Maria de la Paz neu gedacht: Ist das des Rätsels Lösung für den Kindergarten in Au?

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Großes Interesse hatten die Menschen in Au an einer Infoveranstaltung zum Kindergarten Maria de la Paz, zu der Birgit und Karl-Heinz Kodritsch (l.) eingeladen hatten. © Beschorner

Carol Lorenz ist Architekt im Ruhestand, Bürger der Marktes Au und hat sich eines heiß diskutierten Themas seiner Heimatgemeinde angenommen: Am Mittwoch präsentierte er seine Ideen zum Kindergarten Maria de la Paz und entkräftete damit die Hauptargumente der Gemeinde, die für einen Neubau sprechen.

Au/Hallertau – Der Saal im Rosenwirt war voll, das Interesse groß. Aus dem Flyer zur Infoveranstaltung ging zwar nicht klar hervor, ob es an dem Abend wirklich Neuigkeiten geben würde. Doch die gab es und zwar von einem Fachmann, der Maria de la Paz nur zu gut kennt: Carol Lorenz, seines Zeichens Architekt im Ruhestand, Bürger der Marktgemeinde Au. Er hatte auch schon beruflich mit dem ehemaligen Kloster zu tun, begleitete als Planer die eine oder andere Sanierungsmaßnahme der Vergangenheit in dem altehrwürdigen Gebäude.

Eines stellte der Referent des Abends nach kurzen einleitenden Worten des Ehepaares Kodritsch zunächst klar: „Ich habe kein finanzielles Interesse, ich bin im Ruhestand und da bleibe ich auch.“ Aber er sei „Auer mit Leib und Seele“, habe sich bei den Diskussionen um die Frage „Erhalt oder Neubau?“ stets zu wenig informiert gefühlt und es deshalb als seine Pflicht angesehen, tätig zu werden. Und so nahm er die Anwesenden noch einmal im Schnelldurchlauf mit durch die Argumentation der Gemeinde, wieso ein Neubau der einzig gangbare Weg sei, listete alles auf, um am Ende die Frage zu stellen: „Kann man die Dinge vielleicht auch anders denken?“ Ja, fand er. Und genau das sei sein Ansatz gewesen.

Seiner Überzeugung nach brauche es keine Generalsanierung des Bestandsgebäudes, weil die Gemeinde das Haus stets vorbildlich in Schuss gehalten habe. Eine provisorische Unterbringung in teuren Mietcontainern – nächstes Argument der Gemeinde für den Neubau – falle somit weg, weil alle Arbeiten im laufenden Kindergartenbetrieb oder in den Ferien erledigt werden könnten. Auch dass der Garten samt Baumbestand bei einer Erweiterung nicht erhalten werden könne, verwies Carol Lorenz ins Reich der Fabeln und legte drei Varianten vor, bei denen der Außenbereich entweder nur wenig, teilweise oder überhaupt nicht von einer Erweiterung tangiert würde.

Und am Ende hatte er sogar eine Lösung für das scheinbar unlösbare Problem und ein weiteres Argument für eine Verlegung des Kindergartens: die schwierige Verkehrs- und Parksituation. Der Architekt i. R. hatte bei der Eigentümerfamilie des Eckgrundstücks zwischen Krippe und Kindergarten angefragt, ob sie die Fläche an die Gemeinde veräußern würde. Deren Antwort war ein klares Ja, ein Familienmitglied war am Mittwoch anwesend und bestätigte dies. Somit wäre auch ein Parkplatz gesichert.

Gut eineinhalb Stunden ging Lorenz die Entwürfe durch, die er erarbeitet hatte, rechnete vor, an welcher Stelle die Gemeinde Teile der fehlenden Flächen von 220 Quadratmetern im Bestandsgebäude nachweisen könnte, zeigte auf, dass etwa bei seiner Variante 2 – sein Favorit – mit einem Erweiterungsbau im Hofbereich der „paradiesische Garten und der komplette Baumbestand“ unverändert erhalten bleiben könnten, hierfür lediglich der gepflasterte Teil überbaut werden würde. In Variante 1 sieht Lorenz den Ersatzbau am Ende des Gartens vor, mit einem Verbindungsgang zum Altbau.

Variante 3 sei ein ganz anderer Denkansatz: Hier würde das benachbarte Krippengebäude mit kleineren Umbaumaßnahmen zum Kindergarten mit zwei Gruppen umfunktioniert. Die Krippe würde dann in einen Neubau, der auf einer Teilfläche des ehemaligen Bauhofgeländes kostengünstiger und wesentlich kleiner als ein Kindergarten zu realisieren sei, umziehen. Ein Großteil des 4900 Quadratmeter großen Grundstücks nahe der Realschule mit einem von Lorenz errechneten Vermögenswert von mehr als zwei Millionen Euro hätte die Gemeinde dann zur freien Verfügung – „etwa für kommunalen Wohnungsbau“.

Der wohl wichtigste Punkt, den der Planer widerlegen konnte: die immensen Kosten für eine Sanierung. Denn dass laut der Berechnung, die der Gemeinderat allen Entscheidungen zugrunde legte, ein Neubau mit 12,6 Millionen Euro satte drei Millionen Euro günstiger sei als die Sanierung, für die 15,8 Millionen Euro veranschlagt wurden, „hat mich stutzig gemacht“, sagte Lorenz. In seiner Berechnung kommt er für die Variante 2 auf Gesamtbaukosten in Höhe von 6,6 Millionen Euro. Sein Appell an die Gemeinde: „Gehen Sie einen Schritt zurück. Wenn Sie alles nochmal überdenken, wird Ihnen das sicher nicht als Schwäche ausgelegt, sondern als Stärke.“ Die Anwesenden quittierten die Ausführungen mit langanhaltendem Applaus – und sparten nicht mit Kritik an der Gemeinde.

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