der Studie Japan (22 Prozent), Italien (19 Prozent) und die USA (18 Prozent).

Tausende Haushalte in München waren von einem Stromausfall betroffen (Symbolbild).
Droht der Blackout? Laut einer Studie ist Gefahr für einen flächendeckenden Stromausfall in Deutschland im internationalen Vergleich relativ hoch. © IMAGO/Michael Bihlmayer

Deutschland erreicht außerdem eine relativ hohe Punktzahl bei der Anfälligkeit für klimabedingte Risiken. Durch Extremwetterereignisse steige die Wahrscheinlichkeit für Stromausfälle, etwa weil Kraftwerke oder Stromleitungen durch sie beschädigt werden, heißt es in einer Pressemitteilung von iSelect. Deutschland hat auf der Skala für Klimarisiken elf Punkte. Zum Vergleich: Italien – Platz 3 auf der Blackout-Liste – hat einen Wert von 30. Das am stärksten von Stromausfällen gefährdete Land, Pakistan, hat 54 Punkte.

Diese Faktoren berücksichtigt die Studie

Für ihr Beurteilung der Blackout-Gefahr haben die Experten neben dem Anteil gefährdeter Bevölkerungsgruppen und klimabedingten Risiken auch den Anteil erneuerbarer Energien unter die Lupe genommen. Außerdem sind die durchschnittliche Dauer und Häufigkeit von Stromausfällen Teil der Analyse.

Erneuerbare Energien können Blackout-Risiko erhöhen

Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für die Energiesicherheit. Ohne eine ausreichende Absicherung sei eine hohe Quote grüner Energie riskant für die Stromsicherheit, schreiben die Autoren. In Deutschland liegt diese laut der Studie bei etwa 40 Prozent. Aber auch Länder mit besonders wenigen erneuerbaren Energiequellen seien von Stromausfällen bedroht, da sie stark von fossilen Lieferketten und Preisschwankungen abhängig seien. Niger liegt beispielsweise mit einem Anteil erneuerbarer Energien von sieben Prozent auf Platz zwei der Länder mit der höchsten Blackout-Gefahr.

Die Bundesregierung schätzt das Risiko eines Blackouts in Deutschland als gering ein. Deutschland habe eines der sichersten Stromnetze der Welt mit zahlreichen Sicherungsmechanismen, heißt es auf der Internetseite des Bundes. Das Netz werde unter anderem durch das n-1-Prinzip gesichert. Heißt: Alle Komponenten sind redundant. Fallen einzelne Stromleitungen aus, ist das für die Netzstabilität kein Problem. Zudem gebe es Kraftwerke, die darauf ausgelegt seien, im Notfall das Stromnetz schnell wieder hochzufahren.

Experte bezeichnet Warnungen vor Blackout als unseriös

Auch Experten halten die Gefahr eines Blackouts für gering. Dirk Witthaut, Professor für Energiesystemtechnik am Forschungszentrum Jülich, sagte etwa der tagesschau, dass die Behauptung, Deutschland drohe ein Blackout, höchst unseriös sei. Er kritisiert vor allem die häufig bemühte Annahme, die erneuerbaren Energien seien ein Risiko für die Stabilität des Stromnetzes. Sein Argument: Wenn es in der Vergangenheit zu Stromausfällen gekommen sei, habe dies nicht an fehlendem Strom gelegen, sondern an Problemen in den Übertragungsnetzen.

Witthaut geht davon aus, dass eher die Überzeugung von Strom zu einem Problem für die Netzstabilität werden könnte. „Es kann zu Situationen kommen, in denen einzelne lokale Verteilnetze die lokale Photovoltaik-Einspeisung nicht mehr aufnehmen können.“ In solchen Fällen müssten Netzbetreiber einzelne Anlagen abschalten. Um für solche Szenarien gewappnet zu sein, brauche es Investitionen in den Ausbau der Stromnetze, betont der Experte. (Quellen: iSelect, Bundesregierung, tagesschau) (Leon Kaiser)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/blackout-studie-deutschland-unter-den-10-laendern-mit-hoechstem-risiko-zr-94032400.html