„Zustände wie in Osteuropa“: Bauunternehmer fürchtet „vertragslosen Zustand“

Der Schweizer Bauunternehmer Hans Aregger warnt laut dem Schweizer Newsportal „Blick“ vor gravierenden Folgen, sollte es im Bauhauptgewerbe keinen neuen Gesamtarbeitsvertrag geben. Da sich Gewerkschaften und der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) seit Monaten nicht einigen, drohe im kommenden Jahr ein vertragsloser Zustand. Besonders die Löhne, die laut SBV derzeit im Durchschnitt bei 6261 Franken (rund 6712 Euro) liegen, gelten als zentraler Streitpunkt.

Warnungen vor Schwarzarbeit und Lohndruck

Wie „Blick“ berichtet, befürchtet Aregger, dass ohne Vertrag „Zustände wie in Osteuropa“ entstehen könnten. Firmen ohne ausreichende Kontrolle könnten Schwarzarbeit erleichtern, Lohndumping vorantreiben und Arbeitsbedingungen verschlechtern. 

Der SBV hat eine Petition gestartet, um eine vertragslose Zeit zu verhindern, während die Gewerkschaft Unia dem Verband vorwirft, mit zu niedrigen Angeboten Reallohnverluste in Kauf zu nehmen – verstärkt durch steigende Krankenkassenprämien.

Die Baubranche steht unter Spannung: Bauunternehmer warnen vor gravierenden Folgen, sollte keine Einigung erzielt werden.
Die Baubranche steht unter Spannung: Bauunternehmer warnen vor gravierenden Folgen, sollte keine Einigung erzielt werden. (Symbolfoto) IMAGO

Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, Fortschritte zu blockieren. Zusätzlich kritisiert die Unia die bisherige Regelung zur Entschädigung von Reisezeiten als unzureichend und fordert eine Korrektur.

Hoffnung auf Kompromiss – trotz verhärteter Fronten

Aregger betont laut „Blick“, dass Unternehmen mehr Flexibilität benötigen, um wetterbedingte Ausfälle, Termin- und Auftragsdruck besser abzufangen. Gleichzeitig versichert er, auch ohne Vertrag weiterhin hohe Löhne zahlen zu wollen. Trotz der angespannten Lage haben sich beide Seiten in einigen Punkten angenähert – ein Signal, dass eine Einigung möglich bleibt.

Wie stark Digitalisierung und neue Arbeitsmodelle die Baubranche verändern können, zeigt ein Blick auf Entwicklungen in den USA.

Wie Homeoffice traditionelle Strukturen im Bau verändert

Ein US-Bauunternehmen hat seinen Betrieb nahezu vollständig digitalisiert und arbeitet ohne festes Büro – mit deutlichen Folgen für Produktivität und Umsatz. Projektleiter reisen flexibel zwischen Baustellen, während Planung und Verwaltung im Homeoffice stattfinden. Das Unternehmen kann dadurch landesweit Projekte annehmen und stärkt zugleich seine Position im Wettbewerb.

Die neue Struktur wirkt sich auch auf die Mitarbeiterbindung aus: Das Team bleibt stabil, Entscheidungswege verkürzen sich, und die Firma gilt als attraktiver Arbeitgeber. Die Entwicklung zeigt, dass selbst in traditionell präsenzgeprägten Branchen moderne Arbeitsmodelle neue Möglichkeiten schaffen.