Fürstenfeldbruck –Jägerin, Naturpädagogin, Revierleiterin, Forstbetriebsleiterin, Forstwirtin – die Liste ist lang. Doch was haben diese Berufe gemeinsam? Alle drehen sich um Frauen, den Wald und ihre Tätigkeit dort. Oft wird der Wald und die dort ausgeübten Berufsfelder mit Männern assoziiert. Das ist aber falsch. „Frauen waren schon immer im Wald aktiv. Sie waren in der Minderheit, haben aber aufgeholt“, erklärt Albine Becker, Bayerische Landfrauenvereinigung, anlässlich der Ausstellungseröffnung „Frauen und Wald“.
Der Wald ist Klimamacher, er ist Bodyguard von Mutter Natur, indem er vor extremer Witterung, wie Hitze, Sturm und Starkregen schützt. Er ist Erlebnisraum, Bildungsort und Wohlfühloase. Ein ebenfalls wichtiger Punkt: der Wald dient auch als Arbeitgeber. In Bayern gibt es laut dritter Bundeswaldinventur circa 2,6 Millionen Hektar Wald. Davon gelten 1,42 Millionen Hektar als Privatwald. Insgesamt 700.000 dürfen sich Waldbesitzer nennen. Der Anteil der weiblichen Waldbesitzer liegt dabei bei knapp 40 Prozent. Allein dieser Wert zeigt, Waldbesitz ist keine reine Männerdomäne.
Bayerns Wald wird weiblicher
Bislang sind Frauen in den Organisationen und Verbänden noch wenig sichtbar, aber es tut sich etwas. Auch im Bereich Wald und Forst in Bayern: Es sind zunehmend mehr Frauen in Forstverwaltung, Forstbetrieben und forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen tätig – Bayerns Wald wird weiblicher. Diese und weitere Fakten erläutert auch die Ausstellung „Frauen und Wald“, die vom 18. bis 28. März im Landratsamt Fürstenfeldbruck zu sehen ist. Die von der Bayerischen Landfrauenvereinigung des KDFB zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten und der Bayerischen Forstverwaltung konzipierte Ausstellung beleuchtet die Kulturgeschichte des Waldes aus weiblicher Sicht und stellt acht verschiedene Frauen mit ihren speziellen Tätigkeiten – von der Forscherin über die Revierleiterin bis hin zur Jägerin und Waldbesitzerin – vor.
Anlässlich der Eröffnung am vergangenen Montag besuchte auch die derzeitige bayerische Waldkönigin Antonia Hegele die Ausstellung. Alle zwei Jahre wird eine neue Königin ausgewählt. Zu den Aufgaben gehört es, den Wald und Bayern zu repräsentieren und die Interessen der bayerischen Waldbesitzer zu vertreten. Hegele selbst wusste bereits früh, in welche Richtung sie gehen möchte. „Ich wusste, dass ich nicht im Kindergarten arbeiten und nicht im Büro sitzen will“, stellte sie bereits zur Schulzeit klar. Bei einem Schnupperpraktikum bei den bayerischen Staatsforsten war dann schnell klar, wo sie der Weg hintreiben wird: sie wollte Forstwirtin werden. 2017 schloss sie dann die Ausbildung ab und seit 2021 ist Hegele die erste Frau mit Forstwirtschaftsmeistertitel. Nach dem Erwerb eines eigenen Waldgebiets durfte dann die Bewerbung als Waldkönigin nicht fehlen. „Es macht mir sehr viel Spaß“, betont Hegele und genießt die letzten Monate, bevor sie im Herbst das Amt wieder abgeben muss.
Spezielle Zielgruppe
Nicht nur die Waldkönigin kann als Forstwirtin ein Vorbild für andere junge Frauen sein. Doch wie spricht man Forstfrauen an? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich auch Fem4Forest. Das Projekt identifiziert und analysiert die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und der Forstunternehmer. Damit sollen die Fähigkeiten von Frauen gefördert werden, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. „Frauen in der Forstwirtschaft ist eine eigene Zielgruppe, wir stellen uns die Frage, wie kann man sie ansprechen und vernetzen“, erklärt Dr. Kathrin Böhling von Fem4Future. Doch auch wenn der Wald immer weiblicher wird, muss noch vieles getan werden. „Man muss dran bleiben“, bestätigt Böhling. Deshalb wurde bereits ein neues Projekt namens Fem2Forest ins Leben gerufen. Hierbei liegt der Fokus auf jungen Frauen und Mädchen, die sich in der Berufsorientierungsphase befinden. Sie sollen angesprochen werden, um ihnen die vielfältigen Möglichkeiten im Forst aufzuzeigen.
Mit und in der Natur arbeiten
Barbara Schamberger-Oswald muss sich nicht mehr orientieren. Seit Jahren ist sie Waldbesitzerin und gemeinsam mit ihrem Ehemann für 20 Hektar Wald verantwortlich. Eine Herzensaufgabe, die aber auch gleichzeitig viel Arbeit bedeutet. „Im Frühjahr wird gepflanzt, 750 kleine Bäume waren es 2023. Im Mai folgt dann der erste Kontrollgang. Im Juni gehe ich wöchentlich auf Käferpatrouille“, zählt die Waldbesitzerin nur ein paar ihrer jährlich anfallenden Aufgaben auf. Doch auch die jüngere Generationen scheut diese Arbeit nicht. Anna-Maria Huber aus Starnberg ist Forstanwärterin und hat bereits ein Forstingenieurwesensstudium absolviert. „Ich freue mich, dass ich mit der Natur und in der Natur arbeiten kann. Es ist schön zu sehen, dass die Frauen, die im Forst arbeiten immer mehr werden“, resümiert Huber abschließend.
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Die Ausstellung „Frauen um Wald“ kann vom 18. bis 28. März zu den Öffnungszeiten des Landratsamts Fürstenfeldbruck besichtigt werden.
Julia Huss