USA-Experte: Epstein-Akten können Trump viel gefährlicher werden als gedacht

  • Im Video: US-Justizministerium gibt zuvor entferntes Trump-Foto wieder frei

Es sind bereits Tausende Unterlagen. Und es sollen noch viele weitere dazukommen. Die Rede ist von den Epstein-Files, mit deren Veröffentlichung das US-Justizministerium am Freitag begonnen hat.

Bemerkenswert ist, dass US-Präsident Donald Trump, der den verstorbenen Multimillionär und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gut kannte, kaum in den bisher publizierten Unterlagen vorkommt. Das sorgte unlängst für Aufregung und Ärger, vor allem vonseiten der Demokraten.

Thomas Greven, Privatdozent für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, führt den Wirbel um die Unterlagen vor allem auf fehlgeleitete politische Hoffnungen und allgemeine Sensationslust zurück.

Im November 2026 stehen die Midterms an

"Die Veröffentlichung der Dokumente und Bilder bedeutet für Donald Trump: nichts", sagt er im Gespräch mit FOCUS online. "Der US-Präsident ist juristisch vor Strafverfolgung geschützt und politisch hat er weder ein Impeachment-Verfahren noch andere persönliche Konsequenzen zu befürchten." 

Das heißt aber nicht, dass ihm die Epstein-Files nicht gefährlich werden können. Vor allem langfristig. Im November 2026 stehen in den USA schließlich die sogenannten "Zwischenwahlen" an. 

Dabei werden ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu bestimmt. Bisher halten die Republikaner in beiden Kammern des Kongresses knappe Mehrheiten. Das könnte sich allerdings mit den Midterms ändern.

Trumps Umfragewerte stürzen ab

Denn: Trumps Umfragewerte sinken seit Wochen. Das zeigen Daten, die die "New York Times" (NYT) aufbereitet hat. Vor allem in Wirtschaftsfragen haben sich die Zustimmungswerte des US-Präsidenten stark verringert. 

Ein Beispiel, das den Reputationsverlust illustriert: Im Swing State North Carolina rutschte Trumps Beliebtheit laut einer Umfrage der Elon University und YouGov, durchgeführt zwischen dem 19. November und dem 1. Dezember, auf einen neuen Tiefstand. 51 Prozent der Befragten lehnten Trumps Amtsführung ab, nur 35 Prozent befürworteten sie. Der Rest war unschlüssig.

"Die Republikaner leiden unter der Unbeliebtheit Trumps, die durch die Veröffentlichungen und durch die immer noch mangelnde Transparenz weiter wächst", sagt Politologe Greven, der am John F. Kennedy Institute for North American Studies unterrichtet. 

Donald Trump bei seiner Rede an die Nation
US-Präsident Donald Trump bei einer Rede an die Nation. picture alliance / Newscom | Doug Mills/The New York Times

Das heißt: Auch wenn die Epstein-Files inhaltlich an Trump abperlen, könnten sie seine Regierung angreifbarer machen. Verschiebt sich das Kräfteverhältnis im Kongress, wird es für Trump schwieriger, seine gesetzgeberische Agenda durchzusetzen.

Trumps Unangreifbarkeit wird auf die Probe gestellt

Womöglich kommt aus demokratischen Kreisen auch deshalb so viel Gegenwind. Aktuellstes Beispiel ist der Unmut über ein Foto, das aus einem Epstein-Datensatz entfernt worden sein soll. Die Demokraten im US-Kongress fragten auf X, an Generalstaatsanwältin Pam Bondi gerichtet: "Was wird sonst noch vertuscht?"

Auf dem betreffenden Bild sind ausgedruckte, teils eingerahmte Fotografien zu sehen, die in einer Schublade liegen. Eine der Aufnahmen zeigt Trump gemeinsam mit seiner Ehefrau Melania, Epstein und dessen langjähriger Vertrauter Ghislaine Maxwell. 

Mittlerweile ist das Foto ohne Änderung oder Schwärzung wieder online, wie das US-Justizministerium auf X mitteilte. Es hätte hinsichtlich bislang unbekannter mutmaßlicher Opfer Epsteins überprüft werden müssen.

"Trump hat politisch nichts zu befürchten"

Der Unmut über die Aufnahme hilft den Demokraten "bei der Auseinandersetzung mit den Republikanern insgesamt: Deren interne Konflikte werden verstärkt und sie werden unbeliebter", sagt Greven. 

Was er mit internen Konflikten meint: Einzelne republikanische Abgeordnete brachen wegen mangelnder Transparenz in der Epstein-Sache mit Trump. Das prominenteste Beispiel ist Marjorie Taylor Greene. 

Viele der jetzt veröffentlichten Akten wurden geschwärzt, außerdem sind die Epstein-Files noch nicht - wie eigentlich vorgesehen - in Gänze publiziert worden. "Die Leute sind wütend und wenden sich ab", schrieb Greene auf X. Das ist bezeichnend, galt sie einst doch als vehemente Trump-Unterstützerin.

Mit Clinton sind auch die Demokraten betroffen

Aber auch für die Demokraten sind die Epstein-Akten problematisch. Politologe Greven weist auf die vielen Bilder von Bill Clinton hin, die in der jetzigen "Charge" zu finden sind. Der Ex-Präsident ist darauf unter anderem im Whirlpool, mit einer jungen Frau auf dem Schoß oder in formelleren Situationen zu sehen.

Clintons Sprecher Angel Ureña warf dem Weißen Haus vor, den Politiker als Sündenbock zu missbrauchen - und von Trumps Beziehung zu Epstein abzulenken. "Sie können noch so viele 20 Jahre alte pixelige Fotos veröffentlichen, wie sie wollen, aber hier geht es nicht um Bill Clinton. Das war nie der Fall und wird auch nie der Fall sein", schrieb er auf X. 

Epstein hatte über Jahre hinweg einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Dass der frühere US-Präsident in den Akten zu sehen ist, bedeutet nicht zwangsläufig, dass er von den Verbrechen des Multimillionärs gewusst haben muss oder darin verwickelt war. 

Bill Clinton mit einer unbekannten weiblichen Person.
Bill Clinton mit einer unbekannten weiblichen Person. dpa

Ureña betonte gegenüber der "Daily Mail", Clinton habe keine Kenntnis von den Vergehen gehabt und den Kontakt abgebrochen, bevor sie bekannt wurden. Trotzdem dürften die Epstein-Akten einen Reputationsverlust mit sich bringen. 

Epstein-Akten überschatten Wahlkampf schon lange

Insgesamt wird der Fall des kriminellen Multimillionärs die Vereinigten Staaten wohl noch lange beschäftigen. Nicht nur steht die Veröffentlichung weiterer - Hunderttausender - Dokumente aus. Es sind auch noch viele Fragen offen, etwa, wer Mitwisser und Mittäter waren und wer Epstein aktiv schützte. 

Ganz zu schweigen von all dem Unmut, der sich politisch zusammengebraut hat - wegen der Intransparenz bei der Aufarbeitung des Skandals, aber auch wegen der häppchenweisen Enthüllungen, die den US-Präsidenten und seine Partei belasten. Und das nicht erst seit Freitag.

Schon im November sorgten von demokratischen Kongressabgeordneten veröffentlichte E-Mails für einen Eklat. Darin deutet Epstein an, Trump sei über den Missbrauch minderjähriger Frauen im Bilde gewesen. Bisher konnte dem US-Präsidenten allerdings kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. 

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