Bozner Markt: Im September kommt‘s zum Schwur

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Einzigartiges Spektakel im Landkreis: Der Bozner Markt mit seinen Landsknechten und Pestfeuern katapultiert Mittenwald ins Spätmittelalter. © Josef Hornsteiner

Der geplante Bozner Markt 2026 könnte für den Mittenwalder Steuerzahler noch teurer werden, als ohnehin schon befürchtet. Nun geistert ein Defizit im sehr hohen sechsstelligen Bereich durch den Ort. Die Marktgemeinderäte dürfen nun die Sommerpause zur intensiven Klausur nutzen. Denn im Herbst schägt die Stunde der Wahrheit.

Mittenwald – Dank der Vorarbeiten der beauftragten „Middlewood UG“ und einzelner Arbeitskreise steht im Grunde das Drehbuch für den Bozner Markt 2.0, der im Sommer 2026 in Mittenwald wieder über die Bühne gehen soll. Dass das Historienspektakel, das zuletzt im August 2017 vonstattenging, viel (Steuer-)Geld kostet, war allen Verantwortlichen im Rathaus von Anfang an klar. Die Summe, die nun aber durch den Geigenbauort geistert, treibt einigen den Angstschweiß auf die Stirn. Plötzlich ist von einem Defizit nahe der Millionengrenze die Rede.

Der eine wollt‘s hören, der andere halt nicht.

Dieser astronomische Betrag soll am Dienstag – bezeichnenderweise in nicht-öffentlicher Sitzung – im Mittenwalder Marktgemeinderat genannt worden sein. Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) bestätigt, dass der Bozner Markt 2026 tatsächlich Thema war. Er verweist gleichzeitig auf ein Gutachten, das dem Ratsgremium diesen Montag zugestellt worden war – mit aufschlussreichen bisweilen geradezu niederschmetternden Fakten. Gerade was die Finanzen betrifft. Doch das, so Corongiu, sei schon lange kein Geheimnis mehr. „Der eine wollt‘s hören, der andere halt nicht.“

Eine Aussprache zu dem Papier soll‘s dem Vernehmen nach nicht gegeben haben. Einige im Gremium sahen sich ob der Kürze nicht in der Lage zum eingehenden Studium. Man vertagte sich in der Causa auf die erste Sitzung nach der Sommerpause, die voraussichtlich Mitte September anberaumt wird. Dann schlägt für den Bürgermeister und 20 Volksvertreter die Stunde der Wahrheit. Dann heißt es für sie: Friss oder stirb.

In den sitzungsfreien Ferienwochen bleibt ihnen genug Zeit zum Nachdenken. Ob der Brisanz könnte sogar noch eine Klausur vorgeschaltet werden. Ein „internes Treffen“, wie Corongiu unterstreicht. Auch von Seiten der CSU hört man, dass sich die Partei den nächsten Wochen diesbezüglich zusammensetzen möchte.

Fakt ist: Die Entscheidung, die es in gut sechs Wochen zu treffen gilt, dürfte eine der schwersten in dieser Amtszeit werden. Denn der seit 1987 veranstaltete Bozner Markt ist unterm Karwendel eine hochemotionale Angelegenheit. Doch sollte dafür knapp eine Million Euro an Steuergeldern ausgegeben werden? In diesem Zusammenhang bittet der Bürgermeister um Versachlichung. Für ihn gibt es bei der Wiederbelebung der Marktwoche nicht nur Hopp oder Top. Falls die Geschichte für die ausgearbeitete große Version zu kostspielig sein sollte, könnte auch über ein kleineres Format nachgedacht werden. Fragen über Fragen.

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