Eine 52-jährige Geflüchtete ist wegen Mordes vor dem Landgericht angeklagt. Sie soll einen 54-jährigen Dachauer erstochen haben. Nun sagen ihre Freundinnen als Zeugen aus.
Dachau – Im „Eifersuchtsmord“, bei dem eine Ukrainerin (51) ihren Ex-Freund (54) umgebracht haben soll, haben am vierten Prozesstag Freundinnen der Angeklagten als Zeugen ausgesagt. Sie beschrieben die Frau als freundlich, aber auch als traurig. Sie hatten mit ihr einen wunderbaren Sommer am Karlsfelder See verbracht, und es übertraf ihre Vorstellungskraft, dass die 51-Jährige einen Menschen erstochen haben sollte.
Vor dem Landgericht München II ließ der Vorsitzende Richter Thomas Bott die Zeuginnen alles über ihre Zufalls-Bekanntschaft erzählen. Wie sie sich kennengelernt hatten, wie sie sie sich verständigt hatten und wo der Angeklagten aus Sicht der Freundinnen der Schuh drückte.
„Ich empfand sie als eine sehr traurige Frau. Sie hat viel geweint und war immer alleine“, erinnerte sich eine 48-jährige Zeugin. Ihrer Schilderung nach war die größte Sorge der 51-Jährigen, dass sie weniger Wohnraum, als vielmehr eine Meldeadresse in Dachau brauchte, um an finanzielle Unterstützung zu gelangen – und dass ihr Bekannter sie nicht bei sich melden wollte.
Allerdings hatte die Angeklagte den Freundinnen auch eine ganz andere Geschichte aufgetischt, nämlich, dass sie bei einer Familie wohnen würde, die sich im Moment im Ausland befinde, und dass der Bekannte ein Nachbar sei.
Als der Angeklagten im Februar 2023 dann klar wurde, dass sie irgendwann aus der Wohnung des Freundes raus musste, bat sie ihre See-Freundinnen um Hilfe. Die zeigten sich hilfsbereit, erfuhren dann aber bei der Suche nach einer Adresse, dass die 51-Jährige seit langem bei dem „Nachbarn“ wohnte. Die Frauen wurden stutzig. Eine sprach sogar mit dem späteren Opfer und fragte den Mann, warum er die Frau nicht melden wollte. Der Mann hätte erzählt, so die Zeugin weiter, dass das aufgrund seines Wohnungsstatus’ nicht gehe. Er wohne in einer Staatsbediensteten-Wohnung.
Bluttat in Mehrfamilienhaus: Ukrainerin (51) soll ausziehen - und ersticht ihren Wohnungsgeber
Laut Anklage hatte die 51-Jährige den Mann vor 15 Jahren über ein Dating-Portal kennengelernt. Im Laufe der Zeit pflegten die beiden nur noch eine Art freundschaftliche Beziehung. Mit Beginn des Ukraine-Krieges floh die Frau im Jahr 2022 nach Dachau. Er nahm sie kurzzeitig auf, forderte aber, dass sie ausziehen müsste. Doch sie weigerte sich hartnäckig. Weil er zu schwach war und sie immer aggressiver wurde, bat er seine Ex-Frau und den Sohn um Hilfe. Bei diesem Aufeinandertreffen kam es zu den tödlichen Messerstichen. Offenbar hatte die 51-Jährige erkannt, dass ihre Zeit bei dem gutmütigen Dachauer abgelaufen war. Der hatte zudem bereits eine Verlobte und wollte nur noch ihren Auszug. Vermutlich war die Angeklagte über die neue Beziehung so erbost, dass sie weder die Wohnung räumte, noch ihm die neue Frau gönnte.
Die Hauptverhandlung wird nach den Faschingsferien fortgesetzt.
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