Russische Angriffe treffen Kiews Energieversorgung hart. Eine polnische Initiative will Abhilfe schaffen und sammelt Millionen für Generatoren.
Warschau – Im Ukraine-Krieg attackiert Russland immer wieder die ukrainische Energie-Infrastruktur. In den kalten Wintermonaten macht das der ukrainischen Bevölkerung zu schaffen, besonders in Kiew. Eine polnische Fundraising-Aktion soll nun Abhilfe schaffen. Bei den Polen kommt sie an – innerhalb eines Tages wurde das anfängliche Spendenziel von 400.000 Zloty (94.690 Euro) bereits deutlich übertroffen.
Stand 19. Januar 2026 konnte durch die Spendenaktion so insgesamt 3.268.533 polnische Zloty (etwa 773.514 Euro) gesammelt werden. Die Organisatoren der Aktion hatten wohl selbst nicht mit dem Erfolg gerechnet. „Liebe Freunde, eure Solidarität ist überwältigend“, heißt es in dem aktualisierten Spendenaufruf. Über 27.500 Menschen spendeten für die Aktion „Wärme von Polen für Kiew“.
Millionen durch Spendenaktion: Polen unterstützt Energieinfrastruktur in der Ukraine
Mittlerweile haben die Organisatoren der Fundraising-Aktion den Zielwert auf fünf Millionen Zloty gesteigert. Auf der Spendenseite kann man eindrucksvoll zuschauen, wie die Gesamtspendenanzahl in die Höhe schießt. „Dank eurer Spenden können wir viel mehr erreichen als geplant“, so die Organisatoren, die sogenannte „Stand with Ukraine Foundation“.
Es handelt sich dabei laut The Kyiv Independent um ein Bündnis aus mehreren zivilgesellschaftlichen Gruppen, darunter Euromaidan-Warschau, die Democracy Foundation, Sestry.eu und die Open Dialogue Foundation. Das Ziel der Spendenaktion sei, Generatoren, Schlafsäcke und Treibstoff für die Menschen in der Ukraine zu kaufen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am 14. Januar den Notstand im Energiesektor ausgerufen, insbesondere in Kiew. „Die Menschen halten sich in unbeheizten Wohnungen und Kellern auf. Sie tragen mehrere Schichten Kleidung, nur um ihre Körperwärme zu erhalten“, schrieben die Fundraising-Organisatoren. Laut ihren Angaben seien bis zu 70 Prozent der Bewohner in Kiew ohne Strom und Heizung.
Generatoren gegen „Ausnahmezustand“ in Kiew: Stromausfälle bei eisigen Temperaturen
Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb zu der Lage in seinem Telegram-Kanal: „Es herrscht eisiger Frost. Stromausfälle dauern an. Kiew befindet sich im Ausnahmezustand“. Man arbeite unermüdlich an einer Lösung. „Wir alle müssen überleben!“, so Klitschko. Seit einem Angriff am 9. Januar hatten bis zu 6000 Haushalte keine Wärmeversorgung. Am 18. Januar gab Klitschko an, zumindest 32 Hochhäuser seien wieder mit Wärme versorgt.
In der ukrainischen Hauptstadt Kiew kommt es im Winter immer wieder auch zu zweistellig negativen Gradbeträgen. Am Montag (19. Januar) lag die Höchsttemperatur in Kiew bei gerade einmal -12 Grad, die Tiefstwerte erreichten -17 Grad. Es ist davon auszugehen, dass die eisigen Temperaturen bis Ende Februar anhalten. Vor diesem Hintergrund begrüßte auch der ukrainische Botschafter in Polen, Wasyl Bodnar, die Spendenaktion. Er schrieb in einem Beitrag auf der Onlineplattform X, die Hilfe sei „extrem wichtig“. Sie „rettet wirklich Menschenleben“, so Bodnar.
Russland hat Energieversorgung der Ukraine im Visier – wohl noch „mindestens bis März“
Währenddessen dauern die Angriffe der russischen Armee auf die Infrakstruktur der Ukraine an. Erst in der Nacht auf Montag (19. Januar) kam es laut Angaben des ukrainischen Energieministers Artem Nekrasow erneut zu russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur. „Mehrere Regionen“, darunter die nördlichen Regionen Sumy, Chernihiw und Charkiw, aber auch die Regionen Odessa im Süden und Dnipro im Osten seien angegriffen worden, zitierte ihn The Kyiv Independent.
Die ukrainische Energieversorgung sei weiterhin „schwierig“, so Nekrasow weiter. Aktuell würden wohl 60 Teams in Kiew an der Wiederherstellung der Stromversorgung arbeiten, zwölf weitere arbeiteten in anderen Regionen. In Kiew nutze man wohl aktuell erneut geplante Stromausfallzeiten, um das Netz zu entlasten. Wenige Tage zuvor hatte der stellvertretende ukrainische Energieminister Mykola Kolisnyk gewarnt, Russland würde „alles daran setzen“, die Energieinfrastruktur der Ukraine zu zerstören.
Dabei ist wohl bis zum Frühlingsbeginn keine Verbesserung abzusehen: „Mindestens bis März wird Russland versuchen, das Stromnetz vor allem in der Hauptstadt Kiew völlig zu zerstören“, meint der Energie-Experte der Denkfabrik Rasumkow-Zentrum, Wolodymyr Omeltschenko laut der ARD. „Es geht Russland darum, politische Unruhe zu stiften, die Lage im Land zu destabilisieren.“ Mit dem Anbruch des Frühlings könnten womöglich erneuerbare Energien Abhilfe schaffen. (Quellen: Kyiv Independent, ARD, eigene Recherche)