Frau (52) hört auf, sich die Haare zu Färben und wird im Job plötzlich anders behandelt

Die Kanadierin Jillian Bowman entschied sich während der Pandemie, ihr graues Haar nicht länger zu färben. Die 52-Jährige, die seit Jahren im Marketing und Change Management arbeitet, stellte danach fest, dass Menschen im Alltag deutlich höflicher reagierten – in Bewerbungsgesprächen jedoch das Gegenteil passierte. Erst später erzählte sie ihre Geschichte dem US-Wirtschafts- und Nachrichtenportal „Business Insider“.

Wenn graue Haare Karrierechancen beeinflussen

In dem Bericht von „Business Insider“ beschreibt Bowman, wie Recruiter in Bewerbungsgesprächen plötzlich kaum noch relevante Fachfragen stellten. Statt aktueller Aufgaben ging es häufig um Stationen von vor vielen Jahren. Eine junge Recruiterin erklärte ihr sogar, sie habe bewusst keine technischen Fragen gestellt, weil Bowman sie „an ihre Mutter“ erinnere – und diese nicht gut mit dem Smartphone umgehen könne. Für Bowman war das ein deutlicher Hinweis auf altersbezogene Vorurteile.

Auch andere Rückmeldungen zielten in dieselbe Richtung: Freunde und Personalverantwortliche rieten ihr, für Bewerbungen ältere Fotos zu nutzen – solche, auf denen ihre Haare noch gefärbt waren. In einem weiteren Fall wurde ihr gesagt, sie sei „zu reif“ für ein Team, obwohl sie zuvor als ideale Kandidatin bezeichnet worden war.

Viele Menschen kaschieren ihren grauen Ansatz – Bowmans Entscheidung dagegen zeigte überraschende Folgen im Berufsalltag.
Viele Menschen kaschieren ihren grauen Ansatz – Bowmans Entscheidung dagegen zeigte überraschende Folgen im Berufsalltag. (Symbolfoto) IMAGO

Ageismus als heimliche Hürde im Bewerbungsprozess

Wie „Business Insider“ weiter berichtet, macht Bowman nicht ausschließlich ihre Haarfarbe oder ihr Alter für ausbleibende Jobangebote verantwortlich. Dennoch sei ihr in einem großen Teil der Bewerbungen Ageismus begegnet. Sie betont, keinerlei Probleme damit zu haben, unter jüngeren Vorgesetzten zu arbeiten. Entscheidend sei jedoch, dass ihre langjährige Erfahrung und ihr Wissen über digitale Transformation im Bewerbungsprozess kaum abgefragt worden seien.

Besonders frustrierend sei die Vorstellung, dass allein ihr natürliches Erscheinungsbild ein Karrierehindernis darstellen könnte. Erfahrung, Anpassungsfähigkeit und strategisches Denken, so Bowman, seien in Zeiten rasanter technologischer Entwicklungen eigentlich wertvoller denn je.

Wie sehr persönliche Eigenschaften in Bewerbungsprozessen eine Rolle spielen können, zeigt auch ein Blick auf aktuelle Experteneinschätzungen.

CEO verrät, welche Eigenschaft entscheidet im Bewerbungsgespräch

Ein CEO erklärte kürzlich gegenüber dem US-Sender CNBC, dass Leidenschaft und Selbstreflexion für ihn wichtiger sind als perfekte Lebensläufe. Unternehmen würden zunehmend auf Bewerber setzen, die Teamgeist, Lernbereitschaft und eine authentische Motivation mitbringen. Die Beobachtung deckt sich mit Daten von LinkedIn, die zeigen, dass Soft Skills bei Neueinstellungen weiter an Bedeutung gewinnen.

Gleichzeitig warnen Personalverantwortliche davor, Ego oder Perfektionismus über den Teamerfolg zu stellen. Entscheidend sei eine Kombination aus Begeisterung und der Fähigkeit, eigene Stärken realistisch einzuordnen. Viele Firmen sehen darin inzwischen einen zentralen Faktor für langfristigen beruflichen Erfolg.