Knapp die Hälfte des Denklinger Bürger- und Vereinszentrums war mit Besuchern gefüllt, als Bürgermeister Andreas Braunegger die Bürgerversammlung abhielt. Neben einem ausführlichen Bericht über das abgelaufene Jahr gab es am Ende auch noch mahnende Worte vom Rathauschef.
Denklingen – Mit Buh-Rufen startete die Bürgerversammlung in Denklingen am vergangenen Dienstagabend: Gemeint war damit aber nicht Bürgermeister Andreas Braunegger, der die Anwesenden durch das Jahr führte, sondern der Landsberger Landrat Thomas Eichinger. Dieser hatte sich nämlich wegen eines anderen Termins entschuldigen lassen. Dafür gab sich MdB Michael Kießling für eine Stunde die Ehre, bevor auch er weiter musste.
Sterberate ist zurückgegangen
Umfangreich stellte Braunegger die Situation der 2958 Einwohner starken Gemeinde Denklingen mit ihren Ortsteilen Epfach und Dienhausen dar. So freute er sich über den Rückgang der Sterberate, die in den Jahren 2020/2021 erheblich gestiegen war. Er sorgte sich aber auch um die angespannte Lage des Haushalts. „Mit dem Abschluss der großen Bauprojekte ist das umfangreiche Investitionsprogramm der vergangenen Jahre nun beendet.“ Das Regenwasserbecken in Denklingen wurde saniert, die Wasserleitung der Tulpenstraße endlich erneuert und ein neues Baugebiet erschlossen.
Gleichzeitig setze sich der bereits im Jahr 2023 begonnene Rückgang bei den Einnahmen fort. „Hier sticht besonders die Gewerbesteuer heraus“, so der Rathauschef. „Den Kommunen geht es insgesamt an den Kragen.“
Reaktivierung der Fuchstalbahn ist noch in weiter Ferne
Kritische Worte fand Braunegger zur Reaktivierung der Fuchstalbahn (wir berichteten). Dabei stützte er sich auf einen Artikel der Heimatzeitung. Basierend auf dem Text müssten nach dem positiven Gutachten noch einige Hürden genommen werden. So müsste erst einmal ein Betreiber gefunden werden, zudem sei ein abgestimmtes Buskonzept der beiden Landkreise Schongau und Landsberg unabdingbar. Außerdem sollte die Strecke ohne Zuschuss des Freistaats modernisiert und eine kommunale Infrastruktur (Bahnsteige, Parkplätze, Zufahrten) geschaffen werden. Positiv hervorzuheben sei, dass die Strecke bereits in gutem Zustand sei, „das antike Stellwerk in Schongau muss ohnehin saniert werden“.
Um bei der Bahn zu bleiben: Der gewünschte beschrankte Bahnübergang hat den Rathauschef schon viele Nerven gekostet. Nun ist er endlich da. Doch dank einer Fehlplanung müsse nun einiges ausgebessert werden. Die Fahrbahn muss auf 6,30 Meter erweitert, eine Schwelle entschärft und der Asphalt der Epfacher Straße erneuert werden, da sich dort große Pfützen bilden. „Mein Lieblingsthema“, so der Rathauschef augenrollend.
Anonym gestellte Fragen wurden nicht beantwortet
Bei der Angelegenheit Baumbestattung „mit bester Aussicht“ wurden einige Besucher hellhörig. Sie ist im Rahmen einer neuen Friedhofssatzung auch Tagesordnungspunkt im nächsten Gemeinderat. „Muss man sich darum bewerben?“, fragte gar eine Frau. „Nein, keine Reservierungen, bleibt‘s noch bissl bei uns“, schmunzelte Braunegger.
Gar nicht zum Schmunzeln fand der Rathauschef die im Vorfeld zahlreich anonym eingegangenen Fragen aus der Bürgerschaft. „Die werden hier nicht beantwortet.“ Denjenigen, die sich trotzdem noch trauten, stand er aber Rede und Antwort. So erklärte Braunegger den aktuellen Stand der Windanlagen. Hier sei der Vorbescheid abgelehnt worden. Grund: Die Einflugschneise der Bundeswehr in Altenstadt.
Frage nach Nachbarschaftshilfe
Ein anderer Anwohner „muckierte“ sich über den nicht vorhandenen Rückschnitt der Hecke an der St. Lorenz Straße. „Wenn wir es wissen, können wir uns für kleines Geld darum kümmern“, so der Rathauschef entspannt.
Spannend war dagegen die Frage aus der Bevölkerung nach einer Nachbarschaftshilfe: „Das Begehren hatten wir vor ein paar Jahren schon mal“, so Braunegger. Zum Termin seien aber hauptsächlich Menschen gekommen, die selbst Hilfe bräuchten. „Dann haben wir die Sache wieder eingestampft.“
Auch der Wunsch nach einem Betreuten Wohnen mit Stiftungsgeldern der verstorbenen Sofie Geiger sorgte bei Braunegger nicht für Begeisterung. „Erst einmal müssen wir die Stiftung gründen, dann schauen wir, was am Ende rauskommt“, so Braunegger.
Appell für das Ehrenamt
Was in den Pflegeheimen momentan abginge, sei „sensationell“. Problem: Fachkräftemangel. „In Fuchstal können sie die Leute nicht mehr ordentlich betreuen. Ob wir so etwas brauchen, bezweifle ich.“ Zudem hätten sich bei einer früheren Umfrage gerade einmal zwei Interessenten gemeldet. „Und für zwei Menschen baue ich sowas nicht.“
In diesem Zusammenhang fand Ortschef Braunegger noch weitere deutliche Worte: „Wir befinden uns heutzutage in einer Ellenbogengesellschaft. Früher wurde die Oma halt zuhause gepflegt, jetzt sieht das anders aus.“ Vielleicht lasse sich das Problem aber dann doch mit der angesprochenen Nachbarschaftshilfe abfedern. „Da könnten wir schauen.“
Hierzu passt sein dringender Appell bezüglich des Ehrenamts: „Es ist eine Katastrophe, keiner macht mehr was.“ Und wenn die Bürger etwas machen, dann Müll. Seien es illegale Holzablagerungen am Gemeindezaun oder Hundekotbeutel am Mülleiler an der Bushaltestelle. Zudem mahnte er, nicht auf dem Gehweg zu parken. Da kämen die Mütter mit Kinderwagen und Senioren mit dem Rollator nicht vorbei.
Nach zweieinhalb Stunden ging der Abend in der Denklinger Vorzeigehalle dann zu Ende. Das Bürger- und Vereinszentrum koste mit seiner Technik viel Unterhalt, so Braunegger. Es sei aber auch viel genutzt. „Darauf sind wir stolz.“